20 Bewertungen ***
09.07.2008 
Vor Olympia

Peking macht deutsche Fabriken dicht

von Andreas Hoffbauer

Schon Wochen vor ihrem Beginn machen die Olympischen Spiele ausländischen Unternehmen in China das Leben schwer: Viele Firmen, darunter auch einige deutsche, müssen ihre Produktion stoppen, um die Luftqualität zu verbessern. Aber auch der Materialnachschub ist mittlerweile problematisch.

Der HImmel über Peking: Die Behörden wollen dem Smog jetzt zu Leibe rücken - und schließen dafür auch ausländische Fabriken. Foto: ReutersLupe

Der HImmel über Peking: Die Behörden wollen dem Smog jetzt zu Leibe rücken - und schließen dafür auch ausländische Fabriken. Foto: Reuters

PEKING. Ausländische Firmen in China leiden unter staatlich verordneten Produktionsstopps, unterbrochenen Lieferketten oder strengen Einreiseregeln. So wurden Betriebe am Industriestandort Langfang – rund eine Stunde von Peking entfernt in der Provinz Hebei – vor ein paar Tagen aufgefordert, ihre Produktion vom 15. Juli bis Ende September einzustellen. Die Mitteilung ging an 86 Unternehmen, darunter sechs deutsche.

„In Langfang haben sich etliche europäische Unternehmen angesiedelt, die nun auch von den Schließungen für Olympia betroffen sind“, bestätigt Jörg Wuttke, Präsident der EU-Kammer in Peking. Zwar gingen die drohenden Verlusten sicher nicht in die Milliarden: „Aber alle diese Firmen produzieren für die chinesische Wirtschaft“, so Wuttke. Wenn diese nun für Monate dichtmachten, seien nicht nur die Firmen selbst betroffen, sondern auch Chinas Industrie.

Auf der Stilllegungsliste der chinesischen Behörden, die dem Handelsblatt vorliegt, stehen als deutsche Firmen die Hess Maschinenfabrik aus Burbach, die Lack- und Farbenfabrik Wörwag, der Baumaschinenspezialist Wirtgen, die BYK Chemie aus Wesel, die Bergbautechnikfirma DBT aus Wuppertal sowie der deutsche Anlagenbauer Gea, der allein in Langfang mit 350 Beschäftigten Großkomponenten für Luftkondensatoren herstellt.

Chinas Behörden wollen mit den vorübergehenden Stilllegungen vor allem die Luftqualität für die Olympischen Spiele verbessern. Peking ist seit Wochen in dicken Smog gehüllt. In einem Monat sollen dort die Sommerspiele beginnen. Auch in der nahen Hafenstadt Tianjin wurde darum die Schließung von 40 Fabriken angeordnet. In Hebei, dem Stahlzentrum Chinas, sollen bereits 267 Firmen vorübergehend geschlossen worden sein.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

weiterPeking-Ente - die Olympia-Kolumne

Acht und vier – oder zwei Zehntel zum Glück  Artikel in Merkliste

Peking-Ente - die Olympia-Kolumne

Die Kampfrichter haben Fabian Hambüchen gerade noch mal davon kommen lassen, mit dem Gewinn seiner Bronzemedaille am Reck. Zwei Zehntel weniger hätten zum vierten Mal Platz Vier bedeutet. Kolumne


Bildergalerien

zurück
  • Baggern für Gold

    Baggern für Gold

    Mit ihrem 108. Sieg in Serie haben Kerri Walsh und Misty May-Treanor beim olympischen Beachvolleyball-Turnier in Peking ihren Gold-Coup von Athen 2004 wiederholt. Impressionen vom Finale. Bildergalerie 

  • Drama um das „Gesicht der Spiele“

    Drama um das „Gesicht der Spiele“

    Um 11.51 Uhr standen am Montag in Peking die Uhren still und schienen auch nach einigen Sekunden des Entsetzens nicht weiterzulaufen. Chinas größte Olympia-Hoffnung Liu Xiang hat mit seinem verletzungsbedingten Aus im Vorlauf über 110 Meter Hürden eine ganze Nation ges...Bildergalerie 

  • „Olympia ist harte Arbeit“

    „Olympia ist harte Arbeit“

    War es richtig, China die Olympischen Spiele ausrichten zu lassen? Wie sechs Top-Manager von Adidas, BASF, VW, Siemens, General Electrics und Daimler zu dieser Frage stehen und was sie sich ganz persönlich zu den Spielen wünschen.Bildergalerie 

vor