Seltsame Sorgen um Berliner Obama-Auftritt
In der International Herald Tribune wundert sich der deutsche Schriftsteller Christoph Peters über die Sorgen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass sich der US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama bei seinem Besuch am Brandenburger Tor mit großen Gesten als „Politiker der Balance und Integrität“ präsentieren könnte. Hintergrund: Politiker seien immer vorsichtig, sich nicht in den Wahlkampf anderer Länder einzumischen. Merkel selbst habe andererseits 2003 als Oppositionsführerin ihren Platz auf der Weltbühne genommen und einen PR-Coup gelandet, indem sie in einem Artikel für die Washington Post Unterstützung für George W. Bush im Irak signalisiert habe. „Ihre aktuelle Haltung hat nichts damit zu tun, im Präsidentschaftswahlkampf neutral zu bleiben“, kritisiert Peters.
Atomkraft kein guter französischer Exportartikel
Zehn Tage nach dem Zwischenfall im südfranzösischen Atomkraftwerk Tricastin schreibt Le Monde, dass der Unfall eine einfache Wahrheit zeige: Die Atomkraft sei, entgegen der Versicherungen von Nicolas Sarkozy, keine harmlose Industrie und daher kein französischer Exportartikel wie andere – Ende April hatte Sarkozy in Tunesien für den Kauf französischer Atomkraftwerke geworben. Wie die Internationale Atom-Agentur bereits erklärt habe, seien weitere 15 Jahre Entwicklungsarbeit vonnöten, um eine „Kultur der Sicherheit“ zu erlangen, meint die Tageszeitung. „Zu einem Zeitpunkt, da sich Frankreich, mit GDF-Suez, als neuer Energie-Gigant geriert, kann die Aussicht auf 250 Reaktoren, die in der Konstruktions- oder Planungsphase seien, diese Realität nicht überdecken“, so Le Monde.
Konzentration in Spaniens Flugbranche
Cinco Días kommentiert die angespannte Situation vieler Airlines. „Spanien hat sich aufgrund einer starken touristischen Nachfrage in den letzten Jahren zum regelrechten Prüfstand neuer Geschäftsmodelle für die Luftfahrtindustrie entwickelt“, rekapituliert das Blatt. Die vergangenen Wochen hätten nun gezeigt, dass sich der Sektor im Wandel befinde – hin zu mehr Konzentration. Vueling und Clickair hätten sich schon für eine Fusion entschieden und versuchten so, „aus eins und eins eins zu machen“, um im starken Wettbewerb zu überleben. Es sei jedoch noch zu früh für Prognosen, wer am Ende überleben werde, meint Cinco Días. Die logische Konsequenz der aktuellen Situation seien weitere Zusammenschlüsse, an deren Ende drei oder vier etablierte Airlines und – falls die Ölpreise sich beruhigten – gerade noch ein Low Cost Carrier übrig blieben.
Ebay steckt in Identitätskrise
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung zweifelt an der Erklärung von Ebay, warum das eigene Handelsvolumen nicht mehr wie früher wächst. Dass das schwache Konsumumfeld dafür verantwortlich sei, leuchte nicht ein, weil gerade Ebay als „Schnäppchenparadies schlechthin“ von den schlechten Zeiten profitieren müsste, ähnlich wie die Discounter. Als tieferliegendes Problem identifiziert die FAZ, dass sich Ebay von seinem einstigen Konzept als Auktionsplattform entfernt und mehr auf den Verkauf zu Festpreisen konzentriert habe. „Mit diesem Wandel hat Ebay aber seine Unverwechselbarkeit verloren und ist anfälliger für die Konkurrenz von Amazon und jedem anderen Online-Händler.“ Jetzt stecke Ebay in einer Identitätskrise.

