0 Bewertungen
22.09.2006 

Die Bergungsarbeiten an der Unfallstelle sind schwierig. Foto: apLupe

Die Bergungsarbeiten an der Unfallstelle sind schwierig. Foto: ap

Menschliches Versagen vermutet

Der niedersächsische Landesbrandmeister Karl-Heinz Schwarz sagte nach dem Besuch der Unglücksstelle: „Es ist ein schreckliches Bild für uns alle.“ Landrat Bröring sagte: „Ich habe die Gesichter der Feuerwehrleute gesehen, die brauchen einen Notfallseelsorger.“ Mehrere der Pastoren waren zur Anlage gekommen, um dort Angehörige der Opfer zu trösten und schockierten Helfern beizustehen.

Am Nachmittag traf der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff an der Unglücksstelle ein, später wollte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Bild von der Lage machen.

Die Betreibergesellschaft IABG erklärte, nach derzeitigem Stand der Untersuchungen sei menschliches Versagen Grund für den Unfall, Hinweise auf technische Ursachen gebe es nicht. Dieser Auffassung sind auch Bahnexperten. "Nach den bisher vorliegenden Berichten kommt als alleinige Unfall-Ursache nur menschliches Versagen in Betracht", sagte Prof. Dr.-Ing. Edmund Mühlhans, Experte für Transrapidtechnik, Bahntechnik und Bahnsysteme an der TU Darmstadt, dem Handelsblatt.

„Wir sind tief betroffen über diesen Vorfall und werden schnellstmöglich die genauen Hintergründe klären“, sagte der Geschäftsführer der Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft (IABG), Rudolf Schwarz. Ein Team der IABG sei auf dem Weg zur Unfallstelle. Nach den Worten von Schwarz hatte der verunglückte Zug nicht eine Besucherfahrt, sondern eine Messfahrt unternommen. Genaueres sagte er aber nicht.

Tiefensee bricht China-Reise wegen Unfall ab

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee hat wegen des Transrapid-Unfalls seine China-Reise abgebrochen und einen Krisenstab eingerichtet. Wie das Ministerium am Freitag in Berlin mitteilte, sollte Tiefensee am Samstag früh im Emsland eintreffen, um sich so schnell wie möglich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen. Der Leiter des Krisenstabes, Staatssekretär Jörg Hennerkes, reiste den Angaben zufolge bereits am Freitag an den Unglücksort.

Tiefensee habe während eines Gesprächs mit dem chinesischen Eisenbahnminister von dem Unglück erfahren, sagte sein Sprecher Dirk Inger. Der Minister sprach den Angehörigen und Verletzten sein tiefes Mitgefühl aus. „Das ist eine schreckliche Katastrophe. Sie muss sofort vollständig aufgeklärt werden.“ Er habe auch von Peking aus telefonisch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über das Unglück gesprochen.

Auf Fragen, ob der Unfall ein Ende des Transrapid-Projektes in München bedeute, sagte Tiefensee dem Nachrichtenmagazin „Focus“: „Nein. Diese Frage hat für mich heute keine Priorität. Erst müssen wir die Gründe für dieses Unglück herausfinden.“ Über die Konsequenzen für die Verhandlungen mit China über die Verlängerung der ersten kommerziellen Magnetbahnstrecke der Welt in Schanghai wollte sich Tiefensee vor Journalisten nicht äußern. Noch am Nachmittag hatte er auf Fragen nach dem jüngsten Brand in einem Transrapid-Waggon in Schanghai betont, der Zug sei eine „Erfolgsgeschichte“, was Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit angehe. Tiefensee wollte ursprünglich bis Sonntag in China bleiben.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Eichel warnt vor schnellen Schlüssen

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterHandelsblatt Specials

zurück
  • Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenze...

    Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenzen

    Bankenpleiten, Börsentalfahrt, Rezession: Kaum ein Jahr hat die Welt der Wirtschaft so durcheinander gewirbelt wie 2008. Im kommenden Jahr müssen sich Manager und Politiker neu beweisen. Handelsblatt.com blickt in den Tagen bis zum Jahreswechsel zurück auf eine Zeit vo...Special 

  • Türkei – ein Land zwischen Aufbruch u...

    Türkei – ein Land zwischen Aufbruch und Rückschritt

    Die Türkei sprüht vor Dynamik. Neben Istanbul bilden sich auch in Anatolien neue Wirtschaftszentren. Im Land entsteht ein Mittelstand. Das bietet auch Chancen für deutsche Unternehmer und Investoren. Zugleich gestaltet sich der Weg nach Europa schwierig: Die Türkei ste...Special 

  • Agenda IT-Fitness

    Agenda IT-Fitness

    Ob Waldarbeiter, Bäcker oder Arzt – ohne IT läuft im Beruf kaum noch etwas. Doch die Informationstechnologie wandelt sich permanent, und Unternehmen wie Arbeitnehmer müssen sich auf diesen Wandel einstellen. Wie das gehen kann, zeigt die Agenda „IT-Fitness“.Special 

vor

 

 

Bildergalerien

zurück
  • Wo sich das Sponsorenkarussell dreht

    Wo sich das Sponsorenkarussell dreht

    Zum Saisonende laufen in der Fußball-Bundesliga zahlreiche Verträge von Vereinen mit ihren Hauptsponsoren oder Ausrüstern aus, weitere kommen 2010 hinzu. Insgesamt geht es um Vermarktungsgelder von rund 90 Millionen Euro – und das mitten in der Wirtschaftskrise. Das Ma...Bildergalerie 

  • Rechte und Pflichten bei Eis und Schn...

    Rechte und Pflichten bei Eis und Schnee

    Starke Schneefälle, Glatteis und Dauerfrost haben in den vergangenen Tagen vielen den Weg zur Arbeit erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht.Handelsblatt.com erklärt, was Sie beachten sollten.Bildergalerie 

  • Neue Regeln für die Einreise in die U...

    Neue Regeln für die Einreise in die USA

    Ab dem 12. Januar müssen USA-Reisende ohne Visum vorab online einen Antrag beim US-Heimatschutzministerium stellen. Nur mit Genehmigung, die per E-Mail erteilt wird, darf der Geschäftsreisende oder Tourist dann ins Flugzeug steigen. Die letzte Entscheidung trifft aber ...Bildergalerie 

vor