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27.12.2007 
Deutschland meldet sich zurück

Wir sind wieder... gut

von Andreas Rinke

Ob in Wirtschaft oder Politik, in Wissenschaft oder Sport: Die Deutschen sind wieder da. Und sie machen ihre Sache richtig gut - trotz Finanzkrise und Verschiebung der internationalen Gewichte. Ein Jahresrückblick auf die Rückkehr des deutschen Selbstbewusstseins.

Egal ob in Wirtschaft, Politik oder Sport – die Deuschen lernen, sich zu feiern. Foto: dpaLupe

Egal ob in Wirtschaft, Politik oder Sport – die Deuschen lernen, sich zu feiern. Foto: dpa

BERLIN. Im vergangenen Jahr wirkte alles noch wie ein Zufall. Da schüttelte die Fußballweltmeisterschaft ein leidgeplagtes, sich seit langem selbst zerfleischendes Land emotional durch. Ungläubig verfolgte eine Nation den Siegeszug eines als Desastertruppe empfundenen Teams. Der Ausbruch der Freude über den letztendlich 3. Platz war auch deshalb so groß, weil es seit langem kein wirkliches Erfolgserlebnis für die Volkspsyche mehr gegeben hatte.

Doch 2007 ist alles anders geworden. Jetzt, Ende des Jahres, steht für viele Deutsche fest: Wir sind wieder wer - und vor allem: Wir sind wieder gut. Deutschland steht im Aus- und Inland nicht mehr als Synonym für den Niedergang, die Depression und die Zweitklassigkeit. Nein, überraschende Erfolge wurden auf der ganzen Front eingefahren - egal ob in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft oder Sport. Urlaube im Ausland mutieren nicht mehr zu Masochismus-Trips, bei denen man sich permanent für das eigene Land entschuldigen muss. Der Glaube an sich selbst ist zurückgekehrt.

So ist Deutschland wieder Exportweltmeister geworden. Beim Wirtschaftswachstum hat die bundesrepublikanische Volkswirtschaft die rote Laterne abgehängt und ist wieder zu einer europäischen Lokomotive geworden. Monat für Monat sorgten steigende Steuereinnahmen und sinkende Arbeitslosenzahlen für das Gefühl, dass sich etwas bewegt. Die Arbeitslosenzahl ist die niedrigste seit 14 Jahren. Erstmals seit 1989 gibt es einen ausgeglichenen Staatshaushalt.

Das Selbstbewusstsein ist mittlerweile so groß, dass auf einer Transatlantik-Veranstaltung der CDU-Bundestagsfraktion im Beisein eines eher gequält wirkenden US-Botschafters William Timken schon darüber gewitzelt wurde, dass die USA ja irgendwann den Euro übernehmen könnten. Undenkbar noch vor zwei Jahren im deutschen Jammertal.

Die deutsche Doppelpräsidentschaft in der EU und der G8 hat aber auch dazu beigetragen, dem Land den ersten weiblichen Politik-Superstar zu bescheren. Längst wird Angela Merkel als Ikone in der internationalen Politik gehandelt. Sie gilt als mächtigste Frau der Welt.

Auch inhaltlich fühlen wir uns auf dem richtigen Weg. Deutschland mag schrumpfen, wird aber international geschätzt. Merkel wird immer mehr als Klimaschützerin wahrgenommen, und spätestens seit dem Empfang des Dalai Lama im Kanzleramt wird sie als Jeanne d?Arc der Menschenrechte gefeiert. Bundesaußenminister Steinmeier genießt dagegen (etwas stiller), dass die USA sowohl in der Nahost- als auch in der Iran-Politik langsam deutsche und europäische Vorstellungen übernehmen. Kein Wunder, dass nach einer neuen Studie fast die Hälfte der Deutschen das eigene Land mittlerweile im Kreis der Weltmächte sieht - auch ohne ständigen Sitz im Uno-Sicherheitsrat.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Eines war für das deutsche Selbstwertgefühl noch wichtiger.

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