Eine genauere Betrachtung der SOEP-Daten, des ältesten Sozialsurveys der Welt, ergibt ein anderes Bild. Headey hat ausgemacht, dass sich der Grad der Lebenszufriedenheit bei fast jedem fünften befragten Deutschen innerhalb von 20 Jahren kräftig verändert hat, vielleicht sogar auf Dauer. Viele seien mit ihrem Leben dramatisch unzufriedener geworden – und das in einem Land, in dem Frieden herrsche und es, alles in allem, keinen gewaltigen ökonomischen Einbruch gegeben habe, so der Professor.
Diese Erkenntnis widerspricht der Set-Point-Theorie von dem immer wiederkehrenden „Gleichgewicht des Glücks“ und zwingt die Sozialwissenschaftler zu neuem Nachdenken. Sie könnte aber auch für neue optimistische Schübe sorgen, wenn jetzt gesichert zu sein scheint, dass Lebenszufriedenheit bis ins hohe Erwachsenenalter veränderbar ist. Die Voraussetzungen sind in der Tat günstig, wie Uwe Engfer ermittelte.
Der Sozialwissenschaftler (TU Darmstadt) fand mittels Zeitbudgeterhebungen des Statistischen Bundesamtes heraus, dass mit dem herannahenden Alter eher Zufriedenheit als Unzufriedenheit über die Deutschen kommt: „Keine starken Anzeichen für Orientierungslosigkeit und Unzufriedenheit bei Vorruheständlern.“ Aber auch unser neues, schickes (Medien-)Bild von den so genannten „jungen Alten“ widerspricht der Wirklichkeit, wie Engfer ermittelte: „Weder nimmt das Engagement in organisierten Kontexten oder die informelle Hilfe in Form von Freiwilligenarbeit drastisch zu, noch gibt es eine neue Vielfalt von Freizeitbeschäftigungen.“ Wie dieses eher konservative Selbstbild einer kommenden deutschen Rentnergeneration zusammenpasst mit den Befunden des obersten Glücksforschers der „Deutsche Bank Research“, Stefan Bergheim, könnte Gegenstand künftiger Zufriedenheitsforschungen sein. Bergheim ermittelte anhand einer „World Database of Happiness“: „Glückliche Menschen gehen später in Rente.“
Im Hinblick auf Deutschlands nachwachsende Generation warteten die Soziologen Roland Bieräugel und Wolfgang Glatzer von der Universität Frankfurt mit einer erstaunlichen Zahl auf. 62 Prozent aller 18- bis 34-jährigen Deutschen sehen den Staat als „sehr stark verantwortlich“ in der Pflicht, deutlich mehr als Arbeitslose, Ostdeutsche, Geringverdiener und ältere Bundesbürger über 60. Die plädieren – gleichfalls zu 62 Prozent – für höhere Eigenverantwortung bei der Glückssuche, in Distanz zum Wohlfahrtsstaat.
Womöglich spielen mehr und mehr ernüchternde Erfahrungen der Alten mit, wenn sie diese Staatsskepsis zelebrieren. Aus sozialwissenschaftlichen Erhebungen – beispielsweise im so genannten Wohlfahrts- oder Sozialstaatssurvey – geht hervor, dass nur jeder dritte Deutsche mit seiner Rentenversicherung glücklich ist. Immerhin doppelt so viele – Überraschung! – trauen dem deutschen Krankenversicherungssystem.


