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09.10.2007 
Spanische Weine

Temperament und Tempranillo

von Ingo Reich

Weine aus der Rioja erfreuen sich großer Beliebtheit. Im deutschen Handel verzeichneten spanische Weine in jüngster Vergangenheit zweistellige Zuwachsraten. Aufgrund der hohen Popularität sowie der Aussicht auf stabile Profite gelten in Spaniens besseren Kreisen Weinbau-Investments als schick.

In der Rioja im Norden Spaniens werden pro Jahr etwa 200 Millionen Liter Wein produziert. Foto: dpaLupe

In der Rioja im Norden Spaniens werden pro Jahr etwa 200 Millionen Liter Wein produziert. Foto: dpa

LOGROÑO. „Es wäre eine große Ehre“, sagt Luis Miguel Barragán, „wenn sich Mister Parker für uns interessieren würde.“ Seine Augen blinzeln erwartungsfroh hinter den Gläsern seiner Ray-Ban-Brille. Doch der Exportchef des kleinen Weinguts „La Encina“ im Norden des spanischen Weinanbaugebiets „La Rioja“ ist Realist genug, um zu wissen: Bis Parker seinen Daumen hebt, vergeht unter Umständen viel Zeit – sehr viel Zeit. Doch man wird doch mal träumen dürfen.

Auch hier in Briñas am Fuß der Sierra Cantabria, die den Trauben Schutz vor dem rauen Seeklima bietet, hat der Name Robert Parker Gewicht. Denn nach wie vor beeinflusst der Weinkritiker aus dem US-Staat Maryland wie kein anderer, welche Spitzentropfen sich Weinliebhaber weltweit unter die Nase halten. Parker setzt Trends.

Dennoch sind die Winzer der Rioja beim Thema Parker ganz und gar nicht einer Meinung. In den Bodegas Valdemar, im unweit entfernten Oyón, herrscht mit der Kellermeisterin Cristina Bernedo an der Spitze ein streitbares, aber fröhliches Matriarchat, das auf die Meinung des Rebenpapstes aus den Vereinigten Staaten pfeift: „Wie langweilig, wenn der Wein überall den gleichen Geschmack hätte.“ Gleichwohl landete auch ein Valdemar-Wein bereits auf der Parker-Liste – allerdings nicht aufgrund eines einmaligen Geschmackserlebnisses, sondern wegen „gleichbleibend hoher Qualität“.

Tatsächlich erfreuen sich die Tropfen aus der Rioja weltweit wachsender Beliebtheit – mit oder ohne Parker-Plazet. Im deutschen Handel verzeichneten spanische Weine zuletzt zweistellige Zuwachsraten. Die Aussicht auf stabile Profite lockt inzwischen eine Vielzahl von einheimischen Investoren. In Spaniens besseren Kreisen gilt es geradezu als schick, sich an einem Weingut zu beteiligen – und es ist extrem profitabel.

Zwar lassen sich die privaten Investoren nicht in die Bücher gucken. Doch ein börsennotiertes Unternehmen wie Baron de Ley, zu dessen Hauptmarken „El Coto de Rioja“, der Hirsch aus der Rioja, gehört, erzielte 2006 bei einem Umsatz von 85,5 Millionen Euro einen respektablen Vorsteuergewinn von 26,5 Millionen Euro. Auch das kleine, 1909 gegründete Weingut „La Encina“ gehört längst keinem einzelnen Patron mehr, sondern einer bunt gemischten Investorengruppe, in der sich Vertreter unterschiedlichster Berufsgruppen tummeln, Spediteure zum Beispiel und Baulöwen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Kontrollrat sorgt für Beständigkeit.

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