Äußerst selten zeigt sich der Ehemann von Bundeskanzlerin Merkel in der Öffentlichkeit. Die Begrüßung von US-Präsident Bush in Stralsund schien für Manfred Sauer hingegen ein Anlass zu sein, die Gattin zu begleiten. Doch bereits kurze Zeit nach dem Treffen auf dem Marktplatz war der öffentlichkeitsscheue Professor wieder verschwunden – und die Umgebung der Kanzlerin machte ein großes Geheimnis darum.
Am Donnerstag warten Kanzlerin Merkel und ihr Ehemann Joachim Sauer in Stralsund auf die Ankunft von US-Präsident Bush. Es ist eine der seltenen Gelegenheiten, zu denen sich Sauer in der Öffentlichkeit zeigt. Foto: dpa
HB STRALSUND. Etwas irritiert schaute Joachim Sauer drein, als seine Frau abgeküsst wurde: US-Präsident George W. Bush herzte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag zur Begrüßung wie eine alte Freundin. Als Sauer dann umgekehrt First Lady Laura Bush Guten Tag sagen sollte, kam er über einen steifen Händedruck samt angedeuteter Verbeugung nicht hinaus. Aber immerhin war Sauer überhaupt einmal wieder bei einem Termin seiner Frau anwesend, gilt der geniale Chemieprofessor doch als extrem öffentlichkeitsscheu.
So nahm er dann auch am Damenprogramm von Laura Bush mit Leihbücherei und Museum schon nicht mehr teil. Und bei der Besichtigung der schönen Nikolaikirche später fiel er auch nicht mehr auf. In der Umgebung der Kanzlerin wurde ein großes Geheimnis daraus gemacht, was aus Sauer nach dem Begrüßungstermin auf dem Alten Markt wurde. Am Abend sollte er aber noch an einem Grillfest mit Bush teilnehmen.
Einen der letzten Auftritte an der Seite seiner Frau hatte Sauer im Januar, als er sie erstmals auf einer offiziellen Auslandsreise begleitet, die das Paar zum Auftakt der EU-Präsidentschaft Österreichs nach Wien führte. Allerdings war dieser Termin halbprivat - ähnlich wie der Besuch der Bushs in Stralsund. Doch sonst ist von Sauer nicht viel zu sehen: Bei der WM tauchte er nie an der Seite der jubelnden Kanzlerin in den Stadien auf.
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Selbst in dramatischen Momenten bleibt ihr Ehemann in der Regel fern: Als Merkel im Bundestag zur Bundeskanzlerin gewählt wurde, saßen ihre Eltern und ihr Bruder auf der Ehrentribüne. Sauer fehlte. Er konnte wegen dringender Arbeiten an der Berliner Humboldt-Universität nicht kommen und verfolgte die Wahl am Fernseher. Damit habe der Wissenschaftler noch einmal klar gemacht, dass ihm das eigene Leben und die eigene Karriere wichtiger seien als der Platz neben seiner Frau, hieß es in Kommentaren.
Sauer ist ein international anerkannter Wissenschaftler, der in der Quantenchemie als einer der besten seines Faches gilt. „Meine Person steht in keinem Verhältnis zur politischen Arbeit von Angela Merkel“, hat er wiederholt wissen lassen. Von Sauer ist öffentlich wenig bekannt. Als „Phantom der Oper“ wurde er gern bezeichnet, weil die Öffentlichkeit den Opernfan meist nur bei den Festspielen in Bayreuth oder Salzburg an der Seite seiner Frau erlebt.
Kennen gelernt haben sich die beiden Mitte der 80er Jahre an der Ostberliner Akademie der Wissenschaften. Die Stationen seiner Karriere sind eindrucksvoll: Mit 25 Jahren Doktor, mit 34 Professor. Während Merkel 1991 Familienministerin unter Helmut Kohl wird, geht Sauer für zwei Jahre als Direktor einer Technologiefirma nach San Diego in Kalifornien. 1993 kehrt er als Professor an die Humboldt-Universität zurück. Ende 1998 heiraten Merkel und Sauer. Für beide ist es die zweite Ehe.


