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22.06.2007 
Letzte Sendung

Politiker trauern Christiansen hinterher

Guido Westerwelle, Christian Wulff und Claudia Roth werden sie wohl vermissen, Wolfgang Thierse, Hans-Gert Pöttering und Jürgen Falter eher weniger. Sabine Christiansen hat vor ihrer letzten Sendung als ARD-Talkmoderatorin viel Lob bekommen, aber auch harsche Kritik einstecken müssen.

Eingespieltes Duo: FDP-Chef Guido Westerwelle und Moderatorin Sabine Christiansen. Bild: dpaLupe

Eingespieltes Duo: FDP-Chef Guido Westerwelle und Moderatorin Sabine Christiansen. Bild: dpa

HB FRANKFURT. FDP-Chef Guido Westerwelle, die CDU-Politiker Christian Wulff und Grünen-Vorsitzende Claudia Roth äußerten sich in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ positiv über ihre Leistung. Kritik kam von den SPD-Politikern Wolfgang Thierse und Reinhold Robbe sowie dem CDU-Europapolitiker Hans-Gert Pöttering. Der niedersächsische Ministerpräsident Wulff (CDU) sprach von einem großartigen Erfolg Christiansens. Dieser dokumentiere sich in ihrer Fangemeinde und den Zuschauerzahlen: „Sie hat Bürgern auch Kompliziertes engagiert nahe zu bringen versucht“, lobte Wulff. Ihm werde sie „so manchen Sonntag fehlen“. Grünen-Chefin Roth meinte: „Sabine Christiansen hat mit ihrer Talkrunde Mediengeschichte geschrieben.“ Sie habe auch die Stellung von Frauen im politischen Fernsehjournalismus gestärkt.

Der SPD-Politiker Reinhold Robbe sagte dagegen, er habe seit einiger Zeit in der Sendung eine strengere Diskussionsleitung vermisst. „Zu viel Durcheinandergerede“, kritisierte er. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) kritisierte, Politik sei in der Talkshow „bloß Mittel zur Unterhaltung“. Er sagte der „Saarbrücker Zeitung“ (Samstagausgabe), eine sachliche Auseinandersetzung habe kaum eine Chance. Es gehe um Schlagfertigkeit und die schnelle Pointe. Thierse hatte allerdings selbst einmal von der Sendung als „Ersatzparlament“ gesprochen. Jetzt betonte er: „Christiansen ist Show, der Bundestag ist ernst.“ An der Moderatorin bemängelte Thierse, sie habe die Neigung, ihre Gäste nicht aussprechen zu lassen. „Maybrit Illner lässt das Gespräch mehr laufen und hakt dann nach“, lobte der SPD-Politiker die ZDF-Konkurrentin. Er riet der Christiansen-Nachfolgerin Anne Will, höchsten vier Gäste einzuladen.

FDP-Chef Westerwelle verteidigte Christiansen. „Wenige Sendungen wurden so durch den Kakao gezogen wie die Sendung von Sabine Christiansen, – und doch gab ihr der Erfolg über viele Jahre Recht“, sagte er der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Auf die Frage, was ihm fehlen werde ohne die Christiansen-Talkshow, sagte Westerwelle: „Die Begegnungen der Talkgäste vorher in der Maske. Da trifft man Kollegen, die unglaublich selbstsicher tun und denen doch die Düse geht, als stünden sie vor ihrem Abschlussball.“ Der FDP-Chef führt mit 31 Auftritten die Rangliste der zehn häufigsten Gäste bei „Sabine Christiansen“ an.

Der Präsident des Europäischen Parlamentes, Hans-Gert Pöttering (CDU), bemängelte in der Osnabrücker Zeitung, die Europapolitik sei in der Sendung zu kurz gekommen, obwohl sie „schon längst kein Orchideenthema mehr“ sei. Nach Ansicht des Mainzer Politikwissenschaftlers Jürgen Falter hat die Sendung der Politik nicht nur gut getan. Negativ habe sich ausgewirkt, „dass die Debatten oft doch recht oberflächlich waren.“ „Die Oberflächlichkeit der Sendung hing auch mit der Art der Gesprächsführung von Sabine Christiansen zusammen, die häufig einen Gedanken abgeschnitten hat, bevor er richtig entwickelt werden konnte.“

Als Gewinner der Sendung sieht Falter den Politiker Gregor Gysi (Die Linke): „Gysi hat durch seine intelligente, kultivierte und kosmopolitische Art gepunktet, so etwas hatte man von einem ehemaligen Kommunisten nicht erwartet“, meinte der Parteienforscher. Gysi habe damit das Image seiner Partei aufpoliert.

In der letzten Sendung ist Bundespräsident Horst Köhler der einzige Gast.

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