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22.09.2006 
Versuchsstrecke im Emsland

Zahlreiche Tote bei Transrapid-Unfall

Bei einem Unfall auf der Transrapid-Versuchsstrecke im Emsland sind am Freitag mindestens 15 Menschen ums Leben gekommen. Zehn Menschen überlebten schwer verletzt. Bundespräsident Horst Köhler sprach den Opfern und ihren Familien sein Mitgefühl aus. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee brach seinen China-Besuch ab und wollte am Samstag an der Unglücksstelle sein. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist bereits auf dem Weg.

Ein mit 25 Besuchern besetzter Transrapid ist auf einen Werkstattwagen der Versuchsanlage geprallt. Foto: dpaLupe

Ein mit 25 Besuchern besetzter Transrapid ist auf einen Werkstattwagen der Versuchsanlage geprallt. Foto: dpa

HB MELSTRUP. Der Zug raste der Polizei zufolge am Freitagmorgen gegen 9.30 Uhr mit 29 Menschen an Bord bei Tempo 200 in einen mit zwei Arbeitern besetzten Werkstattwagen, der auf dem Fahrweg stand. Nach dem Unfall auf der Transrapidteststrecke sind bisher 15 Leichen geborgen worden. Das teilte der zuständige Staatsanwalt Alexander Retemeyer aus Osnabrück am Freitagabend mit. Die endgültige Zahl der Opfer steht laut Retemeyer noch nicht fest. „Wir haben wenig Hoffnung, noch Überlebende zu finden“, sagte eine Polizeisprecherin am Nachmittag. Hubschrauber flogen die Schwerverletzten in umliegende Krankenhäuser. Die Betreibergesellschaft nannte menschliches Versagen als Unglücksursache. Bei den Opfern handelt es sich nach Polizeiangaben vor allem um Angehörige von Transrapid-Mitarbeitern.


Bildergalerie Bilder von der Unglücksstelle im Emsland


Schwierige Bergungsarbeiten

Nach Angaben von Landrat Hermann Bröring raste die Magnetbahn in der Nähe von Lathen gegen 09.30 Uhr mit rund 200 Stundenkilometern in die mit zwei Personen besetzte Arbeitsplattform auf der Strecke. Im Zug war eine Besuchergruppe aus einer Firma aus dem Emsland sowie Personal. Die Magnetbahn sei unter die Plattform gerast, die dann auf das Dach des Zuges geschleudert worden sei. Mit der Arbeitsplattform wird die Strecke einmal am Tag von Ästen gereinigt.

Nach Angaben der Polizei blieb der verunglückte Zug auf dem Fahrweg stehen. Die Bergung der Opfer war schwierig, weil der Fahrweg in etwa vier Metern Höhe auf Betonständern verläuft. Die Feuerwehr setzte Leitern und Kräne ein, um an den Zug zukommen. Die Opfer wurden ausgeflogen.

Der vordere Bereich der Bahn wurde total zerstört und hing teilweise von der rund fünf Meter hohen Trasse herunter. Wrack- und Trümmerteile wurden bis zu 300 Meter weit geschleudert. Unter den Stelzen, auf denen der Zug fährt, lagen metergroße Trümmer. Ganze Teile der Zugverkleidung waren durch die Wucht des Aufpralls herausgerissen worden und in die Tiefe gestürzt. Retter eilten in Hubschraubern und mit Krankenwagen an den Unfallort nördlich des Bahnhofs Lathen. Von Feuerwehr-Drehleitern aus versuchten sie, die in den Waggons eingeschlossenen Menschen zu erreichen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Meschliches Versagen vermutet - Tiefensee bricht China-Reise ab

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