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07.02.2005 
In Köln ging ein Pferd durch

Tote bei Rosenmontagszug

Millionen Narren jubelten den Wagen zu. Spott für Politiker und Prominenz, Kamelle-Regen für die Schlachtenbummler, Heidi Klum und Seal schunkelten mit. Doch ein tragischer Unfall überschattete das Treiben in Oberhausen.

HB DÜSSELDORF/MAINZ/KÖLN. Bei den traditionellen Rosenmontagszügen am Rhein haben die Jecken die Welt wieder ins närrische Lot gebracht - und sich selbst mit Süßem verwöhnt. Bei heiterem Himmel jubelten allein in Mainz, Köln, Bonn, Düsseldorf und Aachen bis zu drei Millionen Narren den Festumzügen zu. Den Anfang machte um Punkt elf vor elf der Kölner „Zoch“, die Mainzer starteten um elf nach elf und der längste Rosenmontagszug in der Düsseldorfer Geschichte setzte sich am Nachmittag in Bewegung.

In Oberhausen überschattete am Abend ein tödlicher Unfall das närrische Treiben: Eine Frau wurde von einem Festwagen überrollt und dabei getötet. In Köln kam es zu einem Unfall, als ein Pferd ausschlug und eine 24 Jahre alte Zuschauerin mit den Hufen traf. Die Frau erlitt einen Ellenbogenbruch und eine Bauchverletzung. Ansonsten wurden bis zum frühen Abend nach Polizeiangaben nur vereinzelte Rangeleien, Schnittverletzungen und Zwischenfälle mit Betrunkenen registriert.

In Köln gingen die Jecken unter dem Motto „Kölle un die Pänz us aller Welt“ (Köln und die Kinder aus aller Welt) auf die Straßen - in Anspielung auf den Weltjugendtag im August. Dabei ließ sich auch Topmodel Heidi Klum mitreißen: Gemeinsam mit ihrem Verlobten, dem britischen Sänger Seal, schunkelte die Schönheit auf dem Wagen der Roten Funken an rund einer Million begeisterten Zuschauern vorbei. Mit ihren Motivwagen nahmen die Jecken unter anderem die Agenda 2010, die leeren Kassen von Finanzminister Hans Eichel (SPD) und das Gezerre um die Rechtschreibreform auf den Arm.

Eine 24 Jahre alte Zuschauerin des Kölner Rosenmontagszuges ist von einem Pferd verletzt worden. Wie die Polizei mitteilte, war das im Zug mitlaufende Pferd unruhig geworden, und hatte mit den Hufen ausgeschlagen. Dabei wurde die Frau getroffen. Die Kölnerin erlitt einen Ellenbogenbruch und ein Bauchtrauma. Beim anschließenden Versuch, das Pferd aus dem Zug zu nehmen, versuchte es zu flüchten und lief über ein Auto. Die 27 Jahre alte Autobesitzerin am Steuer blieb unverletzt.

In Düsseldorf zogen unter dem Motto „Bunt wie die Welt“ mehr als 5 500 Narren - verteilt auf rund 70 Wagen, 40 Kapellen und Dutzende Fußgruppen - über die 5,5 Kilometer lange Strecke. Unter dem Motto „Echte Bönnsche oder net, im Karneval määt jeder met“ marschierten in Bonn 3 300 Jecken mit 116 Festwagen. Die 3,8 Kilometer langen Narrenparade wurde von rund 250 000 Schaulustigen bejubelt.

Der Mainzer Carneval-Verein (MCV) schickte unter insgesamt rund 160 Zugnummern mit 9000 Teilnehmern auch 15 Motivwagen auf die 7,2 Kilometer lange Zugstrecke. Dabei bekam neben Regierungsmitgliedern CDU-Chefin Angela Merkel ihr Fett weg: Zum Thema „Willkommen in der EU“ schichtet sie im Blaumann eine Mauer hinter der Tür, die Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) einem Vertreter der Türkei weit aufhält. Im umstrittensten Wagen der Kampagne eilt sie im Laufschritt auf eine Leiter zu, die an das entblößte Hinterteil von US-Präsident George W. Bush anlehnt. Auch die Gesundheitsreform, Hartz IV und die Neuverschuldung machten die Mainzer Narren zum Thema.

Auch in zahlreichen anderen Städten wie Koblenz, Saarbrücken, Trier, Essen, Recklinghausen, Fulda, Ravensburg, Freiburg sowie in Westfalen, Thüringen und Sachsen-Anhalt rollten die Narren mit bunten Rosenmontagszügen durch die Straßen. In Herbstein im hessischen Vogelsberg bejubelten Tausende den traditionellen „Springerzug“. Am Morgen waren zum Auftakt des närrischen Rosenmontagstreibens in Baden-Württemberg rund 25 000 Zuschauer zum Rottweiler Narrensprung gekommen. Auch in der nördlichen Karnevalshochburg im schleswig- holsteinischen Marne umjubelten mehr als 10 000 Menschen den Umzug.

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