Fünf Tage nach dem verheerenden Wirbelsturm „Nargis“ hat die Militärregierung in Birma erstmals einem internationalen Flugzeug mit Hilfsgütern die Landung erlaubt. Amerikanische Militärflugzeuge mit Hilfsgütern wurden indessen weiterhin nicht ins Land gelassen.
Soldaten verladen Hilfsgüter, nachdem erste Lieferungen aus dem Ausland eingetroffen sind. Foto: dpa
ap RANGUN. Eine italienische Transportmaschine des Welternährungsprogramms (WFP) der Vereinten Nationen brachte am Donnerstag Lebensmittel und Medikamente nach Rangun. Auch wurden dem UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) Lkw-Transporte mit Plastikplanen und Zelten über die thailändische Grenze genehmigt. Amerikanische Militärflugzeuge mit Hilfsgütern wurden indessen weiterhin nicht ins Land gelassen.
Nach der Landung des italienischen Flugzeugs mit proteinreichen Keksen und anderen Versorgungsgütern erklärte ein UN-Sprecher, es stünden noch drei weitere Maschinen bereit. Es sei jedoch unklar, wann sie nach Birma starten dürften. Auch zahlreiche Visa-Anträge von UN-Rettungsteams seien noch nicht gewährt worden.
Zwei Flugzeuge mit Hilfsgütern des Roten Kreuzes erhielten inzwischen Landegenehmigungen. Eine Chartermaschine und ein Linienflugzeug von Thai Airways würden voraussichtlich am Donnerstagabend in Malaysia starten, sagte Rot-Kreuz-Koordinator Bernd Schell in Bangkok. Zunächst würden jedoch nur kleinere Ladungen ins Katastrophengebiet gebracht, um zu testen, ob die Militärregierung die Güter wie versprochen beim Roten Kreuz belasse.
Bislang berichteten Hilfsorganisationen, die Junta verteile ausländische Hilfslieferungen selbst. Amnesty International zufolge verzögern einige Spender deshalb ihre Hilfsangebote aus Sorge, die dringend benötigten Güter könnten an die Streitkräfte gehen. WFP-Regionaldirektor Anthony Banbury deutete an, die Vereinten Nationen hätten ähnliche Bedenken. „Wir werden unsere Lieferungen nicht einfach zu einem Flughafen bringen, abladen und wieder abheben“, sagte Banbury.
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Die Vereinten Nationen wollen die Opfer des Wirbelsturms „Nargis“ mit mehr als zehn Mill. Dollar (6,5 Mill. Euro) unterstützen, wie der für humanitäre Einsätze zuständige UN-Funktionär John Holmes in Genf mitteilte. Das Weltkinderhilfswerk UNICEF kündigte an, drei Mill. Tabletten zur Wasseraufbereitung sollten nach Thailand geschickt werden und am (morgigen) Freitag von dort nach Birma gebracht werden.
Angesichts der Verzögerungen bei der Katastrophenhilfe bestellte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier den birmanischen Botschafter in Berlin zu einem Gespräch ein. Steinmeier erklärte, er habe seinen Appell wiederholt, Hilfslieferungen möglichst schnell zuzulassen. Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul stellte eine Erhöhung der deutschen Unterstützung in Aussicht.
Wegen der zunächst blockierten Hilfslieferungen befürchtet die Organisation Care den Ausbruch von Cholera, Typhus und Malaria im Katastrophengebiet. „Wir haben dafür alle Bedingungen“, sagte Nothilfekoordinator Wolfgang Tyderle der AP. „Verschmutztes Wasser, Leichen, hohe Luftfeuchtigkeit.“
Der Zyklon „Nargis“ könnte nach Einschätzung einer US-Diplomatin 100 000 Menschen das Leben gekostet haben. Die staatlichen birmanischen Medien bezifferten die Opferzahl auf knapp 23 000, mehr als 42 000 Menschen galten demnach als vermisst. Rund 1,5 Mill. wurden obdachlos.
Auch das Haus von Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi wurde schwer beschädigt. Der Wirbelsturm habe Teile des Dachs des Bungalows weggerissen, in dem die Politikerin unter Hausarrest steht, sagte ein Nachbar. Es war nicht klar, ob die Politikerin verletzt war oder über ausreichend Nahrungsmittel und Wasser verfügte.


