0 Bewertungen
09.09.2007 
33 000 Pilger harrten im Regen aus

Papst fordert Rückbesinnung auf den Sonntag

Papst Benedikt XVI. hat am letzten Tag seines Österreich-Besuchs die Rückbesinnung auf eine christlich geprägte Sonntagskultur gefordert.

ap WIEN. Der Sonntag habe sich in den westlichen Gesellschaften zu einem bloßen Wochenende gewandelt, und es fehle die Begegnung mit Gott, beklagte der Papst bei einer Messe im Wiener Stephansdom. Dieser Tag sei jedoch notwendig, um „über das Getriebe des Alltages hinausschauen“ zu können.

Nach der Messe sprach der Papst vor Gläubigen in der Wiener Innenstadt sein traditionelles Angelus-Gebet. Am Nachmittag wollte er das Stift Heiligenkreuz in der Nähe von Wien besuchen.

Als Höhepunkt der dreitägigen Papst-Reise nach Österreich galt der Besuch Benedikts im Wallfahrtsort Mariazell. Bei starkem Regen feierte das Kirchenoberhaupt dort am Samstag eine Messe unter freiem Himmel, zu der etwa 33 000 Gläubige gekommen waren. Anlass war das 850-Jahr-Jubiläum des Marienheiligtums.

In seiner Predigt auf dem Platz vor der Basilika sagte der Papst, der „Kern der Krise des Westens, Europas“ liege in der Resignation, „die den Menschen als der Wahrheit unfähig ansieht“. Wenn es Wahrheit für den Menschen nicht gebe, dann könne er letztlich auch nicht Gut und Böse unterscheiden.

Das Christentum sei „mehr und etwas anderes als ein Moralsystem“, sagte Benedikt. Es trage aber gerade deshalb eine große moralische Kraft in sich. Der Papst rief dazu auf, die Zehn Gebote neu zu lesen: Diese Gebote seien ein Ja zu Gott, ein Ja zur Familie, zum Leben, zu verantwortungsbewusster Liebe, zur Solidarität, sozialen Verantwortung und Gerechtigkeit, zur Wahrheit und zur Achtung anderer Menschen.

Wegen des schlechten Wetters konnte der Papst nicht wie geplant mit dem Hubschrauber von Wien anreisen, sondern legte die rund 150 Kilometer im Auto zurück. Auf dem Festplatz vor der Basilika wurde er mit „Benedetto“-Rufen begeistert empfangen.

Benedikt war am Freitag in Österreich eingetroffen. In einer Rede am Abend verwies er auf die Schrecken des Krieges und die traumatischen Erfahrungen von Totalitarismus und Diktatur, die Europa durchlaufen habe. Der Kontinent dürfe seine christlichen Wurzeln nicht verleugnen, mahnte Benedikt. Zugleich bekräftigte er seine strikte Ablehnung von Abtreibungen und aktiver Sterbehilfe.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

Bildergalerien

 

zurück vor
  • Der letzte Kahn: Große Ge...

    Der letzte Kahn: Große Gesten, große Gefühle

    Eingehüllt in eine Bayern-Fahne hat Oliver Kahn die Fußball-Bühne verlassen. Als der Torwart-Titan am Dienstagabend Abschied nahm, erhoben sich die 69 000 Zuschauer in der Allianz Arena und feierten den scheidenden Schlussmann. Wie Fans und Prominenz aus Sport, Po...Bildergalerie 

  • Die Ruhe nach dem Sturm

    Die Ruhe nach dem Sturm

    Die Metropole New Orleans hat „Gustav“ glimpflich überstanden. Der Wirbelsturm hat inzwischen über Land weiter an Kraft verloren und wurde zum Tropensturm herabgestuft. Dennoch hinterließ er eine Schneise der Verwüstung. Der Tag nach dem Hurrikan in Bildern. Bildergalerie 

  • Von Tränen, Eheglück und ...

    Von Tränen, Eheglück und Nasenklemmen bei Olympia

    Zwei Wochen lang präsentierten sich Athleten und Funktionäre bei den Olympischen Spielen in Peking der Welt. Welche Figur die Olympioniken in Peking machten – und wem das Gold für die außergewöhnlichste Performance gebührt.Bildergalerie 

  • Das Geheimnis des Sieges

    Das Geheimnis des Sieges

    Ein Boxer und ein Radfahrer grübeln über alternative Siegstrategien, ein Stabhochspringer und ein Taekwondo-Kämpfer fühlen sich wie verwandelt. Basketballerinnnen sind einiges gewohnt, und eine Judoka gibt ihr Geheimnis preis. Die Olympia-Zitate.Bildergalerie