Weil Unvorhersehbares unerwünscht ist, lässt sich Sohlman dabei von den Sekretären der Nobel-Komitees helfen – weil sie ihre Fachkollegen meist besser kennen. „Bisweilen gibt es ja schließlich Leute, die nicht zusammen sitzen sollen.“ Einst hatte ein Preisträger sowohl Ehefrau als auch Ex-Ehefrau dabei und „wollte besonders, dass sie so sitzen, dass sie einander nicht sehen können“.
Und Robert Mundell, der die globalen Kapitalströme in Formeln gefasst hat und dafür 1999 den Nobelpreis bekam, wollte seinen Sohn dabei haben – der im Jahr der Preisvergabe aber noch Windeln trug und mit zwei Jahren der jüngste Gast eines Nobel-Banquets war. Michael Sohlman machte auch das möglich – und zitiert weise Friedrich den Großen: „Chacun á son goût.“ Jeder nach seinem Geschmack.
Der ist bisweilen aber selbst beim Nobel-Dinner schlecht. Jahr für Jahr verschwindet samt den Gästen mit Schwalbenschwänzen und Abendroben Porzellan, das sich die Nobel-Stiftung 1991 zu ihrem 90. Geburtstag leistete. Auch die goldenen Kaffeelöffelchen erfreuen sich größter Beliebtheit. „Erstaunlich“, kommentiert Sohlman, seien „solche Sachen“. Und fügt schmunzelnd hinzu: „Wir haben noch keine Metalldetektoren eingeführt.“
Die blau- und goldumrandeten Teller für das „Duo de coquelet avec terrine de pommes de terre ,almond’ et céleri-rave“ stehen bereits gewärmt auf allen 66 Tafeln, als über 200 Kellner den Hauptgang eine Stunde nach dem königlichen Eröffnungstoast servieren – Punkt 20.11 Uhr wie geplant.
Wer ein Teil der prachtvollen Choreografie sein will, muss funktionieren. Magnus Johansson vom Stockholmer „Dessert Café Xoko“ zum Beispiel, der seine Mannen von der Küche im Türmchen im sechsten Stock mit nur vier Aufzügen in den Festsaal im ersten Stock lotsen muss. Oder die Tänzer des Königlichen Schwedischen Balletts, die zu Ehren des 100. Geburtstags von Astrid Lindgren auf jenen 42 Stufen tanzen, die zuvor Ihre Majestät und Laureaten hinuntergeschritten sind. Damit auch Grünberg, der zweite deutsche Preisträger Gerhard Ertl und die anderen großen Geister ihre Schritte kennen, haben sie morgens um halb elf eine Generalprobe hinter sich gebracht. Der Bückling vor dem König, morgens noch von Michael Sohlman gedoubelt, will geübt sein.
Als um zehn Minuten nach 21 Uhr der Auftritt der Ballerinas in die Dessert-Parade übergeht und 1 350 Gäste zeitgleich „Marquise aux pistaches, framboises et cassis accompagnée de glace vanille“ vor sich finden, sind die Tischgespräche in vollem Gange.
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