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22.09.2008 
Melamin im Milchpulver

Milchskandal: 50 000 Kinder erkrankt

In China sind deutlich mehr Kleinkinder nach dem Verzehr verseuchter Milchpulver-Produkte erkrankt als bisher angenommen. Mehr als 50 000 Fälle haben die Gesundheitsbehörden in Peking bislang registriert. Auch der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé musste auf den Milchskandal reagieren.

Besorgte Eltern lassen ihre Kinder auf Nierensteine untersuchen. Mehr als 50000 Kleinkinder sind bislang erkrankt. Foto: dpaLupe

Besorgte Eltern lassen ihre Kinder auf Nierensteine untersuchen. Mehr als 50000 Kleinkinder sind bislang erkrankt. Foto: dpa

PEKING. Der Skandal um verseuchte Milchprodukte in China nimmt immer größere Ausmaße an. Die chinesischen Behörden haben bislang mehr als 50 000 Fälle von Erkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern registriert. Bei rund 40 000 Kindern genügte eine ambulante Behandlung, aber knapp 13 000 Kinder mussten stationär behandelt werden, wie das Gesundheitsministerium in Peking mitteilte. Vier Kinder sind in Folge der Vergiftung mit der Chemikalie Melamin an Nierensteinen gestorben

Die Zahl der Erkrankungen ist damit drastisch höher als bisher dargestellt. Bis zum Sonntag hatten die chinesischen Behörden nur von 6 200 Fällen berichtet. Wie es nun hieß, hätten 1 579 der bislang landesweit 12 892 stationär behandelten kleinen Patienten die Kliniken inzwischen wieder als geheilt verlassen können.

Die erkrankten Kleinkinder tranken dem Ministerium zufolge Milch aus kontaminiertem Milchpulver, das hauptsächlich vom Hersteller Shijiazhuang Sanlu stammte. Inspektoren haben in Milchprodukten der Sanlu-Gruppe sowie von 21 weiteren chinesischen Herstellern die giftige Chemikalie Melamin festgestellt, die zur Herstellung von Plastik genutzt wird.

Melamin ist hoch nitrogenhaltig und kann bei Milchtests daher ein höheres Proteinniveau vortäuschen. Einige Bauern könnten mit Wasser gestreckte Milch mit Melamin angereichert haben, um ihre Profitmarge zu erhöhen.

Ministerpräsident Wen Jiabao erklärte, alle Verantwortlichen sollten zur Rechenschaft gezogen werden, um zu verhindern, dass sich ein solcher Skandal wiederhole. "Die Regierung begreift den Zwischenfall als Warnung und wird die Bemühungen um die Lebensmittelsicherheit verstärken", sagte Wen während eines Krankenhausbesuchs in Peking.

Unterdessen hat der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé Berichte dementiert, wonach die giftige Chemikalie Melamin auch in Produkten des Unternehmens entdeckt worden sei. Das Produkt Neslac Gold 1+ sei frei von Melamin, teilte der Konzern am Sonntag mit. Es sei von geprüften und unabhängigen Labors untersucht worden, und in keiner der Analysen sei Melamin gefunden worden. Man verfüge über sehr enge Beziehungen zu den Milchproduzenten in China und informiere diese laufend über die Qualität der Milchproduktion.

Das Zentrum für Nahrungsmittelsicherheit in Hongkong hatte am Sonntag mitgeteilt, dass ein geringer Rückstand von Melamin in einer Probe von "Dairy Farm Pure Milk" von Nestlé nachgewiesen worden sei. Der Anteil des Giftes sei allerdings so niedrig gewesen, dass ein einjähriges Kind mit einem Gewicht von 7,5 Kilogramm drei Packungen oder 3,38 Liter pro Tag trinken müsste, um eine gefährliche Dosis zu erreichen, sagte ein Sprecher des Zentrums.

Der normale Konsum sei ungefährlich. Trotzdem sei es nicht ratsam, kleine Kinder mit dem Milchprodukt zu füttern. Der Handel sei von dem Testergebnis unterrichtet und gebeten worden, das Produkt vom Markt zu nehmen.

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