0 Bewertungen
30.08.2007 
Kölner Dom

Kardinal Meisner sähe Richter-Fenster in Moschee besser aufgehoben

Kardinal Meisner hat das weltberühmte von Maler Gerhard Richter entworfene neue Fenster des Kölner Doms öffentlich kritisiert. Meisner bemängelte nach Angaben des „Kölner Stadt-Anzeigers“ die „Beliebigkeit“ und Abstraktheit des neuen Fensters. Der feierlichen Einweihung des neuen Fensters war er ferngeblieben.

Das von Gerhard Richter gestaltete neue Domfenster hat eine Fläche von 113 Qaudratmetern. Foto: dpaLupe

Das von Gerhard Richter gestaltete neue Domfenster hat eine Fläche von 113 Qaudratmetern. Foto: dpa

HB KÖLN. Für eine christliche Kirche und speziell den Kölner Dom hätte sich der Erzbischof „etwas anderes, nicht so eine Beliebigkeit“ gewünscht, sagte ein Sprecher des Erzbistums am Donnerstag. Die Kölner Zeitung „Express“ zitierte den Kardinal mit den Worten: „Das Fenster passt nicht in den Dom. Es passt eher in eine Moschee oder in ein Gebetshaus.“ Dazu sagte der Erzbistumssprecher, Meisner habe gesagt, das Richter-Fenster könne „genauso gut in einer Moschee hängen“. Das Kunstwerk war am Samstag feierlich eingeweiht worden.

Mit dem Verweis auf die Moschee habe Meisner gemeint, dass es im Islam ein ausdrückliches Bilderverbot gebe und dass das neue Dom- Fenster ohne figürliche Abbildungen daher auch in einer Moschee möglich sei. Er verstehe die Aufregung um das Thema nicht: „Über Kunst kann man streiten und der Kardinal hat eben seine eigene Meinung“, sagte Christoph Heckeley.

Das 113 Quadratmeter große Fenster, das aus kleinen bunten Quadraten in rund 80 Farbtönen besteht, war erst am Samstag bei einem Festgottesdienst enthüllt worden. Meisner war dem Gottesdienst unter Verweis auf eine Polen-Reise ferngeblieben. Ursprünglich waren als Thema für das neue Fenster Märtyrer des 20. Jahrhunderts vorgesehen, der Plan war aber fallengelassen worden. Laut „Express“ hatte Meisner den Entwurf des weltbekannten Malers Richter in erbitterten Diskussion rundherum abgelehnt. Das Domkapitel habe aber 2006 mit deutlicher Mehrheit für das moderne Fenster und damit gegen Meisner gestimmt.

Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner hatte das Richter-Fenster unmittelbar vor der Enthüllung für seinen „fast überirdischen Glanz“ gelobt und betont, es werde bislang von niemandem als Fremdkörper in der gotischen Kathedrale empfunden. Dagegen verwies Heckeley darauf, dass die Meinungen über das Glasfenster bei Bevölkerung und Besuchern „sehr weit auseinandergehen“.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterHandelsblatt Specials

zurück
  • Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenze...

    Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenzen

    Bankenpleiten, Börsentalfahrt, Rezession: Kaum ein Jahr hat die Welt der Wirtschaft so durcheinander gewirbelt wie 2008. Im kommenden Jahr müssen sich Manager und Politiker neu beweisen. Handelsblatt.com blickt in den Tagen bis zum Jahreswechsel zurück auf eine Zeit vo...Special 

  • Türkei – ein Land zwischen Aufbruch u...

    Türkei – ein Land zwischen Aufbruch und Rückschritt

    Die Türkei sprüht vor Dynamik. Neben Istanbul bilden sich auch in Anatolien neue Wirtschaftszentren. Im Land entsteht ein Mittelstand. Das bietet auch Chancen für deutsche Unternehmer und Investoren. Zugleich gestaltet sich der Weg nach Europa schwierig: Die Türkei ste...Special 

  • Agenda IT-Fitness

    Agenda IT-Fitness

    Ob Waldarbeiter, Bäcker oder Arzt – ohne IT läuft im Beruf kaum noch etwas. Doch die Informationstechnologie wandelt sich permanent, und Unternehmen wie Arbeitnehmer müssen sich auf diesen Wandel einstellen. Wie das gehen kann, zeigt die Agenda „IT-Fitness“.Special 

vor

 

 

Bildergalerien

zurück
  • Wo sich das Sponsorenkarussell dreht

    Wo sich das Sponsorenkarussell dreht

    Zum Saisonende laufen in der Fußball-Bundesliga zahlreiche Verträge von Vereinen mit ihren Hauptsponsoren oder Ausrüstern aus, weitere kommen 2010 hinzu. Insgesamt geht es um Vermarktungsgelder von rund 90 Millionen Euro – und das mitten in der Wirtschaftskrise. Das Ma...Bildergalerie 

  • Rechte und Pflichten bei Eis und Schn...

    Rechte und Pflichten bei Eis und Schnee

    Starke Schneefälle, Glatteis und Dauerfrost haben in den vergangenen Tagen vielen den Weg zur Arbeit erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht.Handelsblatt.com erklärt, was Sie beachten sollten.Bildergalerie 

  • Neue Regeln für die Einreise in die U...

    Neue Regeln für die Einreise in die USA

    Ab dem 12. Januar müssen USA-Reisende ohne Visum vorab online einen Antrag beim US-Heimatschutzministerium stellen. Nur mit Genehmigung, die per E-Mail erteilt wird, darf der Geschäftsreisende oder Tourist dann ins Flugzeug steigen. Die letzte Entscheidung trifft aber ...Bildergalerie 

vor