Nachdem die Mineralölwirtschaft vergangene Woche die Preise an den Tankstellen auf ein neues Rekordniveau angehoben hat, ist der Ärger der Verbraucher groß. Einige Autofahrer haben nach Angaben von Experten auch schon ihr Tankverhalten geändert. Unterdessen sind die Spritpreise über das Wochenende wieder etwas gesunken.
HB HAMBURG. "Viele Leute tanken jetzt kleinere Mengen, in der Hoffnung, dass die Preise bald wieder sinken“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Freier Tankstellen, Axel Graf Bülow. Die Beträge lägen manchmal nur noch bei zehn Euro. Auch der Tanktourismus könnte nach Schätzungen von Branchenkennern wieder zunehmen.
"Die Leute sind verunsichert und versuchen, sich irgendwie über Wasser zu halten“, sagte Bülow. Allerdings würde das Tanken von kleinen Mengen nicht viel bringen. Der Autofahrer müsse häufiger die Zapfsäulen ansteuern und das koste wieder Sprit. Bülow rät, die eigene Fahrweise zu überprüfen und beispielsweise überflüssige Aufbauten wie etwa Fahrradträger abzubauen: "Das sind richtige Spritfresser.“ So ließen sich bis zu 25 Prozent Kraftstoff einsparen.
Viele Autofahrer haben offenbar schon reagiert. "Die Leute schauen, wo sie bei ihrem Fahrverhalten sparen können“, sagte die Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbandes, Barbara Meyer-Bukow. Vorausschauendes Fahren bringe eine ganze Menge. Auch sie empfiehlt, das Auto von unnötigem Ballast zu befreien und gleichmäßig zu fahren. Vollgas koste nur unnötig Treibstoff.
Auch der Tanktourismus nehme in solchen Hochpreisphasen in der Regel zu, sagte Bülow. Viele Verbraucher in grenznahen Gebieten, die sonst einen Umweg ins Ausland nicht machen würden, überlegten es sich bei den hohen Spritpreisen doch. "Derzeit tut die Tankrechnung eben noch mehr weh als sonst“, betonte ADAC-Sprecher Andreas Hölzel. Auch in den Nachbarländern steige zwar der Benzinpreis, der teilweise deutliche Steuervorteil aber bleibe.
"Kraftstoffpreise sind in Deutschland ein Thema mit sehr hoher Sensibilität“, sagte auch ADAC-Experte Jürgen Albrecht: Viele Autofahrer seien wütend und teilweise verzweifelt angesichts der rasant steigenden Spritpreise: "Der Ärger ist schon sehr groß.“ Schließlich habe man zu Beginn des Jahres einen Liter Superbenzin noch für weniger als 1,20 Euro bekommen.
Der Energie-Informationsdienst (EID) rät, vor allem regionale Unterschiede bei den Spritpreisen zu beachten. "In Hamburg etwa gibt es Differenzen von bis zu sechs Cent je Liter“, sagte EID-Sprecher Heino Elfert. Der Preisvergleich lohne sich. Beim Kauf von Heizöl rät er zur Umsicht. Bei dem derzeitigen Rekordpreis von etwa 72 Cent je Liter sollten Verbraucher nur so viel kaufen, um bis in den Januar zu kommen. Im nächsten Quartal könne die Preis-Situation schon wieder ganz anders aussehen. Dann könnte Heizöl wieder billiger sein.
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Sprit wieder etwas günstiger
Für einen Liter Superbenzin wurden nach Angaben aus der Mineralölbranche vom Montag im Bundesschnitt etwa 1,45 Euro je Liter fällig, Diesel kostete rund 1,34 Euro. Das waren jeweils etwa drei Cent weniger als am Freitag, als Sprit so viel kostete wie nie zuvor. Als Grund für den Rückgang nannten Experten den Wettbewerb auf dem Tankstellenmarkt.
Auch der Ölpreis gab am Montag zunächst nach. Für einen Barrel (159 Liter) zahlten Händler an der New Yorker Rohstoffbörse 95,91 Dollar. Das waren etwa 40 Cent weniger als zum Handelsschluss am Freitag. Mitte vergangener Woche hatte der Preis die Rekordmarke von 98,62 Dollar erreicht. Auch das für Europa wichtige Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich am Handelsplatz in London am Montag etwas und notierte bei knapp unter 93 Dollar.
Als Grund für den Preisverfall nannten Experten unter anderem Aussagen der Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC), wonach über eine mögliche Erhöhung der Förderquoten beraten werden solle. Zudem gebe es derzeit keine preistreibenden Meldungen, sagte die Sprecherin des Hamburger Mineralölwirtschaftsverbandes, Barbara Meyer-Bukow.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnte unterdessen vor erheblichen volkswirtschaftlichen Schäden als Folge der steigenden Energiepreise. DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert forderte in der "Passauer Neuen Presse“ die Bundesregierung zu Gegenmaßnahmen auf: "Wenn der Benzinpreis über 1,80 Euro steigt, muss die Bundesregierung handeln und die Mineralölsteuer senken.“
Auch Öl- und Strompreis könnten sich als Konjunkturkiller entpuppen, sagte die Professorin. Bleibe der Ölpreis über einen längeren Zeitraum über der Marke von 100 Dollar pro Barrel, hätte dies empfindliche Auswirkungen auf die deutsche Volkswirtschaft: "Das könnte beim Bruttoinlandsprodukt ein Minus von 0,4 Prozent bedeuten.“


