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01.12.2006 
Gigantischer Spiegel

"Künstliche Sonne" erleuchtet italienisches Dorf

Drei Monate im Jahr mussten die Bewohner des italienischen Örtchens Viganella komplett im Schatten leben. Doch damit ist nun Schluss - dank eines gigantischen Spiegels.

Ende November ging die Sonne in Viganella bisher für drei Monate unter. Foto: dpaLupe

Ende November ging die Sonne in Viganella bisher für drei Monate unter. Foto: dpa

HB ROM. Das Dorf im Piemont liegt so eingekeilt zwischen zwei Bergen, dass die Bewohner im Winter stets im Schatten lebten. Vom 11. November bis zum 2. Februar, ganze 83 Tage, versteckte sich der Himmelskörper bisher alljährlich hinter einer Felswand, die im Süden des Tals 1600 Meter emporragt.

Doch die Zeit der Finsternis und nun vorrbei: In der kommenden Woche wird an einer der beiden Felswände ein gigantischer Spiegel montiert, der die Sonne endlich auch in der kalten Jahreszeit auf die 197-Seelen- Gemeinde lenken soll.

„Die Sonne von Viganella wiegt 22 Zentner und ist 40 Quadratmeter groß“, schrieb die Zeitung „La Repubblica“ zuletzt. Das aufwendige Vorreiter-Projekt könnte schon bald in aller Welt Nachahmer finden.

„Wir sind schon von vielen kontaktiert worden, denn in ein paar Tagen werden wir die weltweit ersten sein, die im Sommer direktes Sonnenlicht haben und im Winter gespiegeltes“, sagte Bürgermeister Pierfranco Midali. Schließlich gebe es auch anderswo schattige Dörfer, die unter ihrer Situation leiden - „und zwar von den Pyrenäen bis Österreich, von der Schweiz bis nach Kanada“. Seit 1999 hatte Midali für das Projekt gekämpft und Sponsoren gesucht.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie der Riesenspiegel montiert wird.

Das Örtchen, das in diesen Tagen überall von sich Reden macht, ist kaum auf einer Landkarte zu finden. Besucher, die über den Simplon-Pass in den oberitalienischen Piemont hereinfahren, lassen Viganella gleich hinter der schweizerischen Grenze meist unbemerkt hinter sich. Ihr Ziel ist der nahe liegende Lago Maggiore.

Die Installation soll knapp 100 000 Euro kosten. Die Finanzierung werde von einem Sponsor, der Provinz und der Gemeinde Viganella übernommen, erklärt der Bürgermeister. „Jetzt warten wir auf die Techniker, die den Spiegel bringen sollen.“

Nächste Woche werden sie die Konstruktion, die auf einer Basis aus Stahl und Zement ruht, per Hubschrauber auf den Berg transportieren und vor Ort in 1100 Metern montieren. Dann müssen die Bürger auf schönes Wetter hoffen, denn nur an einem Sonnentag kann der Spiegel richtig ausgerichtet werden. „Er soll 30 Jahre halten, hat man uns versichert“, sagt der kühne Bürgermeister.

Die „gespiegelte Sonne“ soll dann - je nach Monat - täglich sechs bis acht Stunden auf Viganella scheinen. Für den 17. Dezember plant das Dorf eine große Einweihungszeremonie, in dem der Licht bringende Spiegel gebührend gefeiert werden soll. Und so lebten die Menschen in dem kleinen italienischen Bergdorf glücklich bis an ihr Lebensende - oder zumindest so lange, wie der Spiegel funktioniert.

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