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15.05.2008 

Wie ein kleiner Wunder: Helfer bergen in Chen Jia Ba 52 Stunden nach dem verheerenden Erdbeben eine Frau lebend aus den Trümmern. Foto: Andreas HoffbauerLupe

Wie ein kleiner Wunder: Helfer bergen in Chen Jia Ba 52 Stunden nach dem verheerenden Erdbeben eine Frau lebend aus den Trümmern. Foto: Andreas Hoffbauer

Chinas Ministerpräsident profiliert sich mit seinem schnellen Eingreifen im Erdbebengebiet als ungewöhnlich offener und emotionaler Krisenmanager. China habe – ganz anders als die Diktatoren im Nachbarstaat Birma – schnell reagiert und schon kurz nach dem Beben die ersten Hilfsaktionen gestartet, loben sogar die Vereinten Nationen.

Auch Journalisten erleben in Chinas Katastrophengebiet eine neue Offenheit. Während Polizisten die Recherche ausländischer Journalisten normalerweise schnell beenden, prüfen sie diesmal nur selten und freundlich die Papiere. Statt Behinderung gibt es sogar hilfreiche Tipps, wie man am besten in die Krisenregionen gelangen kann. Denn: Was ist schon normal in diesen Tagen. Selbst in Totenstädten wie Chen Jia Ben können Fotografen ungehindert ihrer Arbeit nachgehen, helfen Soldaten der Presse so gut sie können.

„Wir haben heute schon 21 Verschüttete lebend geborgen“, sagt der Einsatzleiter in Chen Jia Ba zum Ende des ersten Tages vor Ort. Als Helfer am Mittag eine Frau nach 50 Stunden aus den Trümmern der Ladenstraße ziehen, klatschen Soldaten Beifall, die Familie weint – vor Freude.

Um die Ecke haben die Trupps schon aufgegeben, sucht Sun Yong nun mit den bloßen Händen nach seiner Frau und seinem Kind. „Unser Baby war drei Monate alt“, trauert der Chinese und ruft immer wieder die Namen. Doch nichts rührt sich. Er steht wie alle Bewohner im Tal des Todes noch unter Schock. Zu Tausenden fliehen die Menschen aus den Bergen, wandern auf der schmalen Straße in Richtung der nächsten größeren Stadt. Viele weinen, können über das Erlebte nicht sprechen. Die abgerutschten Berge ringsum reichen aus als Erklärung für das Schicksal, das sie hinter sich lassen wollen.

Bei der Vorsorge gegen die Folgen von Erdbeben sei China eigentlich eines der führenden Länder der Welt, sagen Experten. Die Regierung habe in den vergangenen zehn bis 15 Jahren mehr und mehr den Bau erdbebensicherer Gebäude angeordnet. Doch in den Bergregionen von Sichuan stehen noch viele alte Gebäude. Und oft werden durch Korruption und Schlamperei in den Provinzen die neuen Bauvorschriften nicht umgesetzt.

Bei dem Beben vom Montag sind Tausende von Schulkindern ums Leben gekommen. Die Stöße ließen die zur Mittagszeit voll besetzten Schulen zusammenfallen wie Kartenhäuser. Nur in Chen Jia Ba, in der von der Landkarte ausradierten Stadt, steht noch die Grund- und Mittelschule. In den Klassenräumen sind die kleinen Schemel umgefallen. Die Ranzen liegen auf dem Boden. Und an der Tafel steht noch der letzte Satz aus dem Englischunterricht: „I love my Mama and my Papa“ – als sei die Zeit stehen geblieben. Am Montag, um 13. 28 Uhr. Als das Tai-Hong-Tal zu beben begann. Und als der Berg kam.

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