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19.01.2007 
Vollsperrung

Stahlträger fliegt durch Berliner Hauptbahnhof

Der Berliner Hauptbahnhof ist gerade mal ein paar Monate in Betrieb, da reißt der erste schwere Sturm gleich einen tonnenschweren Stahlträger aus der Verankerung. Der Verkehrsknotenpunkt ist fast komplett lahmgelegt.

Aus 40 Metern Höhe war der Stahlträger auf eine Treppe im Eingangsbereich gekracht. Foto: dpaLupe

Aus 40 Metern Höhe war der Stahlträger auf eine Treppe im Eingangsbereich gekracht. Foto: dpa

HB BERLIN. Die Sturmböen hatten in der Nacht zum Freitag ein zwei Tonnen schweres Eisenstück aus der seitlichen Glasfassade herausgerissen. Der Hauptbahnhof wurde nach Angaben der Feuerwehr sofort komplett evakuiert, da zunächst weitere Einsturzgefahr bestand: Ein zweiter Träger hatte sich gelöst und in einen dritten Träger verkeilt. Auf der völlig zerstörten Treppe im Eingangsbereich des Bahnhofs befanden sich zum Zeitpunkt des Unglücks keine Menschen.

Fern-, Regional- und S-Bahnzüge können den Hauptbahnhof in Berlin-Mitte vorerst nicht auf den oberen Gleisen durchfahren, nur im Nord-Süd-Tunnel ist die Durchfahrt für Fernzüge möglich. Halten tun sie aber nicht. Der S-Bahnverkehr ist auf Busse verlagert.

Mitten im Sturmgetöse von Orkan „Kyrill“ war der schwere Stahlträger mit Getöse aus der Glasfassade herausgebrochen, 40 Meter tief gefallen und auf die Treppe gekracht. Etwa 200 gestrandete Bahnreisende auf dem Washington-Platz, nur einen Steinwurf vom Bundeskanzleramt entfernt, und auch die Einsatzkräfte konnten es nicht fassen. „Es ist mir völlig unklar, wie sich wenige Monate nach der Eröffnung des Bahnhofs bereits ein solches Bauteil aus der Fassade lösen kann“, meinte Jens-Peter Wilke von der Berliner Feuerwehr kopfschüttelnd.


Bildergalerie Fotostrecke: Was Kyrill in Deutschland angerichtet hat


Zunächst schien Berlin den Sturm glimpflich überstanden zu haben. Im Vergleich zu mehreren anderen Regionen Deutschlands hielten sich die Schäden in Grenzen. Mit wolkenbruchartigen Regenfällen, Blitz und Donner sowie Windböen von mehr als 110 km/h hatte das Orkantief „Kyrill“ die deutsche Hauptstadt erreicht. Kurz vor 19 Uhr rief die Feuerwehr den Ausnahmezustand aus. Bis Mitternacht gab es rund 1 600 zusätzliche Einsätze. Doch in der Nacht verstärkte sich schnell die Sorge vor der erwarteten zweiten Welle des Orkans.

Wegen der auf Anordnung von Bahnchef Hartmut Mehdorn verkürzten Form des Glasdachs war es zwischen der Bahn und Architekt Meinhard von Gerkan zu einem offenen Konflikt gekommen. Im Streit um die Form eines Zwischendachs des mehrstöckigen Hauptbahnhofs hatte von Gerkan vor Gericht gegen die Bahn gesiegt und entsprechende Nachbesserungen durchgesetzt. Die Bahn beschreitet weiter den Gerichtsweg.

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