0 Bewertungen
13.02.2008 
Prominenter Abgang

Steven Spielberg schmeißt als Olympia-Berater hin

von Andreas Hoffbauer

Die Macher der olympischen Sommerspiele in Peking müssen künftig ohne einen ihrer prominentesten künstlerischen Berater auskommen. Hollywood-Regisseur Steven Spielberg hat seinen Job hingeschmissen und kritisiert Peking offen wegen dessen Darfur-Politik.

Da war die Welt noch in Ordnung: Steven Spielberg im April 2006 bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Beraterteams für die Olympiade in Peking. Foto: rtrLupe

Da war die Welt noch in Ordnung: Steven Spielberg im April 2006 bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Beraterteams für die Olympiade in Peking. Foto: rtr

PEKING. Erneut müssen die Olympia-Macher in Peking einen Rückschlag hinnehmen. Der US-Regisseur Steven Spielberg hat seinen Job als künstlerischer Berater für die olympischen Sommerspiele in Peking hingeschmissen. Als Gründe nannte der Filmemacher und Oscargewinner die Sudan-Politik der Chinesen und die destruktive Rolle Pekings im andauernden Darfur-Konflikt.

„Mein Gewissen erlaubt es mir nicht, wie gewohnt einfach weiterzumachen," teilte der US-Regisseur in einer Erklärung mit. Den „unbeschreiblichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die weiter in Dafur passierenn“, müsse endlich Einhalt geboten werde. „An diesem Punkt, darf meine Zeit und Energie nicht für Olympische Zeremonien aufgewendet werden.“

Spielberg gehörte bislang zum Beraterstab des hauptverantwortlichen chinesischen Filmemachers Zhang Yimou, der die Eröffnungs –und Schlusszeremonie gestaltet. Nun reiht sich Spielberg unter die Kritiker der chinesischen Regierung. China wird beschuldigt, die Regierung in Khartum mit Waffen zu versorgen und eine wirksame UN-Erklärung zu verhindern.

Zuvor hatten der chinesische Documenta-Künstler Ai Weiwei und auch die Hollywood-Schauspielerin Mia Farrow Spielbergs Zusammenarbeit mit den Olympia-Organisatoren kritisiert. Mehrere Nobelpreisträger hatten sich ebenfalls in einem Brief gegen Chinas Sudan-Politik ausgesprochen. Der britische Thronfolger Prinz Charles hat ebenfalls angekündigt, er werde aus politischen Gründen nicht zu den Spielen nach Peking reisen.

Aber nicht nur die Außenpolitik bringt Chinas Olympia-Organisatoren zunehmend unter Druck, auch die Frage der Luftverschmutzung in Peking sorgt weiter für Schlagzeilen. Weltrekordler Haile Gebrselassie hatte Ende januar erklärt, er denke über einen Verzicht auf den Olympia-Marathon in Peking nach. Obwohl der Äthiopier ganz sicher nominiert wird, mache ihm die schlechte Luft in der chinesischen Metropole Sorgen. „Wenn die Dinge bei Olympia immer noch so sind, werde ich wohl eine andere Strecke laufen", sagte der 34-Jährige Top-Sportler.

Die britische Ausdauerspezialisten und Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe testet derzeit Atemmasken, die vor der hohen Luftverschmutzung in Peking schützen sollen. Die Masken sind allerdings im Wettkampf verboten und nur im Training erlaubt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat angesichts der mangelnden Luftqualität in der Olympia-Metropole eine zeitliche Verlegung von Wettkämpfen nicht ausgeschlossen.

Zur jüngsten Spielberg-Kritik hüllten sich die Olympiamacher in Peking erstmal in Schweigen. Auf telefonische Anfragen wurde nicht reagiert und Li Zhanjun, Chef der Presseabteilung, ließ mitteilen, man werde sich „später“ zu dem Thmea äußern.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

Bildergalerien

 

zurück vor
  • Von Tränen, Eheglück und ...

    Von Tränen, Eheglück und Nasenklemmen bei Olympia

    Zwei Wochen lang präsentierten sich Athleten und Funktionäre bei den Olympischen Spielen in Peking der Welt. Welche Figur die Olympioniken in Peking machten – und wem das Gold für die außergewöhnlichste Performance gebührt.Bildergalerie 

  • Olympia: Pleiten, Pech un...

    Olympia: Pleiten, Pech und Pannen

    Wenn sie gewusst hätten, was auf sie zukommt, wären diese Athleten wahrscheinlich lieber zu Hause geblieben: unfaire Verlierer, unglückliche Athleten und arme Pechvögel der Spiele von Peking. Ein Rückblick.Bildergalerie 

  • Das Geheimnis des Sieges

    Das Geheimnis des Sieges

    Ein Boxer und ein Radfahrer grübeln über alternative Siegstrategien, ein Stabhochspringer und ein Taekwondo-Kämpfer fühlen sich wie verwandelt. Basketballerinnnen sind einiges gewohnt, und eine Judoka gibt ihr Geheimnis preis. Die Olympia-Zitate.Bildergalerie 

  • Goldener Glanz am vorletz...

    Goldener Glanz am vorletzten Tag

    Gold, Silber, Bronze – am Samstag war für deutsche Athleten jedes Edelmetall dabei. Während sich die Hockey-Herren und Sabine Spitz mit dem Mountainbike die olympische Krone aufsetzen konnten, musste sich zwei bisher ungeschlagene Kanuten mit Silber begnügen. Die Medai...Bildergalerie