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01.08.2008 
Rekordzug

Im Zeitraffer von Peking nach Tianjin

von Andreas Hoffbauer

Kurz vor Beginn der Olympischen Sommerspiele schreibt China Eisenbahngeschichte. Am Freitag geht zwischen Peking und der Hafenstadt Tianjin, wo bald für Olympia Fußball gespielt wird, eine superschnelle Zugverbindung in Betrieb. Für die Chinesen ist es die "schnellste Zugverbindung der Welt".

Putzkräfte inspizieren den Bahnsteig, damit kein Körnchen Schmutz den Anblick des neuen Hochgeschwindigkeitszugs CRH3 trübt. Foto: rtsLupe

Putzkräfte inspizieren den Bahnsteig, damit kein Körnchen Schmutz den Anblick des neuen Hochgeschwindigkeitszugs CRH3 trübt. Foto: rts

PEKING. Die Leuchtanzeige blinkt: 350 Stundenkilometer. Doch Zheng Jian steht ganz gelassen im Abteil und strahlt. "Sehen Sie mal, das Wasser im Glas vibriert kein bisschen", sagt er stolz. "Das hier ist eine Revolution für die chinesische Eisenbahn", erklärt der Vize-Chefingenieur des Eisenbahnministeriums dann stolz. "120 Kilometer in 30 Minuten, Weltrekord."

Kurz vor Beginn der Olympischen Sommerspiele schreibt China Eisenbahngeschichte. Am Freitag geht zwischen Peking und der Hafenstadt Tianjin, wo bald für Olympia Fußball gespielt wird, eine superschnelle Zugverbindung in Betrieb. Für die Chinesen ist es die "schnellste Zugverbindung der Welt". Der französische TGV oder der deutsche ICE 3 fahren im Linienverkehr rund 330 Kilometer pro Stunde. Zum Start pendelt zwischen den Olympia-Orten alle fünf Minuten ein Zug, der jeweils 600 Passagiere befördern kann.

Die Metropole Peking hat damit für die Spiele in kürzester Zeit ihre Infrastruktur aufgemöbelt. Erst vor knapp zwei Wochen wurde der erste Airport-Expresszug eingeweiht. Zuvor war bereits ein neues Flughafenterminal eröffnet worden, das eines der modernsten der Welt ist. Außerdem wurden für die Spiele drei neue U-Bahn-Linien gebaut. Allein in die U-Bahn hat die Führung rund vier Mrd. Dollar investiert. Denn bislang hatte die Hauptstadt nur ein sehr kleines unterirdisches Bahnnetz. Doch während der Spiele soll es täglich bis zu fünf Millionen Passagiere transportieren.

Das Netz wird dann trotz der Erweiterung an seine Grenzen kommen. Auch während der Sommerspiele werde es "kleinere Probleme" geben, da die neuen und renovierten Strecken bis zu einem Jahr lang in der Erprobung seien, räumte Zhou Zhengyu von der Pekinger Verkehrskommission vor einigen Tagen ein. Vor allem die Umsteigebahnhöfe seien überlastet.

Bei dem neuen Schnellzug nach Tianjin rechnen die Betreiber an Spitzentagen mit einer Million Passagiere, erklärte gestern Wang Yongping, Sprecher des Eisenbahnministeriums. Die Strecke ist in weniger als drei Jahren errichtet worden, die Kosten des Projekts liegen bei 2,9 Mrd. Dollar. Der dort eingesetzte CHR3-Schnellzug wird deutschen Olympiagästen vertraut vorkommen. Denn er ist im Prinzip ein Nachbau des ICE, den Siemens nach China verkauft hat. Der Zug basiere auf dem Konzept des ICE 3 der Deutschen Bahn, heißt es bei dem Münchener Konzern. Drei Züge wurden aus Deutschland geliefert, "die restlichen 57 wurden vom chinesischen Partner Tangshan Locomotive & Rolling Stock Works gebaut".

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