Mehr als 1.200 Vertreter von Kirche, Medien, Politik und Wirtschaft haben in Mainz den Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, beigewohnt.
HB MAINZ. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete Lehmann bei einem Festakt am Dienstag als „große moralische Autorität“ und wichtigen Gesprächspartner für die Politik. Der Kardinal sei ein Kirchenführer, „der um die Konflikte der Zeit weiß, der sie benennt und sich in christlicher Verantwortung mit ihnen auseinander setzt“.
Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Erwin Josef Ender, überbrachte bei einem Gottesdienst im Mainzer Dom die Glückwünsche von Papst Benedikt XVI. Lehmann habe sich große Verdienste um die Kirche erworben und genieße weit über die Grenzen der Kirche hinaus großes Ansehen, sagte Ender. In seiner Laudatio auf Lehmann sagte Kurienkardinal Walter Kasper, Gesicht und Stimme des Geehrten hätten sich in den bislang 23 Jahren seines bischöflichen Wirkens der Öffentlichkeit fest eingeprägt: „Karl Lehmann ist so etwas wie eine Institution geworden.“
Das Mitfühlen mit den Menschen und ihren Nöten und Sehnsüchten habe ihn zu öffentlichen Schritten bewogen, „die in der Kirche nicht allen gleich gut gefallen haben“, sagte Kasper. Kasper verwies auf Lehmanns Eintreten für die Belange wiederverheirateter Geschiedener sowie für den Verbleib der Kirche im System der staatlichen Schwangerschaftskonfliktberatung. Die Stellungnahmen des Mainzer Bischofs in beiden Fragen hätten nichts mit mangelnder Loyalität gegenüber dem Vatikan zu tun: „Er hat seine gründlich geprüfte Überzeugung vertreten, dann aber die Entscheidung des Papstes ohne Wenn und Aber angenommen.“ Lehmanns Loyalität und seine Ehrlichkeit hätten vielen Menschen Mut gemacht, in der Kirche zu sein und in der Kirche zu bleiben.
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Als ein persönlicher Freund gratulierte auch Altkanzler Helmut Kohl (CDU) dem Jubilar. Lehmann sei seit vielen Jahren ein weithin anerkannter Theologe, sagte Kohl. Dennoch sei er „der Pastor geblieben, der Geistliche in der Gemeinde“. Obwohl Nachfolger der Fürstbischöfe von Mainz, sei der 70-Jährige nie abgehoben: „Das ist eine großartige Sache.“
Der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber würdigte den Einsatz des Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz für die Ökumene. „Den Dialog der Kirchen haben Sie aus theologischer Substanz heraus geprägt“, sagte Huber bei dem Festakt in der Rheingoldhalle. Der Mainzer Kardinal sei ein engagierter Verkünder des Evangeliums. Sein weiter theologischer Horizont und seine Fähigkeit zur Wahrnehmung einer vielschichtigen Realität machten den Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz „zu einem idealen Partner auf der gemeinsamen ökumenischen Wanderschaft“.
An der Messe sowie am anschließenden Festakt nahmen als Vertreter der Bundesregierung neben Merkel (CDU) auch Vizekanzler Franz Müntefering (SPD), Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU). Ebenfalls unter den Festgästen waren der neue SPD-Chef Kurt Beck, Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier. Bis zum Ende der Woche werden weitere Feierlichkeiten im Bistum Mainz stattfinden. Lehmann leitet die deutsche Bischofskonferenz bereits seit 19 Jahren, länger als jeder seiner Vorgänger.


