Vor knapp drei Jahren wurde in Deutschland das Aktionsbündnis Patientensicherheit gegründet. Dessen Vorsitzender Matthias Schrappe sagte: „Nur, wenn wir über Fehler sprechen lernen, können wir sie vermeiden.“ Der Professor und Facharzt für Innere Medizin stellt in der Broschüre auch einen eigenen Kunstfehler vor. Als frisch gebackener Assistenzarzt hatte er einer älteren Patientin mit Herzrasen (Tachykardie) wegen deren Unruhe ein Beruhigungsmittel verabreicht. Wie sich später herausstellte, hatte die Patientin aber eine Lungenembolie, also Blutgerinnsel in der Lunge. „Ich habe später bei Patienten mit Unruhe und Tachykardie immer an die Diagnose Lungenembolie gedacht“, schreibt Schrappe.
Die Ärzte stehen in der Broschüre aber auch zu Fehlern mit tödlichem Ausgang - weil beispielsweise nicht alles versucht wurde, nachts einen Arzt ins Krankenhaus zu holen. Und der Unfallchirurg Bertil Bouillon hat einmal eine junge Weitspringerin am falschen Knie operiert, weil auf der Operationseinwilligung die falsche Seite genannt war.
Bouillons Konsequenz: „Seit diesem Vorfall markiere ich am Morgen der Operation immer beim wachen Patienten die zu operierende Extremität mit einem nicht abwischbaren Stift. Und diese Methode predige ich seither auch meinen Kolleginnen und Kollegen.“
Wie Hans Jürgen Ahrens, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbands, erklärte, helfen allein die Ortskrankenkassen jedes Jahr rund 10 000 Versicherten dabei, den Verdacht auf fehlerhafte Behandlung professionell zu klären. Schrappe sagte, zwischen fünf und zehn Prozent der Krankenhauspatienten klagten über „ein unerwünschtes Ereignis“. Bei einen Drittel davon lägen Behandlungsfehler zugrunde.
Die größte Gruppe unter den Fehlern seien in der Klinik erworbene Infektionen. Danach folgten Verschreibungsfehler und Vertauschung von Medikamenten. Rund 100 Mal im Jahr würden Patienten schlicht verwechselt.

