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26.10.2006 
Halloween und Karneval vermischen sich im Rheinland

Karnevalisten distanzieren sich vom ungeliebten Halloween

Heidi Klum lädt jedes Jahr in den USA zur großen Halloween-Party. In ihrer rheinischen Heimat finden immer mehr Gruselfeten statt, aber die organisierten Karnevalisten leisten Widerstand.

HB FRANKFURT/MAIN. Der Bund Deutscher Karneval droht Fasnachtsgruppen, die in ihren Kostümen und unter ihren Vereinsnamen Halloween feiern, mit Abmahnungen. Der Vorwurf: Sie würden die Tradition untergraben.

Der Vizepräsident des Karnevalbundes, Rainer Domfeld drohte gar für den Wiederholungsfall „die rote Karte und Verbandsausschluss“ an. Domfeld, der sich für das Brauchtum von mehr als 4 000 organisierten Karnevalsvereinen verantwortlich fühlt, äußerte sich bei einer Diskussion zum Thema „Ersetzt Halloween künftig die klassische Fasnacht?“ in Haßloch, wo der Holiday Park Halloween-Spaß unter dem Motto „Schocktober - die Spuktakelwochen“ veranstaltet. Im Gegensatz zu Halloween verkörpere die Fasnachtskultur traditionelle Werte, die nicht ausschließlich auf Kommerz ausgerichtet seien, argumentierte Domfeld.

Dagegen geht den Rheinländern der Ruf „Halloween Alaaf!“ ohne Bedenken über die Zunge. In den „mentalen Ressourcen“ von Karneval und Halloween gebe es „so viele Andockstellen“, dass die Veranstaltungen nicht als Konkurrenz gesehen würden, erklärt Volkskundler Michael Krieger vom Amt für rheinische Landeskunde in Bonn. „Der grauenhaft grinsende Kürbis bekommt die Pappnase aufgesetzt.“

Allerdings distanziert sich die Sprecherin des Festkomitees des Kölner Karnevals, Sigrid Krebs, von Halloween: „Das ist kein richtiges Brauchtum, sondern einfach ein Phänomen, das über den großen Teich hier herüberschwappt.“ Zugleich erklärt sie jedoch: „Wir haben kein Problem mit Halloween. Wir haben im Grunde gar nichts damit zu tun.“

Die Nachfrage nach Halloween-Artikel jedenfalls steigt von Jahr zu Jahr, wie etwa Ute Reimann vom Fachgeschäft Karnevalswierts in Köln berichtet. Als Accessoires zu Verkleidungen als Hexen, Teufel, Sensenmann und Vampir gibt es eine ganze Bandbreite von Schockdingern: Nachbildungen abgetrennter, blutender Arme und Beine, Augäpfel, ein Gehirn im Glas oder echt aussehende Ratten. „Die Verkäufer fassen die nicht an“, sagte Reimann. Trotz Angst vor gruseligem Getier feiern Frauen laut Volkskundler Krieger „mehr Halloween“. Das könne mit der Kompensation von Urängsten zu tun haben.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: 150 Mill. Euro Umsatz

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