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10.08.2007 
Ausgebremst

Konkurrenz für das Autoland

von Stefan Menzel

Deutschland ohne Automobilindustrie? Das kann sich niemand so recht vorstellen. Oder doch? In der deutschen Stärke liegt das Problem, warnt Branchenexperte Helmut Becker und sieht zumindest die Gefahr, dass Deutschland seine Vorrangstellung in der Autobranche verlieren könnte. Darüber hat er ein Buch geschrieben.

„Die Anzeichen mehren sich, dass die deutsche Autoindustrie drauf und dran ist, nicht nur ihre eigene, sondern unser aller Zukunft zu verspielen“, warnt Becker. Foto: dpaLupe

„Die Anzeichen mehren sich, dass die deutsche Autoindustrie drauf und dran ist, nicht nur ihre eigene, sondern unser aller Zukunft zu verspielen“, warnt Becker. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Mercedes, Porsche, BMW – das sind Weltmarken, die nicht nur in ihrem Heimatmarkt einen ausgezeichneten Ruf besitzen. Und sie stehen auch für wirtschaftliche Macht: Allein der Wert der Marke Mercedes liegt nach jüngsten Schätzungen bei 18 Milliarden Euro. An die 700 000 Beschäftigte hat die Branche in Deutschland. Nicht nur bei den allseits bekannten Herstellern, sondern auch bei den Tausenden von Zulieferern.

Aber trotzdem, es gibt jemanden, der sich Deutschland ohne Autoindustrie vorstellen kann. Oder anders formuliert: Helmut Becker sieht zumindest die Gefahr, dass Deutschland seine Vorrangstellung in der Autobranche verlieren könnte. Becker ist nicht irgendwer. In München leitet er das Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation (IWK). Und davor war er lange Jahre Chefvolkswirt bei BMW. Er weiß also, wovon er spricht.

Beckers neues Buch, das am Montag in die Buchhandlungen kommt, ist von der Sorge getrieben, dass Deutschlands Autohersteller den Anschluss verpassen und sich bald der starken Konkurrenz aus Asien geschlagen geben müssen. „Seit langem mehren sich die Anzeichen, dass die deutsche Autoindustrie drauf und dran ist, nicht nur ihre eigene, sondern unser aller Zukunft zu verspielen“, lautet Beckers böse Prophezeiung.

Ganz von der Hand zu weisen ist diese Angst natürlich nicht. Der gute Ruf des Autolands Deutschland kommt weniger von den Marken Opel, Ford und VW. Sie stehen für das Massengeschäft, das es auch in anderen Ländern mehr oder weniger erfolgreich gibt. Die deutsche Branche hebt sich mit ihrer großen Breite exklusiver Premiumhersteller ab. Mercedes, BMW, Porsche, Audi – so etwas gibt es in keinem anderen Land. Das Geschäft mit diesen Premiumautos hat Deutschland den Wohlstand gebracht.


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Trotzdem gibt es ein Problem: Premiumautos sind groß und schwer. Zudem haben sich die deutschen Hersteller meist auf eine große Motorisierung festgelegt. Und was groß und schwer ist, braucht auch mehr Sprit. Inzwischen wächst die Angst, dass die industrialisierte Welt weitere drastische Erhöhungen beim Benzinpreis sehen wird. Und dann gibt es da noch das wachsende Umweltbewusstsein, das auch die Autohersteller unter zusätzlichen Druck setzt.

Beckers Kritik setzt zu Recht an diesem Punkt an. Deutschlands Autohersteller haben bislang keine überzeugende Antwort darauf gefunden, mit welcher Strategie sie Verbrauchs- und Umweltfrage lösen wollen. Toyota ist schon gut zehn Jahre mit einem Hybrid-Modell (Auto mit Elektro- und Benzinantrieb) auf dem Markt vertreten. Bei den deutschen Herstellern herrschte bislang Fehlanzeige. Dass Porsche Ende Juli sein erstes Hybrid-Modell vorgestellt hat, kann dabei nicht versöhnen. Das Auto kommt einfach zu spät.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Glück allein wird nicht ausreichen.

Vielmehr grenzt es an Ignoranz, wenn die deutschen Hersteller nicht die Gefahren sehen wollen, die ihnen drohen. „Porsche ist weitgehend davor geschützt, in den Sog des teilweise ruinösen Preiswettbewerbs gezogen zu werden, der heute im internationalen Automobilmarkt herrscht“, schreibt Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking in seinem Bestseller „Anders ist besser“. Denn natürlich könnte auch Porsche in einen Abwärtsstrudel gezogen werden, wenn der Stuttgarter Sportwagen-Hersteller nicht grundsätzlicher auf die wachsende Bedeutung des Themas Umwelt reagiert.

Trotzdem gibt es noch Hoffnung. Sogar der Unternehmens-Kritiker Helmut Becker sieht durchaus Chancen. „Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass die Innovationsstärke der deutschen Autoindustrie als Ganzes einen plötzlichen Verlust der Käufergunst auch international zu verhindern weiß“, schreibt er.

Mit anderen Worten: Am Ende haben die deutschen Hersteller immer noch die Kurve gekriegt. Es könnte also durchaus sein, dass Mercedes & Co. es auch in der aktuellen Umweltdiskussion schaffen. So gab es bei der Einführung des Katalysators vonseiten der Hersteller anfangs starke Widerstände, später fand sich dann doch eine Lösung. Also vielleicht auch jetzt.


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Am Beispiel des Niedergangs von General Motors, Ford und Chrysler in den USA lässt sich ablesen, was mit Unternehmen passiert, die viel zu spät reagieren. Massenentlassungen und Werksschließungen im Stil der USA sind den deutschen Unternehmen bislang zum Glück erspart geblieben.

Glück allein wird nicht ausreichen, um Einschnitte auch in Zukunft verhindern zu können. Aber mit dem Können, das die deutschen Hersteller in der Vergangenheit unter Beweis gestellt haben, sollte auch in den nächsten Jahren etwas zu schaffen sein.

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