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21.08.2008 
Skeptische Bürger

Japaner zweifeln an Tokios Olympia-Bewerbung für 2016

von Finn Mayer-Kuckuk

Während sich in China die Olympischen Spiele dem Ende zuneigen, wachsen in Japan die Zweifel an der Tokioter Bewerbung für 2016. Die Sommerspiele in Nippons Hauptstadt sind ein Lieblingsprojekt des ultrakonservativen Stadtgouverneurs Shintaro Ishihara. Doch viele seiner Bürger sehen die Bewerbung höchst skeptisch.

"Vor uns liegt noch ein harter Kampf", sagt Shintaro Ishihara. Tokios Gouverneur hat bereits neun Milliarden Euro für erste Vorbereitungen beiseite legen lassen. Foto: rtsLupe

"Vor uns liegt noch ein harter Kampf", sagt Shintaro Ishihara. Tokios Gouverneur hat bereits neun Milliarden Euro für erste Vorbereitungen beiseite legen lassen. Foto: rts

PEKING. Wegen glänzender Wahlergebnisse könnte Tokios Stadtgouverneur Shintaro Ishihara zwar die Vorbereitungen für Olympia 2016 praktisch im Alleingang durchsetzen. "Die Spiele würden aber viel zu viel kosten und wahnsinnigen Aufwand bedeuten", kritisiert Yoshiko Fukushi, Mitglied des Stadtparlaments. "Die Spiele 1964 hatten noch ökonomisch Sinn. Das ist diesmal anders."

Tatsächlich sind auch viele Bürger höchst skeptisch: Die Unterstützung in der Öffentlichkeit für die Bewerbung liegt bei nur 59 Prozent - deutlich niedriger als bei den Mitbewerbern Chicago und Rio de Janeiro. Madrid kommt auf 90 Prozent.

Das Hauptproblem: Die Tokioter sehen sich einfach nicht am richtigen Punkt für Olympia. Mit den Spielen 1964 kehrte Japan nach dem Krieg in die Weltgemeinschaft zurück und konnte sich als modernes Land präsentieren. Heute muss Japan der Welt nichts mehr beweisen. Mit der Überalterung der Gesellschaft und schlechteren Wirtschaftszahlen sieht die Zukunft für den überschuldeten Staat ohnehin teuer aus. Warum dann noch ein Riesenprojekt stemmen? Unabhängige Quellen schätzen die Kosten auf 45 Mrd. Euro.

Auch japanische Olympiatouristen in Peking sind skeptisch. "In Tokio nerven schon allein die Vorbereitungen für die Bewerbung. Wenn ich jetzt hier den ganzen Aufwand sehe, kriege ich ein schlechtes Gefühl", sagt Yasuo Wakita (27). "Die Leute hier haben Maßstäbe gesetzt, da wird es schwer, heran zu reichen." Und schlechtere Spiele abzuliefern als der große asiatische Rivale - das wäre nicht mit Japans Stolz zu vereinbaren.

Peking 2008 bedeutet noch ein deutlich konkreteres Problem für Tokio 2016. Japanische Olympia-Beobachter befürchten, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Spiele nicht schon wieder nach Asien vergeben möchten. Aus China sind bereits viele asiatische Eindrücke auf die Weltöffentlichkeit eingeprasselt. Der Chef des Tokioter Bewerbungskomitees hält diesen Einwand jedoch für unbegründet. "Das IOC hat keine Rotationsregeln nach Kontinenten, und wir sind überzeugt, die stärkste Bewerbung abzuliefern."

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