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07.08.2008 
Peking-Ente

Pfingsten in Peking

von Markus Thönniss

Einigkeit zwischen Fußballspielern und Funktionären: Obwohl für die Vereine laut CAS-Urteil keine Abstellpflicht für Spieler besteht, werden zahlreiche Stars bei den Olympischen Spielen in Peking auflaufen. Doch dem Sieg für den olympischen Geist müssen weitere Veränderungen folgen.

HB. Die Situation erinnert an Pfingsten, als der Geist auf alle Beteiligten niederging, sie erfüllte und alle einander verstanden. Nur handelt es sich bei diesen nicht um die Jünger Jesu, sondern um Fußballspieler und-Funktionäre. Und der Geist ist der olympische Geist. Womit eingetreten ist, worum Fifa-Boss Joseph S. Blatter so innig flehte, nachdem gestern der Internationale Sportgerichtshof Cas entschieden hat, dass seitens der Vereine keine Abstellpflicht von Spielern für das olympische Fußballturnier besteht. Dennoch werden sowohl Werder Bremens Spielmacher Diego als auch Schalkes Rafinha heute in Peking für die brasilianische Mannschaft auflaufen - wie Blatter forderte: "ein Akt der Solidarität in perfekter Harmonie mit dem olympischen Geist".

Ein Merkmal dieses Geistes besteht darin, so Baron de Coubertin 1896, dass die antretenden Sportler der Jugend als Vorbild und als Ansporn dienen sollen. Diese aber will sich nicht mehr so recht für die olympischen Disziplinen begeistern. Auch ohne prophetische Gabe darf getippt werden, dass das Durchschnittsalter der Zuschauer beim BMX-Finale deutlich unter dem der Wettbewerbe im Gehen liegen wird. Und Fußball gehört zu den Sportarten, die die Jugend zweifelsohne erreichen. Weshalb die Teilnahme von Ronaldinho und Co. ein Glücksfall ist: Durch solche Stars erhält der olympische Fußballwettbewerb eine Aufwertung, die ihm in seiner 100-jährigen Geschichte lange nicht wiederfahren ist. Seinen höchsten Stellenwert hatte der Wettbewerb bis 1930. Danach wurde die erste Weltmeisterschaft in Montevideo ausgerichtet, und die Bedeutung Olympias für Fußballer schwand.

Um diesen Wettbewerb zu alter Größe zu führen, bedürfte es allerdings weitreichenderer Veränderungen, als auf den guten Willen der Vereine zu hoffen: Die Gesetzeslage müsste geklärt und der Qualifikationsmodus geändert werden, damit tatsächlich die besten Teams teilnehmen. Kontinentale Meisterschaften dürften nicht mehr im Jahr der Spiele stattfinden. Und gleichwohl diente es der Glaubwürdigkeit des olympischen Geistes, wenn Blatter seine Mitgliedschaft im IOC niederlegte, um so einen Konflikt von Fifa - und IOC-Interessen zu vermeiden. Aber dafür muss der olympische Geist selbst bei seinen stärksten Fürsprechern noch reichlich Überzeugungsarbeit leisten.

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