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12.08.2008 
Geringes Interesse

Public Viewing in Peking – und keiner schaut zu

von Finn Mayer-Kuckuk

Public Viewing ohne Publikum: In Peking ziehen Großbildleinwände, auf denen die Wettbewerbe der Olympischen Spiele übertragen werden, bisher noch keine Massen an. Sponsor Coca-Cola lockt Besucher mit einem breiten Rahmenprogramm. Dennoch kommt keine richtige Stimmung auf - und das könnte ausgerechnet an den Getränken liegen.

Public Viewing in Peking: Einzig bei den von Coco-Cola organisierten Veranstaltungen ist etwas los. Foto: ReutersLupe

Public Viewing in Peking: Einzig bei den von Coco-Cola organisierten Veranstaltungen ist etwas los. Foto: Reuters

PEKING. Das schmissige Lied reißt die Chinesen dann doch noch mit. Alle hier kennen den Coca-Cola-Werbesong aus dem Fernsehen: "Auf geht?s! Chinesen stehen rot bereit!" Bis dahin standen die knapp 1 000 Zuschauer eher passiv vor den Großbildschirmen herum und haben sich berieseln lassen.

Der US-Getränkeriese hat sich für das Olympische Public Viewing einen der spektakulärsten Orte gesichert: Der Hof des edlen Einkaufszentrums "The Place" ist von einem 250 Meter langen Bildschirm komplett überspannt. Die Anzeigefläche schwebt hoch wie die umliegenden Dächer über den Zuschauern und hat die Größe eines Sportplatzes.

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Tagsüber war jedoch kaum etwas los. "Es ist halt sehr heiß, und die Leute haben zuhause ja auch Fernseher", sagt ein Mitarbeiter. Jetzt am Abend zieht jedoch der Technik-Zauber die Leute an. Der Sport gerät über die Cola-Inszenierung dann etwas ins Hintertreffen. "Ich freue mich so!", sagt zwar die junge Marketingstudentin Li Jun. Tatsächlich scheint sie vor Aufregung ein bisschen zu zittern. Trotzdem hat sie nicht vor, wiederzukommen. Sie will lieber lernen.

Nur wenig erinnert heute in Peking an frühere Massenveranstaltungen und Propagandafeldzüge der kommunistischen Partei. Die Leute nehmen sich daher auch die Freiheit, einfach zuhause zu bleiben. Beim Public Viewing klatschen sie zwar höflich der chinesischen Fahne zu; die jüngeren johlen aber mehr noch für den DJ, der die Limo-Lieder vor Ort neu mischt. Wenn die Sportler auf dem Bildschirm springen, schwimmen oder schießen, wenden sich viele Besucher anderen Aktivitäten der Coca-Cola-Zone zu. Und außer bei den Abendveranstaltungen mit der umwerfenden Lichtschau auf dem Bildschirmdach ist das abgesperrte Areal bei weitem nicht voll.

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