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17.09.2008 
Drittes Baby gestorben

Milchpulver-Skandal in China weitet sich aus

In dem Skandal um verseuchtes Babymilchpulver in China sind inzwischen mindestens drei Kinder gestorben und 6244 Säuglinge erkrankt. Wie Gesundheitsminister Chen Zhu am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Peking mitteilte, litten 158 Kinder unter „ernsthaften Nierenprobleme“ durch das Milchpulver. 1327 der erkrankten Kleinkinder seien noch im Krankenhaus.

In China starben drei Kinder an verseuchter Babymilch. Foto: dpaLupe

In China starben drei Kinder an verseuchter Babymilch. Foto: dpa

HB PEKING. Der Einsatz der verbotenen Chemikalie Melamin scheint in Chinas Milchindustrie weit verbreitet zu sein. In Milchpulverprodukten von 22 Produzenten sei die Chemikalie inzwischen gefunden worden, berichtete der Leiter der staatlichen Qualitätsaufsicht, Li Changjiang.

Der Skandal war wochenlang vertuscht worden, um negative Presse während der olympischen Spiele zu vermeiden. Jetzt gibt es erste personelle Konsequenzen. Der für landwirtschaftliche Produktion zuständige Vizebürgermeister von Shijiazhuang, die jeweiligen Chefs der städtischen Viehverwaltung, der Nahrungs- und Arzneimittelaufsicht und der Qualitätsinspektion verloren wegen Vernachlässigung ihrer Aufsichtspflicht ihre Posten. Auch die Vorstandsvorsitzende und Parteichefin des Herstellers Sanlu, Tian Wenhua, wurde entlassen.

Die Belastungen mit Melamin in Sanlu-Produkten waren besonders hoch. Mit der gefährlichen Chemikalie, die in der Industrie als Bindemittel eingesetzt wird, wurde der Proteingehalt in qualitativ minderwertiger oder verdünnter Milch künstlich erhöht.

Bei Untersuchungen wurden 69 Lieferungen von 491 getesteten Fertigungsreihen beanstandet. 109 Produzenten wurden kontrolliert. Mit rund 5000 Inspekteuren in 1400 Ermittlungsteams läuft eine landesweite Untersuchung der Milchindustrie.

Von dem Skandal betroffen ist auch der skandinavische Molkereikonzern Arla. Er zieht alle Milchpulver-Produkte vom chinesischen Markt zurück und stellt die Produktion ein. Wie ein Konzernsprecher am Mittwoch in Stockholm im Rundfunk sagte, wurde nach Behördenangaben in drei von 28 untersuchten Produktproben des Tochterunternehmens Mengniu Arla die giftige Chemikalie Melamin gefunden. Die für Dienstag geplante Eröffnung einer gemeinsam mit Mengniu errichteten Fabrik zur Herstellung von Milchpulver wurde abgesagt.

Vier Milchhändler sind bereits verhaftet worden und haben gestanden, ihre Milch mit der Chemikalie gepanscht zu haben. Außer dem führenden Hersteller Sanlu sind jetzt auch bekannte Markennamen wie Mengniu, Yili, Yashili oder die Shanghaier Bright Dairy betroffen. Milchpulver wurde auch exportiert.

Die Unternehmen Yashili aus der Südprovinz Guangdong und Qingdao Suokang hätten in Länder wie Bangladesch, Jemen, Birma, Burundi und Gabon exportiert, berichtete Qualitätschef Li Changjiang. Die Produkte würden zurückgezogen, zitierte ihn die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

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