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03.09.2008 
Hurrikan-Evakuierung

Kritik der Gustav-Flüchtlinge an Behörden wächst

Zwei Millionen Menschen sind an der US-Golfküste vor Hurrikan "Gustav" geflohen, doch die meisten sind jetzt sauer. Sie wollen so schnell wie möglich zurück nach Hause und viele sagen bereits, dass sie beim nächsten Mal nicht mehr fliehen werden.

Lupe

HB NEW ORLEANS. Anstatt als "Mutter aller Stürme", wie der Bürgermeister von New Orleans warnte, traf "Gustav" bestenfalls als deren Enkeltochter auf die Küste. In den Notunterkünften ist nun immer wieder der Vorwurf zu hören, die Behörden hätten mit der Anordnung der Evakuierung übertrieben.

"Beim nächsten Mal wird es schlecht aussehen, weil Leute wie wir nicht fliehen werden", sagt Catherine Jones aus Silsbee im US-Staat Texas. Die 53-Jährige hat drei Tage lang mit ihrem behinderten Sohn auf einem Feldbett in einer Kirche ausgeharrt. Die Behörden hätten überzogen, sagt sie. Die Vertreter des Katastrophenschutzes hingegen verteidigen ihre Entscheidung. In Anbetracht eines möglicherweise verheerenden Hurrikans, dessen Verlauf und Stärke schlecht vorgehergesagt werden könnten, sei es besser, einmal zu oft als einmal zu wenig zu evakuieren.

Seit Hurrikan "Katrina", dem vor drei Jahren 1 600 Menschen zum Opfer gefallen sind, sind die Börden sehr vorsichtig geworden. Die Dämme in New Orleans haben gehalten, es gab keine Katastrophe. Doch "Gustav" hatte sich rechtzeitig abgeschwächt und war auch nicht direkt auf die Stadt getroffen. Und als im Süden Louisianas Bäume auf Häuser stürzten, Straßen überspült wurden und Hochspannungsleitungen einknickten, war auch niemand mehr da, der verletzt werden konnte. Die Versicherungen schätzen die Sachschäden immerhin auf zwei bis zehn Mrd. Dollar. Bei "Katrina" waren 41 Mrd. Dollar.

"Der Grund, wieso es keine dramatischen Rettungsgeschichten gibt ist, dass die Evakuierung erfolgreich war", sagt Innenminister Michael Chertoff. Die Leute hätten den Anweisungen Folge geleistet und sich in Sicherheit gebracht. Ein Katastrophenschutzbeauftragter aus Louisiana befürchtet allerdings, dass die Menschen beim nächsten Mal einfach zu Hause bleiben werden. "Das ist eine große Sorge", sagt der Logistikbeauftragte des Staats, Pat Griffin. "Nach ein, zwei oder drei solchen Stürmen wird es für die örtlichen und die staatlichen Behörden noch schwieriger werden, die Menschen zu überzeugen."

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