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06.10.2008 
Internationale Presseschau vom 6.10.2008

Aus Mangel an Vertrauen

von Peggy Pfaff

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Entscheidung der deutschen Regierung, die Spareinlagen der Privatanleger zu garantieren. In Newsweek macht Francis Fukuyama die Ideale der Reagan-Ära für die heutige Krise verantwortlich. Die Izvestia vernimmt den Schlussakkord zur russischen Konsumära. Fundstück: Erfolgreiche Manager sind inkompetent.

Ein Blick in die internationale Wirtschaftspresse.Lupe

Ein Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

"Ein bedeutender Schritt", meint der BBC-Wirtschaftsexperte Robert Preston in seinem Blog zur Entscheidung der deutschen Regierung. Im Prinzip sei diese nach den Ankündigungen Irlands und Griechenlands nahezu unumgänglich gewesen. "Doch die deutsche Wirtschaft ist die größte Europas, Deutschland ist ein globales Kraftwerk, mit einem Bankensektor, der sich seit Jahren seines Konservatismus rühmt. Das also Deutschland als erste bedeutende europäische Wirtschaftsnation den privaten Geldanlegern 100 Prozent Sicherheit garantiert, zeigt, wie schwach und fragil seine Banken geworden sind." Nun müsse auch Großbritannien nachziehen. Denn in Deutschland habe zwar scheinbar die Lage der Hypo Real Estate die Regierung zu diesem Schritt bewogen. Doch in Wirklichkeit gebe es eine anderen Grund dafür: "der fast vollständige Zusammenbruch des Vertrauens in Banken, seitens der Anleger, aber auch seitens der Banker selbst."

Die Welt kritisiert das Unverständnis der Politiker für die Dramatik der Situation, in der sich die Banken befinden. Kaum eine Situation ließen sie derzeit aus, um mit dem Finger auf vermeintlich unfähige Banker zu zeigen. Die Forderung von Kanzlerin Angela Merkel, dass diese ihren Beitrag zur Lösung der Finanzkrise leisten müssten, klinge vordergründig logisch und gerecht. Dabei wüssten Politiker weder zu sagen, welche Schuld die deutschen Kreditinstitute konkret tragen, noch hätten sie Antworten für die systemische Krise. "Die Marktwirtschaft basiert nun einmal darauf, dass Menschen und Institutionen einander vertrauen. Sonst würde niemand Geldscheine als Zahlungsmittel akzeptieren. Denn die sind durch kaum mehr gedeckt als Vertrauen." Wenn aber dieses Vertrauen verloren sei, könne es vorübergehend nur der Staat richten. "Das hat endlich auch die Kanzlerin eingesehen und de facto die Spareinlagen von inländischen Privatpersonen garantiert. Ein richtiger Schritt - auch wenn es bei einer solchen Garantie auf die Details der Ausgestaltung ankommt."

In Spanien kommt El Mundo nicht umhin zu bemerken, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel noch am Samstag ein ähnliches Vorhaben der irischen Regierung kritisiert habe. Mit dieser neuen Ankündigung wolle die deutsche Regierung offenbar den Wellenschlag anhaltend schlechter Nachrichten auf dem Finanzmarkt ausgleichen, vermutet das Blatt. Die Ankündigung von Frau Merkel sei eine letzte Anstrengung, die Bevölkerung vor den Turbulenzen im Bankensektor zu beruhigen. Die Regierung werde nicht erlauben, dass die Krise der zweitgrößten Hypothekenbank des Landes den Rest des Finanzmarktes anstecke. Generell sei das deutsche Bankensystem aber sehr sicher. Neben der vom Staat versprochenen Garantie der Spareinlagen hafteten die Banken selbst bei Zahlungsunfähigkeit mit acht Prozent ihres Eigenkapitals und die Volksbanken und Sparkassen hätten zusätzliche Vereinbarungen, sich im Fall von Problemen gegenseitig zu "retten", weiß El Mundo.

Die International Herald Tribune wertet Deutschlands Vorstoß im Zuge des Rettungsplans für die Hypo Real Estate als weiteres Beispiel einer ganzen Reihe von Einzelaktionen, denen sich Europa derzeit fieberhaft widme. "Die Eurozone geht die Bankenkrise auffällig bruchstückhaft an, aber im Grunde genommen hat sie keine Wahl. Denn obwohl sie ein Markt mit einer Währung ist, hat die Eurozone kein grenzübergreifendes System zur Regulierung und Aufsicht der Privatbanken etabliert. Statt der Europäischen Zentralbank diese Aufgabe zu übertragen, entschied man sich für ein Patchwork aus 50, über den Kontinent verstreuten Behörden." So gebe es auch verschiedene Standards für die Garantie von Ersparnissen, die Entscheidungen Irlands, Griechenlands und nun Deutschlands, die privaten Geldanleger zu schützen, setzten nun ihre Partnerländer unter Druck, weil sie ihren Banken im Vergleich zu anderen europäischen Geldinstituten einen Vorteil verschafften. Es zeige sich nun, dass das europäische Modell in ruhigen Zeiten gut funktioniere, in stürmischen aber versage. "In Europa wurde Fortschritt zumeist durch eine Krise ausgelöst. Die aktuellen Probleme könnten einer dieser raren Momente in der europäischen Geschichte sein."

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