0 Bewertungen
16.01.2008 
Geschlechterpsychologie

Warum ein Männerleben entbehrlich ist

von Ferdinand Knauss

Die Dominanz der Männer ist kein Akt der Unterdrückung, sagt der Sozialpsychologe Roy Baumeister, sondern ein Kompensationsgeschäft zwischen den Geschlechtern. Denn Männer müssen einfach mehr riskieren, um sich auch fortpflanzen zu können.

Ein risikofreudiger Mann: Prinz Andrej kämpft in "Krieg und Frieden" in der Schlacht von Austerlitz. Foto: dpaLupe

Ein risikofreudiger Mann: Prinz Andrej kämpft in "Krieg und Frieden" in der Schlacht von Austerlitz. Foto: dpa

DÜSSELDORF. „Warum geschah es so selten, dass sich hundert Frauen zusammentaten, ein Schiff bauten und davonsegelten, um unbekannte Regionen zu erforschen, während Männer das ziemlich regelmäßig getan haben?“ fragt Roy F. Baumeister. Der Sozialpsychologe von der Universität Tallahassee (US-Staat Florida) stellt in seinem Aufsatz „Wie Kultur Männer benutzt“ in der Zeitschrift „Merkur“ eine neue und provokante These zum Ursprung der männlichen Dominanz in den meisten Gesellschaften vor: Männer seien zwar keineswegs begabter, aber kulturell motivierter. Sie seien eher als Frauen „getrieben, etwas Neues zu schaffen“.

Der Grund hierfür ist nach Baumeister in der Evolution unserer Art zu suchen: Männer hatten in der Regel eine viel geringere Chance, sich überhaupt fortzupflanzen. Gentests zeigen, dass nur 40 Prozent aller jemals geborenen Männer, aber 80 Prozent aller Frauen Nachwuchs bekamen.

„Das Optimale für Frauen ist ..., mit dem Strom zu schwimmen, nett zu sein ... Sie haben gute Chancen, dass Männer vorbeischauen und Sex anbieten ... Wir stammen von Frauen ab, die auf Nummer sicher gehen.“ Unsere männlichen Vorfahren aber waren die, die viel riskierten – und gewannen. Die Verlierer zeugten keine, die Gewinner umso mehr Kinder.

Dahinter steht die biologische Tatsache, dass Frauen nur eine begrenzte Zahl von Kindern gebären können, während Männer, wenn sie ihre Konkurrenten ausstechen, viele Hundert Kinder zeugen können. Baumeister nennt das ein „eine Art Kompensationsgeschäft“: „Vielleicht sind die Frauen von der Natur so entworfen worden, dass sie sich darum bemühen, liebenswert zu sein, während Männer so entworfen wurden, dass sie nach Größe strebten.“

Daraus leitet Baumeister zwei geschlechtsspezifische Verhaltensmuster ab: „Das männliche Verhaltensmuster ist für die großen Gruppen geeignet, das weibliche eignet sich am besten für vertraute Paarbeziehungen.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie die Kultur die Männer benutzt

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

Blogkommentare zu diesem Artikel

Städtewetter Deutschland

Bitte tragen Sie hier PLZ oder Städtenamen ein:

weiterHandelsblatt Specials

zurück
  • Zukunft der Stadt

    Zukunft der Stadt

    Vor welchen Herausforderungen stehen die Metropolen von heute? Und wie sehen Ideen für die Stadt von morgen aus?Special 

  • 60 Jahre Bundesrepublik

    60 Jahre Bundesrepublik

    2009 feiert die Bundesrepublik ihren sechzigsten Geburtstag. Auch Handelsblatt.com blickt aus diesem Grund noch einmal auf Politik, Managementgeschichte und Ökonomie Deutschlands zurück. Obendrein gibt es beim BRD-Quiz attraktive Preise zu gewinnen.Special 

  • Brasilien – ein Riese erwacht

    Brasilien – ein Riese erwacht

    Brasilien hat sich gewandelt wie kaum ein anderes Land. Es hat gute Chancen, gestärkt aus der globalen Wirtschaftskrise hervorzugehen und steht zu Unrecht im Schatten von China und Indien. Das neue, starke Brasilien – ein Dossier.Special 

vor

 

 

Bildergalerien

zurück
  • Rennstrecke, Freizeitpark, Finanzde...

    Rennstrecke, Freizeitpark, Finanzdesaster

    Schneller, schöner, spektakulärer – und sehr viel teurer für das Land als geplant: Der „Nürburgring 2009“, mit dem sich die defizitäre Traditionsrennstrecke zum ganzjährigen Freizeit- und Geschäftszentrum wandeln soll, ist eröffnet. Was er zu bieten hat, wie ...Bildergalerie 

  • Bundesliga-Profis: Käufer verzweife...

    Bundesliga-Profis: Käufer verzweifelt gesucht

    Bei der Jagd nach geeigneten Verstärkungen beißen die Fußball-Bundesligisten oft auf Granit und müssen sich auf wochenlangen Poker einstellen. Doch noch schwieriger ist es, nicht mehr benötigte Profis wieder loszuwerden. Welche Spieler wo auf der Streichliste...Bildergalerie 

  • Wer die Top-Verdiener der Sportwelt...

    Wer die Top-Verdiener der Sportwelt sind

    Die US-Zeitschrift Sports Illustrated hat das Sportler-Gehaltsranking 2008 veröffentlicht. Es gibt einigen Aufschluss darüber, in welchen Sportarten das große Geld umgesetzt wird und zeigt außerdem, dass die Haupteinnahmequelle eines Sportlers nicht zwingend ...Bildergalerie 

vor