Anwälte der Opfer und Hinterbliebenen des Transrapid-Unglücks wollen mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen nachweisen und auf Schadenersatz klagen.
HB LATHEN/BERLIN. „Es ist unklar, warum auf der Teststrecke heute technisch mögliche Sicherheitsvorkehrungen nicht eingesetzt wurden“, sagte Rechtsanwalt Walter Bergmann von der Berliner Kanzlei Simon und Partner am Dienstag. Dabei handele es sich um Sicherheitstechnik, die beim Betrieb der Strecke in Schanghai im Einsatz ist, nicht aber auf der Teststrecke im Emsland. Mit seinen Kollegen will er nun eigene Ermittlungen sowohl gegen die Betreibergesellschaft IABG als auch gegen die Hersteller des Transrapids und den TÜV Nord anstrengen. Die Chancen auf eine Entschädigung der Opfer bezeichnete er als „nicht so schlecht“.
Zu prüfen sei etwa, warum die Strecke mit ihrem „antiquierten Sicherheitssystem“ überhaupt freigegeben wurde. „Auf jeden Rummelplatz kommt vorher der TÜV und prüft, ob den aktuellen Sicherheitsstandards Genüge getan ist“, sagte Bergmann. Deswegen müssten die Verantwortlichkeiten gründlicher untersucht werden als es bislang der Fall sei. „Das menschliche Versagen war absehbar“, sagte der Anwalt. Er kritisierte zudem, dass auch mögliche terroristische Anschläge im Sicherheitskonzept der Teststrecke nicht berücksichtigt sind.
Die Berliner Kanzlei, für die Bergmann arbeitet, vertritt nach eigenen Angaben mehrere Opfer des Transrapid-Unglücks sowie Angehörige der Opfer. Ziel sei eine außergerichtliche Einigung. „Damit könnten wir möglichst bald einen Schlussstrich ziehen“, sagte Bergmann. So sei auch die Belastung für die Betroffenen geringer. Über eine mögliche Höhe der Entschädigungen für die Opfer und deren Angehörige wollte Bergmann keine Angaben machen.
Die Kanzlei hat auch die Opfer des Concorde-Unfalls im Jahr 2000 betreut. Bei dem Absturz des Überschallflugzeugs in Paris waren 113 Menschen ums Leben gekommen, darunter 97 Deutsche.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Rekonstruktion des genauen Unfallhergangs kann nach Angaben der Staatsanwaltschaft Osnabrück noch lange dauern.
Auch der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, Winfried Hermann, geht von fehlenden Sicherheitsvorkehrungen auf der Transrapid-Strecke aus. Er sagte am Dienstag bei NDR Info: „Es ist zumindest nicht nur menschliches Versagen, sondern auch technisches Mangelwerk, muss man fast sagen.“
Die Rekonstruktion des genauen Unfallhergangs kann nach Angaben der Staatsanwaltschaft Osnabrück noch lange dauern. Die Mitschnitte des Funkverkehrs könnten aus technischen Gründen noch nicht vollständig ausgewertet werden, hieß es. Es müsse das Risiko ausgeschaltet werden, dass Teile der Aufzeichnungen auf Spezial- Tonbändern beim Abhören zerstört würden. Experten des Eisenbahnbundesamtes prüfen das Sicherheitskonzept der Versuchsanlage, um mögliche Rückschlüsse auf ein mögliches Genehmigungsverfahren für die Münchner Transrapid-Trasse zu gewinnen.
Auf dem Spendenkonto für die Hinterbliebenen des Transrapid-Unglücks im emsländischen Lathen sind nach Angaben des Landkreises Emsland bis Dienstag rund 200 000 Euro eingegangen. Zu den größten Spendern gehöre neben den Konzernen RWE und ThyssenKrupp sowie der Betreibergesellschaft IABG auch der Landkreis selbst, sagte Kreissprecher Dieter Sturm. Es hätten aber auch viele Privatpersonen Geld eingezahlt. Der Andrang von Schaulustigen an der Unglücksstelle habe unterdessen nachgelassen. „Es ist ruhig“, sagte Sturm. Für den Gedenkgottesdienst am Mittwoch rechne man aber wieder mit zahlreichen Trauergästen in Lathen.
Bei dem Unglück, bei dem ein Transrapid-Hochgeschwindigkeitszug mit Tempo 170 auf einen Werkstattwegen prallte, waren am vergangenen Freitag 23 Menschen ums Leben gekommen, zehn weitere wurden verletzt. Am Mittwoch ist eine zentrale Trauerfeier in Lathen angesetzt, zu der auch Bundespräsident Horst Köhler und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) erwartet werden.

