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04.11.2007 
Eine Million Menschen kämpfen um ihr Überleben

Situation mexikanischer Flutopfer verschärft sich

Im mexikanischen Katastrophengebiet hat ein Kampf auf Leben und Tod begonnen. Unermüdlich fliegen Hubschrauber der Streitkräfte zu den von Wassermassen Eingeschlossenen, um sie in halsbrecherischen Manövern von den Dächern zu befreien. Viele der verzweifelten Menschen harren dort seit Tagen aus.

Einwohner der Stadt Villahermosa im mexikanischen Bundesstaat Tabasco waten durch die Straßen.Lupe

Einwohner der Stadt Villahermosa im mexikanischen Bundesstaat Tabasco waten durch die Straßen.

dpa MEXIKO-STADT. Das Ausmaß der Überschwemmungen in dem von Niederungen und Feuchtgebieten geprägten Staat Tabasco am Golf von Mexiko hat alle Befürchtungen übertroffen. Die Lage im Katastrophengebiet wurde am Wochenende zunehmend bedrohlich. Die Regierung des Staates warnte vor einer „sozialen Eskalation“. Es kam zudem zu den ersten Plünderungen, aus Mangel an Lebensmittel.

Eine Million Menschen in dem südöstlichen Bundesstaat kämpfen nun um ihr Überleben. Ihre Häuser und Wohnungen stehen unter Wasser. Zehntausende Familien sind obdachlos. Viele haben ihre gesamte Habe in den Fluten verloren. 15 der 17 Städte Tabascos sind überflutet. Die Ernten sind vernichtet. Vielerorts gibt es keinen Strom, kein Trinkwasser, und die Vorräte in den Geschäften gehen zur Neige. Der Wasserstand der Flüsse ging am Sonntag zwar leicht zurück. Aber eine Entspannung der Lage war nicht in Sicht. Weitere Unwetter wurden angekündigt.

Verzweiflung greift immer mehr um sich. Hungrige Menschen begannen, Supermärkte und andere Läden zu plündern. Bereits am Samstag wurden 35 Personen dabei festgenommen. „Wir sind nicht gekommen, um Schmuck zu stehlen“, sagte eine Frau zu einem Reporter im Zentrum von Villahermosa. „Wir suchen etwas zum Essen.“

Wegen der chaotischen Lage setzte sich der Exodus der Menschen aus Tabasco fort. Tausende flohen mit Bussen in die Nachbarstaaten. Im eigenen Staat fanden sie keine Hilfe. Nach Angaben der Regierung stehen nur 294 Notunterkünfte mit rund 33 000 Plätzen zur Verfügung. Bis zum Samstagmorgen waren erst knapp über 10 000 Menschen mit Hubschraubern und Booten aus der gefährlichen Lage befreit worden.

Doch auch nach ihrer Rettung wurden die Flutopfer nicht versorgt. „Man hat uns zwar in Sicherheit gebracht“, sagte ein Mann der Tageszeitung „Reforma“. „Aber dann wussten wir nicht, wohin wir weiter gehen sollten.“ Für viele begann das Chaos erst richtig, nachdem sie aufs Trockene gebracht worden waren.

Tabascos Gouverneur Andrés Granier kritisierte indirekt die Regierung in Mexiko-Stadt, die Katastrophe mit verschuldet zu haben. Bei einem Treffen mit Präsident Felipe Calderón wies er vor allem auf die „mangelnde wasserbauliche Infrastruktur“ der Flüsse und der Talsperren hin, für die die Bundesbehörden verantwortlich sind.

Bereits am Montag war in Mexiko-Stadt entschieden worden, die Talsperre Peñitas in Chiapas sicherheitshalber zu öffnen, wodurch weitere riesige Wassermengen in die Hochwasser führenden Flüsse Tabascos gelangten. Calderón dagegen machte die „enormen Klimaveränderungen“ für die Katastrophe verantwortlich. Und er versprach: „Wenn das Ärgste vorüber ist, werden wir Tabasco wieder aufbauen, koste es, was es wolle.“

Auch im Nachbarstaat Chiapas verschärfte sich die Lage. In den Bergen kamen vier Menschen ums Leben, weitere Menschen wurden vermisst. Der heftige Dauerregen weichte die Böden auf und löste zahlreiche Erdrutsche aus. Straßen wurden zugeschüttet und Brücken beschädigt, Strom und Telefonleitungen unterbrochen. Viele Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten. Und es regnete weiter.

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