3 Bewertungen ****
26.11.2008 
Solarkraftwerk im Kirchenstaat

Solarstrom für den Papst

Der Kirchenstaat setzt auf grüne Energietechnik: Die päpstliche Audienzhalle am Petersplatz wird ab sofort per Solarkraftwerk versorgt - nur ein Teilstück eines umfassenden Programms zum ökologischen Umbau des Vatikans.

Solarzellen auf dem Dach der päpstlichen Audienzhalle in Rom. Foto: dpaLupe

Solarzellen auf dem Dach der päpstlichen Audienzhalle in Rom. Foto: dpa

dpa ROM. Das Solarkraftwerk im Kirchenstaat ist fertig, Papst Benedikt XVI. hat seine erste „ökologische“ Generalaudienz in der vatikanischen Audienzhalle am Petersplatz abhalten können. In den vergangenen zweieinhalb Monaten sind knapp 2 400 Solarmodule aus Deutschland auf dem Dach der päpstlichen Audienzhalle installiert worden. Die Photovoltaik-Anlage auf der Südseite des gewölbten Daches wurde am Mittwoch in einer Feierstunde in Rom offiziell eingeweiht.

Das Solarkraftwerk hat eine Leistung von 222 Kilowatt und kann jährlich etwa 300 000 Kilowattstunden Strom erzeugen - das entspricht dem Verbrauch von über 100 Haushalten pro Jahr. Papst Benedikt XVI. hat den Umweltschutz zu einem Schwerpunkt seines Pontifikats gemacht.

Für die ökologische Aufrüstung des Vatikans wurden in den vergangenen Monaten die Betonbahnen auf dem Dach der Halle auf einer Fläche von 5000 Quadratmetern durch Solarmodule ersetzt. Die in die Architektur des Daches eingepasste Anlage soll mit „sauberem“ Strom 225 Tonnen Kohlendioxid einsparen und dazu beitragen, dass 2020 ein Fünftel der Energie im Vatikan aus erneuerbaren Quellen kommen kann.

Die etwa eineinhalb Mio. Euro teure Solarinstallation stammt aus dem sächsischen Freiberg und ist ein Geschenk des Unternehmens SolarWorld AG an den Papst. „So soll ein weithin sichtbares Signal für eine klimafreundliche Energieversorgung und für die Bewahrung der Schöpfung gesetzt werden“, sagte SolarWorld-Chef Frank Asbeck in Rom.

Die päpstliche Audienzhalle hinter den Kolonnaden des Petersplatzes fasst bis zu 12 000 Gläubige. Sie wurde von Papst Paul VI. in Auftrag gegeben und 1971 fertiggestellt, mit einem Tragwerk aus Betonlamellen und dazwischen stehenden Glasflächen. Bei schlechtem Wetter, in der kälteren Jahreszeit und im heißen römischen Sommer werden vor allem die Generalaudienzen in die „Aula delle Udienze Pontificie“ verlegt. So auch an diesem Mittwoch. Die Halle wird als „Aula Paolo VI.“ nach dem Auftraggeber oder als „Aula Nervi“ nach dem Architekten benannt.

Bereits am Tag der Einweihung erhielt der Vatikan die erste Auszeichnung für das „gelungene Projekt“, das die Audienzhalle und auch die umliegenden Gebäude mit sauberem Strom versorgen soll: Dem Kirchenstaat wurde der Europäische Solarpreis 2008 für die Anlage verliehen, mit der jährlich etwa 80 Tonnen Erdöl eingespart werden.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterHandelsblatt Specials

zurück
  • Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenze...

    Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenzen

    Bankenpleiten, Börsentalfahrt, Rezession: Kaum ein Jahr hat die Welt der Wirtschaft so durcheinander gewirbelt wie 2008. Im kommenden Jahr müssen sich Manager und Politiker neu beweisen. Handelsblatt.com blickt in den Tagen bis zum Jahreswechsel zurück auf eine Zeit vo...Special 

  • Türkei – ein Land zwischen Aufbruch u...

    Türkei – ein Land zwischen Aufbruch und Rückschritt

    Die Türkei sprüht vor Dynamik. Neben Istanbul bilden sich auch in Anatolien neue Wirtschaftszentren. Im Land entsteht ein Mittelstand. Das bietet auch Chancen für deutsche Unternehmer und Investoren. Zugleich gestaltet sich der Weg nach Europa schwierig: Die Türkei ste...Special 

  • Agenda IT-Fitness

    Agenda IT-Fitness

    Ob Waldarbeiter, Bäcker oder Arzt – ohne IT läuft im Beruf kaum noch etwas. Doch die Informationstechnologie wandelt sich permanent, und Unternehmen wie Arbeitnehmer müssen sich auf diesen Wandel einstellen. Wie das gehen kann, zeigt die Agenda „IT-Fitness“.Special 

vor

 

 

Bildergalerien

zurück
  • Wo sich das Sponsorenkarussell dreht

    Wo sich das Sponsorenkarussell dreht

    Zum Saisonende laufen in der Fußball-Bundesliga zahlreiche Verträge von Vereinen mit ihren Hauptsponsoren oder Ausrüstern aus, weitere kommen 2010 hinzu. Insgesamt geht es um Vermarktungsgelder von rund 90 Millionen Euro – und das mitten in der Wirtschaftskrise. Das Ma...Bildergalerie 

  • Rechte und Pflichten bei Eis und Schn...

    Rechte und Pflichten bei Eis und Schnee

    Starke Schneefälle, Glatteis und Dauerfrost haben in den vergangenen Tagen vielen den Weg zur Arbeit erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht.Handelsblatt.com erklärt, was Sie beachten sollten.Bildergalerie 

  • Neue Regeln für die Einreise in die U...

    Neue Regeln für die Einreise in die USA

    Ab dem 12. Januar müssen USA-Reisende ohne Visum vorab online einen Antrag beim US-Heimatschutzministerium stellen. Nur mit Genehmigung, die per E-Mail erteilt wird, darf der Geschäftsreisende oder Tourist dann ins Flugzeug steigen. Die letzte Entscheidung trifft aber ...Bildergalerie 

vor