Durch einen großen Trichter schütten die Bankmitarbeiter die Münzen in die Zählmaschine. Sie sortiert die Geldstücke nach Nennwert ordentlich in kleine Jutebeutel. Bis zu 2 000 Pfennigstücke finden darin Platz; bei D-Mark-Stücken sind es nur 1 000. Die Angestellten stapeln die vollen Säcke in einem grauen Rollcontainer. Was ab diesem Zeitpunkt mit den Münzen passiert, bleibt dem Bürger normalerweise verborgen.
Eine der Aufgaben der Bundesbank ist, die Versorgung der Kreditinstitute und der Wirtschaft mit Bargeld zu sichern – oder im Falle der D-Mark eben die Entsorgung zu organisieren. In den ersten Jahren nach der Euro-Einführung wurden die alten Münzen mit so genannten Decoinern noch direkt vor Ort entwertet. Heute werden nur noch die Noten von der Bundesbank geschreddert. Die Münzen lagern in den Tresoren im Keller der Bundesbank, bis eine ausreichende Menge für den Abtransport zusammengekommen ist. „Mittlerweile lohnt ein solcher Transport nur noch ein Mal im Monat“, sagt Wolfgang Dittmar, stellvertretender Leiter der Frankfurter Filiale.
650 Kilogramm fassen die Holzcontainer, in denen die Münzen von den Filialen in das Logistikzentrum der Bundesbank in Mainz gebracht werden. Hier endet die Zuständigkeit der deutschen Zentralbank. Alles Weitere regelt das Bundesfinanzministerium. Die Mitarbeiter der fünf deutschen Münzprägeanstalten in Hamburg, Berlin, München, Stuttgart und Karlsruhe, auf die das Logistikzentrum die Münzen verteilt, lassen aus der guten alten D-Mark regelrecht Schrott werden. Die Walzen der Decoiner pressen die Geldstücke platt und schneiden tiefe Kerben hinein. Danach ist das Geld in den Augen der Behörde nur noch Abfall. Der Anblick der ehemals glänzenden Münzen erinnert nun nur noch an eine abgehobelte Mohrrübenscheibe.
Weggeworfen wird der Schrott aber keineswegs. Kupfer und Nickel können wiederverwertet werden. Die nächste Station der Metalle ist daher die Vebeg, das Verwertungsunternehmen des Bundes. Die Vebeg verkauft alles, was der Bund nicht mehr braucht; von alten Schreibtischen über Panzerketten bis eben hin zum D-Mark-Schrott. In Ausschreibungen bewerben sich Unternehmen um den Zuschlag. „Früher haben wir Lose erst ab 30 bis 40 Tonnen vergeben“, sagt Klaus Richter, bei der Vebeg zuständig für den Verkauf von Rohstoffen. „Da heute der Rücklauf geringer ist, fangen wir manchmal schon bei fünf Tonnen an.“ Dennoch gebe es nur etwa alle halbe Jahre eine Ausschreibung. Die Preise richten sich nach den tagesaktuellen Notierungen von Kupfer und Nickel. Im Schnitt bringe eine Tonne D-Mark-Schrott etwa 5 000 bis 6 000 Euro.
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