0 Bewertungen
07.04.2006 

Im Landkreis Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern wurde Katastrophenalarm gegeben. In Dömitz soll am Sonntag mit 6,80 Metern der Höhepunkt der Flut erreicht werden, in Boizenburg wird am Montag mit 6,90 Metern gerechnet - jeweils deutlich mehr als 2002. „Trotz dieser Vorhersagen besteht jedoch kein Grund zur Panik“, sagte Umweltminister Wolfgang Methling (Die Linkspartei). An den Deichen sei genügend Spielraum, die Schwachstellen aus dem Jahr 2002 seien beseitigt.

Katastrophenalarm gab es auch in den niedersächsischen Landkreisen Lüchow-Dannenberg und Lüneburg. Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) kündigte bei einem Besuch in Hitzacker finanzielle Unterstützung an. „Dieses hier übersteigt alles, was ich mir hätte vorstellen können“, sagte Sander. In dem Städtchen sind geplante Hochwasserschutzmaßnahmen wie der Bau einer Schutzmauer und eines Schöpfwerkes noch nicht umgesetzt. Der Pegel stand am Mittag bei 7,48 Meter und damit etwa so hoch wie 2002. Experten rechnen damit, dass das Wasser bis Sonntag noch einmal etwa 25 Zentimeter steigt und dann mehrere Tage anhält.

„Drei Viertel der Altstadt stehen bereits unter Wasser“, sagte Samtgemeindebürgermeister Jochen Langen-Deichmann. Die Menschen versuchten mit Sandsäcken ihre Häuser zu sichern. Auch im Landkreis Lüneburg kämpften die Menschen verzweifelt gegen die Fluten. Der Höchststand wird erst in ein bis zwei Tagen erwartet.

In Brandenburg erreichte die Elbe bei Wittenberge 7,16 Meter; normal sind 3,70 Meter. „Große Sorge bereitet uns die Stabilität der Deiche“, sagte Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) bei einem Besuch im Landkreis Prignitz. „Täglich mehren sich die Schadstellen.“ Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) rechnete dennoch nicht mit Evakuierungen. „Wir sind zuversichtlich, dass die Lage beherrscht werden kann.“ Havel und Oder stiegen ebenfalls bedenklich an, in Frankfurt kam erstmals der kommunale Krisenstab zusammen.

Im südbrandenburgischen Mühlberg (Elbe-Elster) sanken die Wasserstände. Transporthubschrauber warfen Sandsäcke aus der Luft ab, um die aufgeweichten Deiche nicht unnötig zu befahren. Der Wasserpegel war mit einem Maximum von rund 8,50 weit unter dem Stand von 2002 mit 9,99 Metern geblieben.

Trotz sinkender Wasserstände blieb die Lage auch in Sachsen- Anhalt ernst. Hunderte Helfer waren an den Deichen weiter im Einsatz. Eine Jahrhundertflut sahen Experten in Sachsen-Anhalt nicht. In Sachsen entspannte sich die Lage weiter. In Dresden wurde die Elbbrücke „Blaues Wunder“ wieder für den Verkehr freigegeben. Vielerorts begannen das Aufräumen. Die Feuerwehr warnte, Keller vorschnell auszupumpen. Es bestehe die Gefahr, dass Grundwasser sonst Gebäude nach oben drückt und die Schäden vergrößert.
Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterHandelsblatt Specials

zurück
  • Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenze...

    Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenzen

    Bankenpleiten, Börsentalfahrt, Rezession: Kaum ein Jahr hat die Welt der Wirtschaft so durcheinander gewirbelt wie 2008. Im kommenden Jahr müssen sich Manager und Politiker neu beweisen. Handelsblatt.com blickt in den Tagen bis zum Jahreswechsel zurück auf eine Zeit vo...Special 

  • Türkei – ein Land zwischen Aufbruch u...

    Türkei – ein Land zwischen Aufbruch und Rückschritt

    Die Türkei sprüht vor Dynamik. Neben Istanbul bilden sich auch in Anatolien neue Wirtschaftszentren. Im Land entsteht ein Mittelstand. Das bietet auch Chancen für deutsche Unternehmer und Investoren. Zugleich gestaltet sich der Weg nach Europa schwierig: Die Türkei ste...Special 

  • Agenda IT-Fitness

    Agenda IT-Fitness

    Ob Waldarbeiter, Bäcker oder Arzt – ohne IT läuft im Beruf kaum noch etwas. Doch die Informationstechnologie wandelt sich permanent, und Unternehmen wie Arbeitnehmer müssen sich auf diesen Wandel einstellen. Wie das gehen kann, zeigt die Agenda „IT-Fitness“.Special 

vor

 

 

Bildergalerien

zurück
  • Wo sich das Sponsorenkarussell dreht

    Wo sich das Sponsorenkarussell dreht

    Zum Saisonende laufen in der Fußball-Bundesliga zahlreiche Verträge von Vereinen mit ihren Hauptsponsoren oder Ausrüstern aus, weitere kommen 2010 hinzu. Insgesamt geht es um Vermarktungsgelder von rund 90 Millionen Euro – und das mitten in der Wirtschaftskrise. Das Ma...Bildergalerie 

  • Rechte und Pflichten bei Eis und Schn...

    Rechte und Pflichten bei Eis und Schnee

    Starke Schneefälle, Glatteis und Dauerfrost haben in den vergangenen Tagen vielen den Weg zur Arbeit erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht.Handelsblatt.com erklärt, was Sie beachten sollten.Bildergalerie 

  • Neue Regeln für die Einreise in die U...

    Neue Regeln für die Einreise in die USA

    Ab dem 12. Januar müssen USA-Reisende ohne Visum vorab online einen Antrag beim US-Heimatschutzministerium stellen. Nur mit Genehmigung, die per E-Mail erteilt wird, darf der Geschäftsreisende oder Tourist dann ins Flugzeug steigen. Die letzte Entscheidung trifft aber ...Bildergalerie 

vor