0 Bewertungen
02.05.2008 
Krawalle zum Tag der Arbeit

Randalierer attackieren Berlins Polizeipräsidenten

Bei Demonstrationen zum Tag der Arbeit ist es in mehreren deutschen Städten zu schweren Ausschreitungen gekommen. Im Berliner Stadtteil Kreuzberg entkam Polizeipräsident Dieter Glietsch nur knapp den Attacken von Randalierern.

In Berlin-Kreuzberg kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Foto: dpaLupe

In Berlin-Kreuzberg kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Foto: dpa

HB BERLIN. Autonome machten am Donnerstagabend Jagd auf Glietsch, nachdem dieser an der Spitze eines Demonstrationszugs von Fotografen in ein Blitzlichtgewitter gehüllt worden war. Sie bewarfen ihn mit Flaschen, Steinen und Stühlen. Personenschützer brachten den Polizeipräsidenten, der unverletzt blieb, in einem Mannschaftswagen in Sicherheit.

Der Wagen wurde mit Steinen, Flaschen, Stühlen und Fahrrädern beworfen, zahlreiche Feuerwerkskörper wurden gezündet. Die Polizei nahm in der Folge Dutzende Demonstranten fest. Bis Mitternacht flammte die Gewalt am Rande der friedlichen Straßenparty „Myfest“ in Kreuzberg immer wieder auf. Gewalttätige Störer warfen Altglascontainer um und schleuderten Steine und Feuerwerkskörper gegen Polizisten. Die Polizei sprach gegen Mitternacht dennoch von einem relativ friedlichen 1. Mai. „Wir haben die Lage im Griff“, sagte ein Sprecher.

Am Rande von rechtsextremen Aufmärschen in Nürnberg und Hamburg kam es am Donnerstag zu teils heftigen Zusammenstößen zwischen Gegendemonstranten und der Polizei gekommen. Bei den Krawallen in Hamburg nahm die Polizei zahlreiche Randalierer fest. Mehr als 20 der rund 2500 eingesetzten Polizisten aus mehreren Bundesländern seien verletzt worden, hieß es in einer vorläufigen Bilanz der Einsatzkräfte. Immer wieder seien die Beamten von Gewalttätern aus dem linken Spektrum mit Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen worden. Außerdem setzten die Randalierer ein Polizeifahrzeug und sechs Privatautos in Brand. Auch ein Reifenlager ging in Flammen auf.

Zu dem Protest gegen eine rechtsextreme Demonstration im Arbeiterviertel Barmbek hatten sich nach Angaben der Veranstalter etwa 10 000 Teilnehmer versammelt, die Zahl der Rechtsextremen wurde zuletzt auf rund 1500 geschätzt. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, um der Demonstration der NPD und anderen Rechtsextremisten den Weg zu bahnen. Am späten Abend kam es im Hamburger Schanzenviertel erneut zu Krawallen.

Weitgehend friedlich, aber in aufgeheizter Stimmung demonstrierten in Nürnberg knapp 10 000 Menschen gegen die zentrale Mai-Kundgebung der rechtsextremen NPD. Bei ihrem mehrstündigen Zug wurden die etwa 1500 Rechten mit Pfeifkonzerten und Buhrufen empfangen. Bei einer NPD-Abschlusskundgebung warfen Gegendemonstranten vereinzelt Eier, Flaschen und Milchtüten auf die Extremisten. Mehrere Linke wurden bei Schlagstockeinsätzen der Polizei leicht verletzt, wie eine Mitarbeiterin der Deutschen Presse-Agentur dpa beobachtete. Die zumeist schwarz gekleideten Demonstranten hatten versucht, die Polizeikette zu durchbrechen, um den NPD-Aufmarsch zu stoppen. Die Nürnberger Polizei sprach von vier verletzten Beamten.

Auch im rheinland-pfälzischen Neustadt an der Weinstraße kam es am Donnerstag bei rechten und linken Demonstrationen zu Ausschreitungen. Insgesamt kamen rund 600 Angehörige der linken Szene nach Neustadt. Gewalttätige Kleingruppen hätten in der Innenstadt randaliert, Scheiben eingeworfen sowie Mülltonnen und Papierkörbe angezündet, so die Polizei. Insgesamt wurden 28 Personen festgenommen. Zwölf Polizeibeamte wurden leicht verletzt.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

Blogkommentare zu diesem Artikel

Städtewetter Deutschland

Bitte tragen Sie hier PLZ oder Städtenamen ein:

weiterHandelsblatt Specials

zurück
  • Zukunft der Stadt

    Zukunft der Stadt

    Vor welchen Herausforderungen stehen die Metropolen von heute? Und wie sehen Ideen für die Stadt von morgen aus?Special 

  • 60 Jahre Bundesrepublik

    60 Jahre Bundesrepublik

    2009 feiert die Bundesrepublik ihren sechzigsten Geburtstag. Auch Handelsblatt.com blickt aus diesem Grund noch einmal auf Politik, Managementgeschichte und Ökonomie Deutschlands zurück. Obendrein gibt es beim BRD-Quiz attraktive Preise zu gewinnen.Special 

  • Brasilien – ein Riese erwacht

    Brasilien – ein Riese erwacht

    Brasilien hat sich gewandelt wie kaum ein anderes Land. Es hat gute Chancen, gestärkt aus der globalen Wirtschaftskrise hervorzugehen und steht zu Unrecht im Schatten von China und Indien. Das neue, starke Brasilien – ein Dossier.Special 

vor

 

 

Bildergalerien

zurück
  • Tour de France: Wer zu den Favorite...

    Tour de France: Wer zu den Favoriten gehört

    Bekannte Fahrer wie Alexander Winokurow, Alejandro Valverde oder Ivan Basso sitzen ihre Dopingsperrren ab, Alexander Klöden ist von seinen besten Zeiten weit entfernt – aber Lance Armstrong ist wieder dabei. Doch gehört er auch zu den Favoriten? Handelsblatt....Bildergalerie 

  • Wie man der Hitze Paroli bieten kan...

    Wie man der Hitze Paroli bieten kann

    Was tun bei unerträglich hohen Temperaturen? Schüler bekommen (manchmal) Hitzefrei, die arbeitende Bevölkerung wird dagegen wohl kaum blau machen können. Im Arbeitsalltag muss man sich etwas Anderes einfallen lassen. Zehn Tipps, was man gegen die drückende Hi...Bildergalerie 

  • Reich und sexy: Hollywoods Topverdi...

    Reich und sexy: Hollywoods Topverdienerinnen

    Eines haben sie allesamt gemein: Sie sind bildhübsch, sie sind alle über 30 und fast alle Amerikanerinnen. Das US-Magazin „Forbes“ hat zusammengetragen, was bekannte Schauspielerinnen in den vergangenen zwölf Monaten eingeommen haben. Wer zu den Spitzenverdie...Bildergalerie 

vor