Doch es gibt kleine Unterschiede. So findet man im chinesischen ICE nicht nur Steh-Toiletten, sondern die Olympiazüge sind auch breiter als das deutsche Vorbild. Denn die Käufer aus Peking wollten in der 2. Klasse unbedingt einen Sitz mehr pro Reihe haben. Das habe den deutschen Ingenieuren viel Arbeit bereitet, sagt ein Siemens
-Mann, da die verkauften Blaupausen geändert werden mussten.
Der Olympia-Ausbau ist jedoch erst der Anfang der Modernisierung der chinesischen Verkehrswege. Die Stadt Peking hat angekündigt, das U-Bahn-Netz bis 2015 um sechs weitere Linien aufzustocken. Eine Strecke soll dann auch vom Zentrum zum neuen Bahnhof im Süden der Stadt führen, wo die Züge nach Tianjin abfahren. Das Start-Terminal ist ebenfalls ein Projekt der Superlative. Auf 320 000 Quadratmetern ist der größte Bahnhof Asiens mit 24 Bahnsteigen entstanden. Wie bei vielen Neubauten in Peking wurde auch hier eine ovale Architektur übernommen.
Auch in Tianjin ist zu erkennen, dass der Ausbau der Infrastruktur nicht mit den Olympischen Spielen aufhören wird. Etliche neue Bahnsteige sind fertig, nur die Gleise fehlen noch. "Von hier wird es dann im Eiltempo weiter nach Schanghai gehen", sagt Ingenieur Zheng Jian. In der Küstenmetropole findet 2010 die Weltausstellung statt. Dann soll man zwischen den beiden Städten in wenigen Stunden pendeln können. Und irgendwann werde ganz China mit Hochgeschwindigkeitszügen zu bereisen sein, redet Zheng ein bisschen von der nach-olympischen Zukunft. In den kommenden zwei Jahren will China sein Bahnnetz um rund 15 000 Kilometer auf 90 000 Kilometer ausbauen.
Das Pekinger Eisenbahnministerium weist auf die guten Absatzchancen für deutsche Exporttechnologie hin und erklärt, warum man sich beim CRH
für die deutsche ICE-Basis und nicht für japanische Technologie entschieden habe: "Wir wollten, dass unsere Passagiere im sicheren Mercedes sitzen und nicht in einem billigen, einfachen Honda."![]()
Für die Sicherheit im Zug sorgt aber das chinesische Personal. Sie erkenne nicht nur verdächtiges Gepäck, sagt eine Stewardess auf der Testfahrt zurück in die Hauptstadt mit sanftem Lächeln: "Ich habe auch Karate gelernt."

