Neue Episode in der Fehde um TNS![]()
Die New York Times verfolgt amüsiert die neuste Episode in der Übernahmefehde zwischen dem britischen Werbegiganten WPP Group
, Taylor Neslon Sofres (TNS)
und der deutschen GfK
Gruppe. "Als ob verrückte Männer nicht genug wären, unterhält sich die Branche selbst mit einem Drama", kommentiert die Zeitung die Vorgänge. Es sei unverständlich, warum die GfK
erst eine Fusion auf Augenhöhe angestrebt, dann aber einen Rückzieher gemacht habe. WPP habe mit 2,18 Milliarden US-Dollar mehr geboten als beim Aktien-Deal mit der GfK
hätte herauskommen können. "Dreimal wies TNS
das Angebot zurück, weil man unbedingt mit der GfK
zusammengehen wollte. Das wirft kein schmeichelhaftes Licht auf den TNS
-Vorstand." Auch die viel zitierten Synergieeffekte zwischen TNS
und GfK
seien inzwischen fraglich, eine Beraterfirma habe sie als "ziemlich optimistisch" eingestuft. "Nun ist die TNS
-Aktie 225 Pence wert, WPP bietet 260,7 Pence. Diese Nummer muss die GfK
erstmal knacken."
Siemens
soll weniger deutsch werden
Peter Löschers Entscheidung, rund 17.000 Jobs weltweit abzubauen, wertet der Economist aus Großbritannien als Teil seines Umstrukturierungsplans für Siemens
. "Als Löscher den Vorstandsvorsitz übernahm, wurde er mit zwei Aufgaben konfrontiert: dem Umbau des Technikgiganten und der Verarbeitung des größten Skandals in der Unternehmensgeschichte. Dazu muss er Siemens
auf den Kopf stellen." Der Arbeitsplatzabbau betreffe vornehmlich die Verwaltung, Ziel sei es, die Kosten bis 2010 um 1,2 Milliarden Euro zu reduzieren: "Das ist genau der Betrag, den der Konzern an Bestechungsgeldern weltweit gezahlt haben soll." Das zeige, das Löscher das Kapitel Bestechung so schnell wie möglich abschließen wolle. "Er will den Konzern auf einen wirtschaftlichen Abschwung vorbereiten und gleichzeitig wettbewerbsfähig machen. Dazu verändert er die Unternehmenskultur, sie soll weniger deutsch werden." Löschers Chancen würden nicht schlecht stehen: "Siemens kann vom demografischen Wandel profitieren, weil die alternde Gesellschaft mehr Ausstattung im Gesundheitswesen und Asien mehr Kraft-, Wasser- und Transportunternehmen benötigt."
Die EU sollte dem Beispiel der SEC folgen
Die Pläne der EU-Finanzminister, Ratingagenturen stärker zu regulieren, zielen nach Auffassung der Financial Times in die falsche Richtung. "Wenn die neuen Verhaltensregeln mehr sein sollen als ein zahnloses Wunder, müssen sie zwei Elemente beinhalten: den Wegfall von Vorschriften, die auf Ratings basieren, und den Willen, sich auf die Märkte zu verlassen. Doch beides wurde von den EU-Verantwortlichen bislang nicht erwähnt." Stattdessen wolle die EU Ratingagenturen zur regelmäßigen Registrierung und Implementierung von Berichten und Inspektionen verpflichten. "Doch das Kernproblem sind nicht Interessenskonflikte oder Gier auf Seiten der Agenturen, sondern Inkompetenz", meint das Blatt. Das Problem seien die auf Ratings asierenden Vorschriften: Das Geschäft habe sich von reiner Informationsbeschaffung zum Lizenzverkauf gewandelt. Diese Vorschriften hätten die Kreditkrise befeuert, weil sie den Beteiligten die Möglichkeit gaben, neue Finanzprodukte zu entwickeln, die höhere Bewertungen erhielten als verdient. "Doch die EU sieht hier nicht das Problem. Nun hat die amerikanische Securities and Exchange Commission (SEC) beschlossen, viele dieser auf Ratings basierenden Vorschriften abzuschaffen. Die EU sollte dem Beispiel der SEC folgen."
Abschied von einer französischen Institution
"Die 35-Stunden-Woche war einmal. Begraben, oder fast begraben, von der Nationalversammlung", kommentiert der Nouvel Observateur die historische Zäsur im französischen Arbeitsrecht. 35 Stunden seien nach dem neuen Gesetz legale Arbeitszeit, darüber hinaus könnten Unternehmen die Arbeitszeit mit ihren Arbeitnehmern aushandeln - in Form von Überstunden. Abgesehen von der Tatsache, dass viele Unternehmen die neue Möglichkeit nicht in Anspruch nehmen werden - Verhandlungen mit jedem Mitarbeiter seien zu aufwändig - und auch viele Franzosen in wiederholten Umfragen bestätigt hätten, dass sie die Ausbezahlung von Überstunden gar nicht wünschten, sei an dem Beschluss selbst nichts auszusetzen: "Schließlich wurde Nicolas Sarkozy dafür gewählt." Kritisiert werden müsse jedoch die Vorgehensweise des Präsidenten und seiner Regierung: Die beiden großen Gewerkschaften CGT und CFDT hätten sich bereit erklärt, Überstunden auf Unternehmerebene zu erleichtern. Was aber nun herausgekommen sei - maximal 220 Überstunden pro Monat - sei ein Freibrief für Arbeitgeber. "Die Gewerkschaften wurden gedemütigt."

