Offenbar versagten bayerische Behörden
Im jüngsten Gammelfleisch-Skandal gibt es immer mehr Hinweise auf ein Versagen der bayerischen Behörden: Die konkreten Gammelfleisch-Hinweise auf den Münchner Döner-Fabrikanten Georg Bruner wurden offenbar doch ignoriert. Die zuständige Regierung von Oberbayern entband am Freitag einen Amtsleiter und einen verantwortlichen Lebenskontrolleur mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben. Bundesverbraucherminister Horst Seehofer forderte die Länder auf, die vereinbarten besseren Kontrollen schnellstens umzusetzen.
Der bayerische Verbraucherminister Werner Schnappauf verteidigte seine Behörden. „Wir haben eine funktionierende Kontrolle in den Ländern, auch in Bayern“, betonte der CSU-Politiker. Das Fehlverhalten eines Kontrolleurs müsse Konsequenzen haben, doch dürfe deshalb nicht das Kontrollsystem als ganzes in Frage gestellt werden. Schnappaufs Ministeriumssprecher Roland Eichhorn sagte der Nachrichtenagentur AP, bei den am Freitag geschassten bayerischen Kontrollverantwortlichen sei es „nicht verantwortbar gewesen, sie an dieser Position zu halten“. Bei dem Amtsleiter und dem für den Münchner Großhändler zuständigen Kontrolleur müsse „nach der vorliegenden Beweislage von einem Verschulden - entweder aktiv oder aus Desinteresse und Passivität - ausgegangen werden“.
Den Mitarbeitern der Regierung von Oberbayern werden nicht nur nachlässige Kontrollen vorgeworfen: Insbesondere sei im Februar ein konkreter Hinweis der Stadt Mannheim auf hochbelastetes Gammelfleisch ignoriert worden. Wie Behördensprecher Thomas Huber der AP bestätigte, wurde keine neue Kontrolle veranlasst, obwohl die Stadt Mannheim der Behörde ein Gutachten über Krankheitserreger in Bruners Fleisch nach München geschickt hatte.
Die Mannheimer Behörden hatten nach einer Routinekontrolle bei einem örtlichen Zwischenhändler im Dezember 2005 zunächst ihre Kollegen über falsche Etiketten auf der Ware Bruners informiert. Die Münchner Behörde veranlasste daraufhin nach eigenen Angaben einen Kontrollbesuch. Nachdem der Großhändler jedoch ein Schriftstück eines italienischen Lieferanten vorgelegte, dass die Ware bereits in Italien auf Grund eines Fehlers falsch ausgezeichnet worden war, legten die Kontrolleure demnach den Fall zu den Akten. Erst im Februar stellte sich nach einer chemischen Untersuchung heraus, dass das tiefgekühlte Hähnchenfleisch nicht nur falsch etikettiert, sondern auch gesundheitsgefährlich verdorben war.
Laut Behördensprecher Huber fand die nächste Kontrolle bei dem Münchner Betrieb jedoch erst im Juni statt und blieb ohne Folgen. Auch die italienischen Behörden seien nicht über die aus ihrem Land kommende Gammelfleischlieferung informiert worden. Dies sei erst in den vergangenen Tagen geschehen.


