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02.05.2008 
Russland

Zwischen Erfolg und Katastrophe

von Florian Willershausen

Traditionell behaupten Politologen, dass wirtschaftliches Wachstum zu mehr Demokratie führt – und umgekehrt. Doch auch autoritäre Regime wie China und Russland können wirtschaftlich erfolgreich sein. Das widerspricht nur scheinbar der politischen Theorie.

Machtzentrale Kreml: Dass autoritäre Regime wie Russland wirtschaftlich erfolgreich sind, widerspricht nur scheinbar der politischen Theorie. Foto: apLupe

Machtzentrale Kreml: Dass autoritäre Regime wie Russland wirtschaftlich erfolgreich sind, widerspricht nur scheinbar der politischen Theorie. Foto: ap

DÜSSELDORF. Quer über den Puschkinplatz zog sich die Schlange, als am 31. Januar 1990 in Moskau die erste McDonald’s-Filiale öffnete. Fünf Stunden standen sich die Russen die Füße platt, um in den Genuss amerikanischer Hamburger zu kommen. Die Restaurant-Kette ist in Russland noch immer beliebt. Die amerikanischen Stullen zählen damit zu den letzten kulturellen Exportgütern des Westens, die in Russland erfolgreich sind.

Das liberal-demokratische Werte-Potpourri aus politischen Rechten und bürgerlichen Freiheiten, mit dessen „soft power“ der amerikanische Publizist Joseph S. Nye den globalen moralischen Führungsanspruch Amerikas begründet, hat dagegen an Strahlkraft eingebüßt. Einige autoritär regierte und wirtschaftlich erfolgreiche Staaten setzen dem ein eigenes Herrschaftsmodell entgegen. Es handelt sich um Regime, die den politischen Prozess und die Wirtschaft in unterschiedlichem Maße kontrollieren. Zwar versuchen Russland, Kasachstan und China, sich als „Demokratie“ zu legitimieren. Doch das westliche Vorbild weisen sie von sich und deklarieren ihren Autoritarismus als landestypische Demokratie mit „traditionellen Werten“.

Das Besondere dabei im Vergleich zur früheren kommunistischen Konkurrenz ist: Diese Länder sind wirtschaftlich erfolgreich: Russland wächst seit 1999 um sieben bis acht Prozent jährlich – und das erst, nachdem Putin den politischen Pluralismus stark eingeschränkt und einen bürokratisch-zentralistischen Kontrollstaat geschaffen hat. Kasachstan übertrifft sogar die Wachstumsraten des großen Nachbarn im Norden, während Präsident Nursultan Nasarbajew das Parlament mit nur einer – seiner – Partei lenkt. Die nominell kommunistische Führung Chinas verwaltet seit den achtziger Jahren ein Wirtschaftswachstum, das der Welt den Atem raubt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Wachstum stärkt auch autoritäre Regime“

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