Nicht weniger brüchig ist die Macht in China. Die Volksrepublik befinde sich „auf einer schmalen Gratwanderung zwischen Erfolg und Katastrophe“, meint Eberhard Sandschneider von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Als Auslöser für ein Desaster kann er sich „tausend Gründe“ vorstellen – beispielsweise eine schwere Finanzkrise oder die massive soziale Ungleichheit. Bisher erwies sich das autoritäre Regime in China aber als flexibel. Die Volksrepublik hat sich nicht nur wirtschaftlich geöffnet, sondern zaghaft auch gesellschaftlichen Bedürfnissen nachgegeben. Zum Beispiel, indem Peking über die Einführung direkter Demokratie auf den Dörfern ein Ohr für die Bedürfnisse der Bauern installierte.
Kommt es – durch eine Krise oder durch langsame Häutung – also letztendlich doch zum Siegeszug westlicher Werte? „Das ist Selbstbetrug des Westens“, widerspricht Sandschneider scharf. Auf schulmeisterliche Kritik an demokratischen Defiziten antworten raffinierte Staatschefs wie Putin süffisant mit der Frage nach den Menschenrechten in Guantanamo. Solche Sprüche halten die Bevölkerung bei Laune.
Es gibt keinen Grund, zu erwarten, dass stolze Länder wie China oder Russland bei nötigen Reformen westlichen Vorbildern nacheifern. Im Zweifel werden sie eher am autoritären Regime herumschrauben wie an einem alten Lada, bis es wieder funktioniert, getreu der Devise: So viel Freiheit wie nötig, so viel Kontrolle wie möglich. Das geht so lange gut, bis sich die politische Kultur wandelt und die Freiheitslust der Bürger autoritäre Herrscher zum Abdanken zwingt. Bis dahin genießen sie die Früchte des wirtschaftlich erfolgreichen Autoritarismus. Und stellen sich bei McDonald’s in die Schlange.


