0 Bewertungen
05.11.2006 
Stromausfall in Westeuropa

Kurz nach zehn gingen die Lichter aus

Millionen Menschen in Westeuropa haben am späten Samstagabend plötzlich im Dunkeln gesessen. Eine Panne im deutschen Stromnetz führte zu einer Kette von Ausfällen, die von Deutschland bis nach Spanien und Italien reichte. Kurz nach 22 Uhr gingen in Teilen des Kontinents die Lichter aus.

Advents-Stimmung "dank" Stromausfall:  Eon rätselt noch über die Ursachen des Netzausfalls am späten Samstag.  Archivbild: dpaLupe

Advents-Stimmung "dank" Stromausfall: Eon rätselt noch über die Ursachen des Netzausfalls am späten Samstag. Archivbild: dpa

HB HAMBURG. Allein in Frankreich hatten etwa fünf Millionen Menschen nach Medienberichten kurzzeitig keinen Strom. Die Ausfälle dauerten meist nicht länger als eine Stunde, legten aber in Deutschland und Belgien den Zugverkehr streckenweise lahm. Hier zu Lande waren etliche Haushalte vor allem in Nordrhein- Westfalen, aber auch in Bayern und Hessen betroffen. Über Schäden wurde zunächst nichts bekannt. Dank der späten Stunde am Samstag blieb ein Verkehrschaos aus.

Die genaue Ursache für den großflächigen Stromausfall war bis zum Sonntagmittag unklar. Belgische und französische Netzbetreiber machten eine Panne im deutschen Stromnetz verantwortlich. „Um 21.30 Uhr wurde dort eine Hochspannungsleitung von 400 000 Volt ausgeschaltet, um dringende Reparaturarbeiten auszuführen“, sagte Erik De Leye, Sprecher des belgischen Netzbetreibers Elia am Sonntag. „Um 22.10 Uhr geriet dadurch eine andere Hochspannungsleitung unter Überlast mit einem Dominoeffekt für die umliegenden Länder.“ Ähnlich äußerte sich auch das Vorstandsmitglied des französischen Zulieferers RTE, Pierre Bornard. Nach seinen Worten ist Europa nur knapp einem völligen Blackout entgangen.

„Wir wissen immer noch nicht genau, woran es gelegen hat“, sagte eine Sprecherin des deutschen Stromversorgers Eon am Sonntag der dpa. Die Eon-Techniker analysierten die Panne noch. „Es ist in gewisser Weise ohne Grund passiert“, erläuterte die Sprecherin. Die endgültige Klärung des Stromausfalles werde Tage, wenn nicht Wochen dauern. Das Unternehmen werde aber noch an diesem Sonntag eine Erklärung abgeben.

Von dem Stromausfall waren laut der Bahn bundesweit mehr als 100 Züge mit mehr als 1 000 Fahrgästen betroffen. Die größten Probleme habe es in der Region Berlin-Brandenburg sowie in Hessen und Nordrhein-Westfalen gegeben. „Die Auswirkungen waren aber in ganz Deutschland deutlich zu spüren“, sagte Bahn-Sprecher Achim Strauß in Berlin. In den betroffenen Nahverkehrszügen mussten die Fahrgäste etwa 30 Minuten Verspätung in Kauf nehmen, bei einigen Fernverkehrszügen waren es sogar bis zu zwei Stunden. „Wir hatten Glück im Unglück, weil der Samstagabend bei der Bahn der verkehrsschwächste Tag der Woche ist“, sagte Strauß.

In Niedersachsen wurde die Überführung des Kreuzfahrtschiffs „Norwegian Pearl“ auf der Ems zunächst abgebrochen und dann komplett abgesagt, weil Eon eine Hochspannungsleitung über der Ems bei Weener nicht abschalten konnte. „Es wäre für das Schiff zu riskant gewesen, unter einer nicht abgeschalteten Hochspannungsleitung zu fahren“, sagte Werft-Sprecher Peter Hackmann.

In Frankreich traf der Stromausfall vor allem den Norden und auch mehrere Stadtteile der Hauptstadt Paris. In Belgien wurde der Zugverkehr vor allem rund um Antwerpen zum Erliegen gebracht. Sehr viele Fahrgäste seien zu dem Zeitpunkt aber nicht unterwegs gewesen. „Zum Glück ist der Strom nicht an einem Freitagabend um 17 Uhr ausgefallen“, sagte ein SNCB-Sprecher.

In Italien waren mehr als hunderttausend Menschen betroffen, vor allem in Turin und Umgebung. Aber auch im Süden des Landes waren die Folgen zu spüren. In Spanien kam es in einigen Teilen zu Stromausfällen, die jedoch nur kurze Zeit dauerten. Dort waren einzelne Kraftwerke automatisch abgeschaltet worden, um sie vor Leistungsschwankungen zu schützen. Auch die Verbindung von Spanien nach Marokko sei zum Schutz der Stromanlagen in dem nordafrikanischen Land abgestellt worden.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

Blogkommentare zu diesem Artikel

Städtewetter Deutschland

Bitte tragen Sie hier PLZ oder Städtenamen ein:

weiterHandelsblatt Specials

zurück
  • Zukunft der Stadt

    Zukunft der Stadt

    Vor welchen Herausforderungen stehen die Metropolen von heute? Und wie sehen Ideen für die Stadt von morgen aus?Special 

  • 60 Jahre Bundesrepublik

    60 Jahre Bundesrepublik

    2009 feiert die Bundesrepublik ihren sechzigsten Geburtstag. Auch Handelsblatt.com blickt aus diesem Grund noch einmal auf Politik, Managementgeschichte und Ökonomie Deutschlands zurück. Obendrein gibt es beim BRD-Quiz attraktive Preise zu gewinnen.Special 

  • Brasilien – ein Riese erwacht

    Brasilien – ein Riese erwacht

    Brasilien hat sich gewandelt wie kaum ein anderes Land. Es hat gute Chancen, gestärkt aus der globalen Wirtschaftskrise hervorzugehen und steht zu Unrecht im Schatten von China und Indien. Das neue, starke Brasilien – ein Dossier.Special 

vor

 

 

Bildergalerien

zurück
  • Die teuersten Fußball-Transfers all...

    Die teuersten Fußball-Transfers aller Zeiten

    In der Geschichte des Fußballs gab es schon viele aufsehenerregende Deals. Dazu zählen auch die teilweise gigantischen Ablösesummen für internationale Stars. Die zwanzig teuersten Transfers sind zusammen fast eine Milliarde Euro schwer. Bei welchen Spielerwec...Bildergalerie 

  • Tour de France: Wer zu den Favorite...

    Tour de France: Wer zu den Favoriten gehört

    Bekannte Fahrer wie Alexander Winokurow, Alejandro Valverde oder Ivan Basso sitzen ihre Dopingsperrren ab, Alexander Klöden ist von seinen besten Zeiten weit entfernt – aber Lance Armstrong ist wieder dabei. Doch gehört er auch zu den Favoriten? Handelsblatt....Bildergalerie 

  • Wie man der Hitze Paroli bieten kan...

    Wie man der Hitze Paroli bieten kann

    Was tun bei unerträglich hohen Temperaturen? Schüler bekommen (manchmal) Hitzefrei, die arbeitende Bevölkerung wird dagegen wohl kaum blau machen können. Im Arbeitsalltag muss man sich etwas Anderes einfallen lassen. Zehn Tipps, was man gegen die drückende Hi...Bildergalerie 

vor