Kurz vor Beginn der Olympischen Sommerspiele schreibt China Eisenbahngeschichte. Am Freitag geht zwischen Peking und der Hafenstadt Tianjin, wo bald für Olympia Fußball gespielt wird, eine superschnelle Zugverbindung in Betrieb. Für die Chinesen ist es die "schnellste Zugverbindung der Welt".
Putzkräfte inspizieren den Bahnsteig, damit kein Körnchen Schmutz den Anblick des neuen Hochgeschwindigkeitszugs CRH3 trübt. Foto: rts
PEKING. Die Leuchtanzeige blinkt: 350 Stundenkilometer. Doch Zheng Jian steht ganz gelassen im Abteil und strahlt. "Sehen Sie mal, das Wasser im Glas vibriert kein bisschen", sagt er stolz. "Das hier ist eine Revolution für die chinesische Eisenbahn", erklärt der Vize-Chefingenieur des Eisenbahnministeriums dann stolz. "120 Kilometer in 30 Minuten, Weltrekord."
Kurz vor Beginn der Olympischen Sommerspiele schreibt China Eisenbahngeschichte. Am Freitag geht zwischen Peking und der Hafenstadt Tianjin, wo bald für Olympia Fußball gespielt wird, eine superschnelle Zugverbindung in Betrieb. Für die Chinesen ist es die "schnellste Zugverbindung der Welt". Der französische TGV oder der deutsche ICE 3 fahren im Linienverkehr rund 330 Kilometer pro Stunde. Zum Start pendelt zwischen den Olympia-Orten alle fünf Minuten ein Zug, der jeweils 600 Passagiere befördern kann.
Die Metropole Peking hat damit für die Spiele in kürzester Zeit ihre Infrastruktur aufgemöbelt. Erst vor knapp zwei Wochen wurde der erste Airport-Expresszug eingeweiht. Zuvor war bereits ein neues Flughafenterminal eröffnet worden, das eines der modernsten der Welt ist. Außerdem wurden für die Spiele drei neue U-Bahn-Linien gebaut. Allein in die U-Bahn hat die Führung rund vier Mrd. Dollar investiert. Denn bislang hatte die Hauptstadt nur ein sehr kleines unterirdisches Bahnnetz. Doch während der Spiele soll es täglich bis zu fünf Millionen Passagiere transportieren.
Das Netz wird dann trotz der Erweiterung an seine Grenzen kommen. Auch während der Sommerspiele werde es "kleinere Probleme" geben, da die neuen und renovierten Strecken bis zu einem Jahr lang in der Erprobung seien, räumte Zhou Zhengyu von der Pekinger Verkehrskommission vor einigen Tagen ein. Vor allem die Umsteigebahnhöfe seien überlastet.
Bei dem neuen Schnellzug nach Tianjin rechnen die Betreiber an Spitzentagen mit einer Million Passagiere, erklärte gestern Wang Yongping, Sprecher des Eisenbahnministeriums. Die Strecke ist in weniger als drei Jahren errichtet worden, die Kosten des Projekts liegen bei 2,9 Mrd. Dollar. Der dort eingesetzte CHR3-Schnellzug wird deutschen Olympiagästen vertraut vorkommen. Denn er ist im Prinzip ein Nachbau des ICE, den Siemens
nach China verkauft hat. Der Zug basiere auf dem Konzept des ICE 3 der Deutschen Bahn, heißt es bei dem Münchener Konzern. Drei Züge wurden aus Deutschland geliefert, "die restlichen 57 wurden vom chinesischen Partner Tangshan Locomotive & Rolling Stock Works gebaut".
Doch es gibt kleine Unterschiede. So findet man im chinesischen ICE nicht nur Steh-Toiletten, sondern die Olympiazüge sind auch breiter als das deutsche Vorbild. Denn die Käufer aus Peking wollten in der 2. Klasse unbedingt einen Sitz mehr pro Reihe haben. Das habe den deutschen Ingenieuren viel Arbeit bereitet, sagt ein Siemens
-Mann, da die verkauften Blaupausen geändert werden mussten.
Der Olympia-Ausbau ist jedoch erst der Anfang der Modernisierung der chinesischen Verkehrswege. Die Stadt Peking hat angekündigt, das U-Bahn-Netz bis 2015 um sechs weitere Linien aufzustocken. Eine Strecke soll dann auch vom Zentrum zum neuen Bahnhof im Süden der Stadt führen, wo die Züge nach Tianjin abfahren. Das Start-Terminal ist ebenfalls ein Projekt der Superlative. Auf 320 000 Quadratmetern ist der größte Bahnhof Asiens mit 24 Bahnsteigen entstanden. Wie bei vielen Neubauten in Peking wurde auch hier eine ovale Architektur übernommen.
Auch in Tianjin ist zu erkennen, dass der Ausbau der Infrastruktur nicht mit den Olympischen Spielen aufhören wird. Etliche neue Bahnsteige sind fertig, nur die Gleise fehlen noch. "Von hier wird es dann im Eiltempo weiter nach Schanghai gehen", sagt Ingenieur Zheng Jian. In der Küstenmetropole findet 2010 die Weltausstellung statt. Dann soll man zwischen den beiden Städten in wenigen Stunden pendeln können. Und irgendwann werde ganz China mit Hochgeschwindigkeitszügen zu bereisen sein, redet Zheng ein bisschen von der nach-olympischen Zukunft. In den kommenden zwei Jahren will China sein Bahnnetz um rund 15 000 Kilometer auf 90 000 Kilometer ausbauen.
Das Pekinger Eisenbahnministerium weist auf die guten Absatzchancen für deutsche Exporttechnologie hin und erklärt, warum man sich beim CRH
für die deutsche ICE-Basis und nicht für japanische Technologie entschieden habe: "Wir wollten, dass unsere Passagiere im sicheren Mercedes sitzen und nicht in einem billigen, einfachen Honda."![]()
Für die Sicherheit im Zug sorgt aber das chinesische Personal. Sie erkenne nicht nur verdächtiges Gepäck, sagt eine Stewardess auf der Testfahrt zurück in die Hauptstadt mit sanftem Lächeln: "Ich habe auch Karate gelernt."

