Für tausende Kinder im chinesischen Erdbebengebiet wurde der Klassenraum zur Todesfalle: Viele Schulgebäude stürzten wie Kartenhäuser ein, als die Erde bebte. Jetzt verlangen wütende Bürger Aufklärung über mögliche Baumängel - und Chinas Behörden reagieren.
Zerstörte Schule im Erdbebengebiet von Sichuan. Wütende Bürger verlangen Aufklärung, warum so viele Schulgebäude zusammenstürzten. Foto: rtr
HB BEICHUAN/CHINA. Nach dem schweren Erdbeben geht die chinesische Regierung jetzt der Frage nach, warum so viele Schulen eingestürzt sind. Das Bauministerium habe die örtlichen Behörden mit der Untersuchung beauftragt, teilte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua mit. Sollten sich Qualitätsmängel an den Gebäuden herausstellen, würden die Schuldigen unnachgiebig zur Rechenschaft gezogen, zitierte die Agentur einen Abteilungsleiter des Bildungsministeriums. Vertreter beider Ministerien stellten sich im Internet den Fragen wütender Bürger
Das Beben der Stärke 7,9 hatte am Montagnachmittag viele Schüler während des Unterrichts überrascht. Viele Schulgebäude stürtzten wie Kartenhäuser ein und begruben die Kinder unter sich. In der vom Beben besonders betroffenen Provinz Sichuan wurden fast 6900 Schulgebäude zerstört, tausende Schüler dürften dabei ums Leben gekommen sein.
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Helfer bergen aber auch noch immer Kinder lebend aus den Trümmern: Rund 80 Stunden nach dem Beben konnten die Rettungsmannschaften in Beichuan ein Kind lebend aus den Trümmern einer Schule retten. Dabei hörten die Retter aus dem zusammengestürzten Gebäude auch noch andere schwache Hilfeschreie. Sie schöpften nun neue Hoffnung, weitere Schüler zu retten.
Den Bergungsmannschaften läuft aber allmählich die Zeit davon. Die Rettungsarbeiten hätten jetzt ihre „kritischste Phase“ erreicht, betonte auch der chinesische Staatspräsident Hu Jintao, der am Freitag in Sichuan eintraf. Die Zeit werde knapp und die Herausforderungen seien immer noch sehr groß, sagte Hu in Beichuan. Der Präsident wolle den Angehörigen der Opfer sein Beileid auszudrücken, die Bergungsarbeiten inspizieren und einige der insgesamt 130 000 Soldaten treffen, die bei der Rettungsaktion mithelfen.
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In der nahegelegenen Stadt Mianzhu wurden laut Xinhua in sieben eingestürzten Schulen rund 1 700 Menschen verschüttet. 1 300 Leichen wurden bislang geborgen. Unter den Trümmern einer anderen Schule in der Stadt Hanwang wurden 700 Kinder vermutet. In Beichuan konnten 360 aus den Ruinen ihrer Schule befreit werden, 700 galten aber noch als verschüttet.
Die Regierung befürchtet, dass die Zahl der Toten bei dem Beben in Sichuan auf mehr als 50 000 steigen könnte. Bislang seien dort mehr als 19 500 Tote bestätigt, erklärten die Behörden. Fast 70 000 Verletzte wurden in Krankenhäusern behandelt. Knapp vier Tage nach dem Beben haben Soldaten und Polizisten nach Berichten staatlicher Medien inzwischen alle 58 betroffenen Bezirke in dem Katastrophengebiet erreicht.
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Obwohl den Bergungsmannschaften in China die Zeit davonläuft, mussten 18 internationale Rettungsexperten einem Zeitungsbericht zufolge in Hongkong weiter auf Einreisevisa warten. Das berichtete die Zeitung „South China Morning Post“ am Freitag. Dem Team gehören zehn Briten und acht Kanadier an. „Es ist frustrierend“, erklärte der Brite Willie McMartin. „Wir können aber nichts dagegen tun.“
Andererseits akzeptierte China weitere ausländische Helfer. Bergungsexperten aus Südkorea, Russland und Singapur wurden erwartet, wann sie in China eintreffen können, war aber noch unklar. Eine Gruppe japanischer Katastrophenschutzexperten war schon Sichuan, Bergungsmannschaften aus Japan hatte China aber abgelehnt.

