Die somalische Küste ist wegen der zahlreichen Piratenüberfälle berüchtigt. Viele Frachtschiffe sind deshalb vor Somalia nur noch im Konvoi oder mit bewaffneter Eskorte unterwegs. Ende Mai war bereits ein deutsches Frachtschiff gekapert worden. Die "Lehmann Timber" mit 15 Besatzungsmitgliedern ist noch immer in der Hand von Piraten.
Anfang April war der französische Luxus-Dreimaster "Le Ponant" entführt worden. Die Geiseln, unter ihnen 22 Franzosen und sechs Philippiner, waren nach einer Woche gegen Lösegeld freigekommen.
Die Behörden der Region Puntland haben in der Vergangenheit Lösegeldzahlungen an Piraten scharf kritisiert. Sie befürchten, dass so nur zusätzliche Anreize für die Seeräuberei geschaffen werden und die Piraten mit den hohen Lösegeldern technisch "aufrüsten" und dann noch schwerer zu bekämpfen sind.
Im Puntland wurde im April die Todesstrafe als Höchststrafe für Piraten eingeführt. Im ersten Prozess seit der Gesetzesänderung wurden die Seeräuber jedoch zu hohen Haftstrafen verurteilt.
Der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Thomas Kossendey, hat angesichts der Entführung eine Änderung des Grundgesetzes gefordert. Der CDU-Politiker verwies am Mittwoch im ARD -"Morgenmagazin" darauf, dass die deutsche Fregatte "Emden", die vor der Küste von Somalia kreuzt, aufgrund der Rechtslage nach einem Überfall ein Piratenschiff nicht verfolgen dürfe.
Die Bekämpfung von Piraterie sei bislang der Bundespolizei vorbehalten, was unsinnig sei, kritisierte der Staatssekretär. Erforderlich sei "eine saubere verfassungsrechtliche Grundlage", so dass die Marine bei Überfällen in internationalen Gewässern gegen Piraten vorgehen dürfe. "Das Ärgerliche ist, dass die, die Mittel hätten und vor Ort sind, aus verfassungsrechtlichen Gründen daran gehindert sind."


