Nach dem Fund von geringen Sprengstoff-Spuren an der Plastiktüte eines Beschäftigten des schwedischen Atomkraftwerks in Oskarshamn, ist der einzige laufende Reaktor in der Nacht zum Donnerstag vom Netz genommen worden.
STOCKHOLM. Man wolle auch diesen Reaktor untersuchen und kontrollieren, dass niemand dort Sprengstoff versteckt hat, erklärte ein Polizeisprecher. Zuvor war bereits ein wegen Service-Arbeiten abgeschalteter Reaktor in Oskarshamn durchsucht worden, ohne dass die Polizei verdächtiges Material fand. Die Kontrolle des zweiten Reaktors werde noch bis in die Abendstunden andauern.
Die zwei unter dem Verdacht der Vorbereitung von Sabotage im Atomkraftwerk Oskarshamn festgenommene Schweden sind wieder frei. Wie die Staatsanwalt in Kalmar am Donnerstag mitteilte, gebe es nach ausführlichen Verhören keinen Grund, sie weiter festzuhalten. Es werde aber weiter gegen sie ermittelt. Eine Hausdurchsuchung bei den zwei Schweißern habe „überhaupt nichts erbracht“, sagte ein Polizeisprecher. Beide Verdächtigen leugnen, einen Sabotage-Akt gegen den Reaktor geplant zu haben.
Die Verwirrung um einen Sprengstoff-Alarm in dem schwedischen Atomkraftwerk in Oskarhamn ist damit nicht geringer geworden: Am Mittwoch war zunächst von einem vereitelten Sprengstoffanschlag die Rede, dann kam die Entwarnung. Kurz darauf wurde die Festnahme von zwei Verdächtigen bestätigt. So lässt sich der Mittwoch in Oskarshamn an der südschwedischen Ostseeküste zusammenfassen.
Am Morgen war zunächst ein Handwerker beim Betreten des AKW’s gestoppt worden, weil die Sicherheitsscanner Sprengstoff in seiner mitgeführten Plastiktüte signalisierten. Der Mann wurde zum Verhör abgeführt. Am Mittag dann Entwarnung: Es habe sich keine Bombe oder Sprengstoff in der Tüte befunden, sondern man habe nur Spuren einer chemischen Substanz, möglicherweise Bestandteile des hochexplosiven TATP, an der Außenseite der Tüte entdeckt. Wie sie dahin kamen, konnte sich der Handwerker nicht erklären.
Am späten Nachmittag dann die erneute Wende in dem Fall: Die Polizei gab die Festnahme von zwei Männern im Alter von 53 und 44 Jahren wegen des Verdachts auf Sabotage-Vorbereitung bekannt.
Die Polizei betont, es sei nur ein Anfangsverdacht. Die zuständige Staatsanwältin schweigt vollständig. Einer der beiden Männer soll der Polizei wegen eines geringfügigen Vergehens bekannt gewesen sein. Beide Männer leugnen, einen Sprengstoff-Anschlag auf das Atomkraftwerk geplant zu haben. Die Polizei führte eine Hausdurchsuchung in den Wohnungen der Männer durch. „Wir haben überhaupt nichts gefunden, das mit dieser Sache zu tun hat“, sagte Polizeisprecher Sven-Erik Karlsson am Vormittag.
Beide Männer sollen nach den spärlichen Polizeiangaben seit Anfang Mai in dem für Servicearbeiten gestoppten Reaktor 2 in Oskarshamn Isolier-Arbeiten ausgeführt haben. Sie sind nicht bei dem Reaktor-Betreiber OKG beschäftigt, der der deutschen Eon und der finnischen Fortum gehört, sondern seien von einem beauftragten Handwerksunternehmen geschickt worden, hieß es.
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Die Polizei untersuchte am Abend mit Hunden und technischer Ausrüstung die Bereiche im Reaktor, an denen die beiden Männer in den vergangenen Wochen gearbeitet hatten. Ein Sprecher der schwedischen Polizei wollte nicht ausschließen, dass es sich bei der an der Tüte entdeckten Substanz auch um Schmauchspuren eines Gewehrs handeln könne.
Bei der Betreibergesellschaft OKG und dem Hauptaktionär Eon gab man sich gelassen: Der Zwischenfall zeige, dass die strikten Sicherheitsvorkehrungen funktionierten, hieß es.
Es ist nicht der erste Zwischenfall in einem der insgesamt zehn schwedischen Atomreaktoren, aus dem das Land die Hälfte seines Stroms bezieht. 2006 war es in einem Reaktor in Forsmark nördlich von Stockholm zu einem Kurzschluss gekommen. Nur durch die sofortige Notkühlung konnte nach Experteneinschätzung eine Kernschmelze verhindert werden.
Zwei baugleiche Reaktoren in Oskarshamn wurden sicherheitshalber vom Netz genommen, bis die Ursache des Kurzschlusses feststand. Erst nach mehrmonatigen Arbeiten an den betroffenen Siedewasserreaktoren gingen sie wieder ans Netz.
Während die Betreibergesellschaft die Entdeckung der Sprengstoffspuren als Bestätigung für ihre strikten Sicherheitskontrollen sieht, wurde am Donnerstag bekannt, dass die Sicherheitsheitsstandards in Oskarshamn-Werk deutlich geringer sind als in den beiden anderen schwedischen Atomkraftwerken in Forsmark und Ringhals.
Während in Oskarshamn derzeit nur Stichprobenkontrollen beim Passieren des Eingangs vorgenommen werden und insofern die Entdeckung der beiden Männer eher ein Zufall war, werden in den beiden anderen Werken sämtliche Besucher und Mitarbeiter überprüft. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, bis zum 1. Oktober ein entsprechendes System bei uns zu installieren“, räumte ein OKG-Sprecher ein.

