Nach dem schwersten Erdbeben in China seit 30 Jahren befürchten die Behörden bis zu 20 000 Todesopfer. Bis Dienstag wurden fast 12 000 Tote bestätigt. Die chinesische Regierung teilte mit, sie nehme ausländische Hilfe im Katastrophengebiet an.
DUJIANGYAN/CHINA. Nach dem verheerenden Erdbeben in Südwestchina ist die Zahl der Todesopfer am Dienstag auf fast 12 000 gestiegen. Unzählige Menschen werden noch unter Trümmern vermisst.
Starke Regenfälle behinderten zudem die Arbeit der Rettungsmannschaften, die erst am Dienstag den am stärksten betroffenen Bezirk Wenchuan in der Provinz Sichuan erreichten.
Das ganze Ausmaß des Bebens ist noch immer unklar: Allein in der Stadt Mianzhu, die etwa 100 Kilometer vom Epizentrum entfernt liegt, waren noch 4 800 Menschen vermisst, wie Xinhua unter Berufung auf örtliche Behörden berichtete.
Die Zahl der Opfer steigt vermutlich weiter an, weil einige betroffene Gebiete abgelegen sind und viele Menschen von Trümmern begraben wurden. Das Beben der Stärke 7,9 richtete in weiten Teilen Zentralchinas massive Schäden an.
Im Bezirk Beichuan, wo 80 Prozent der Gebäude zerstört wurden, stürzte eine sechsstöckige Schule zusammen und begrub hunderte Menschen in einem zwei Meter hohen Trümmerhaufen. Allein dort befürchteten die Behörden 1 000 tote Schüler und Lehrer. In einer anderen Schule in der Stadt Dujiangyan sollen zudem 900 Schüler ums Leben gekommen sein.
Die Regierung schickte allein nach Beichuan 16 000 Soldaten. Zehntausende weitere waren am Dienstag auf dem Weg in die Katastrophenregion. Nach Behördenangaben könnten die Rettungsarbeiten eine Woche dauern. Erneut wurde die Region von starke Nachbeben erschüttert. In der Großstadt Chengdu flüchteten viele Menschen aus Gebäuden.
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Fast alle Opfer des Bebens wurden laut Xinhua in Sichuan registriert. In drei Nachbarprovinzen sowie in der Megastadt Chongqing am Fluss Jangtse kamen demnach etwa 300 weitere Menschen ums Leben.
Zahlreiche Kleinstädte wurden dem Erdboden gleichgemacht. In Shifang, wo das Beben einen Chemieunfall auslöste, kamen laut Xinhua rund 600 Menschen ums Leben. Ob die Chemikalien zum Tod der Menschen beitrugen, war zunächst unklar.
In der Zehn-Millionen-Stadt Chengdu wurden Strom- und Fernmeldemasten zerstört, so dass weite Gebiete im Dunkeln lagen. Wegen Erdrutschen waren viele Straßen unpassierbar. Die Rettungskräfte gelangten nur sehr mühsam ins Katastrophengebiet.
Ministerpräsident Wen Jiabao sagte bei einem Besuch vor Ort, die Lage sei viel schlimmer, als die Behörden zunächst vermutet hätten. Die Bevölkerung solle jedoch die Hoffnung nicht aufgeben, da schon bald Helfer bei ihnen eintreffen würden.
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Vertreter der USA, Japans und der EU bekundeten ihr Beileid und boten China Hilfe bei den Rettungsaktionen an. Die Behörden wollen diese Unterstützung nach eigenen Angaben annehmen, aber wegen fehlender Unterbringungsmöglichkeiten keine ausländischen Helfer in die Region lassen.
Häuser, die während des Bebens nicht einstürzten, sind oft unbewohnbar. Hunderte Menschen verließen die schwer getroffene Stadt Dujiangyan. Sie trugen Koffer oder Plastiktüten mit Lebensmitteln bei sich. „Meine Ehefrau ist bei dem Beben getötet worden“, sagte der 70-jährige Zhou Chun. „Mein Haus wurde zerstört.
Ich gehe nach Chengdu, aber ich weiß nicht, wo ich wohnen werde.“ Das Erdbeben stellt eine Herausforderung für die kommunistische Regierung dar. Sie stützt ihr Mandat darauf, dass sie die Ordnung aufrechterhält, für wirtschaftliches Wachstum sorgt und in Katastrophenfällen Hilfe leistet.
Sie muss angesichts der bevorstehenden Olympischen Spiele, der Unruhen in Tibet und hoher Inflation rasch reagieren. Das Erdbeben war das folgenschwerste in China seit 1976. Damals wurden in der Stadt Tangshan in der Nähe von Peking 240 000 Menschen getötet.

