Die internationale Wirtschaftspresse hinterfragt das starke Wachstum der deutschen Wirtschaft. The Atlantic führt den Erfolg von Barack Obama auf dessen geniale Geldmaschine zurück, während Newsweek die blonde Geheimwaffe von John McCain vorstellt. China Daily hat Angst vor dem „Krebs der Wirtschaft“. Fundstück: Die Maschine von La Mancha.
Auf der Suche nach Gründen, warum die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal überraschend stark um satte 1,5 Prozent gewachsen ist, schreibt die » Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Deutschland hilft, dass es zielstrebiger als andere in Osteuropa und in den Schwellenländern neue Absatzmärkte erschlossen hat. (...) Dank schlankerer Unternehmensstrukturen und einiger Reformen, vor allem am Arbeitsmarkt, ist die deutsche Volkswirtschaft etwas flexibler und widerstandsfähiger gegen Schocks geworden.“ Wellen des Glücks habe der Aufschwung in der Bevölkerung allerdings bislang nicht verbreitet. „Man hat viel eher das schale Gefühl, weit mehr als die meisten Bürger profitierten die Finanzminister und Kämmerer“, dämpfen die Frankfurter die Euphorie.
Aus Sicht der » Frankfurter Rundschau ist die „Superzahl“ ein „hübscher Ausreißer“: „Die Finanzkrise, der gefährlich feste Euro, der Ölpreis, der von Rekord zu Rekord eilt, und Amerika in der Rezession – wenn all das an Deutschlands Unternehmen und Verbrauchern spurlos vorbei ginge, dann müssten die Lehrbücher neu geschrieben werden.“ Gleichwohl sei erstaunlich, dass dieses Land auch ohne schmerzvolle Reformen wachse, wenn man es nur lasse. „Es sieht so aus, als würde Deutschland nun zum Wachstumspol Eurolands. Aber nur weil es im Gegensatz zu Spanien, Irland und Co. zehn Jahre unter seinen Möglichkeiten geblieben ist, wurde es von der Krise halbwegs verschont. Ohne Rausch, auch kein Kater.“
Die » International Herald Tribune sieht in den guten Konjunktur-Zahlen aus Deutschland und Frankreich eine Bestätigung für den Kurs der Europäischen Zentralbank, die – anders als die US-Notenbank – mit dem Verweis auf die Gefahr der Inflation auf Leitzins-Senkungen verzichtet habe. Die unterschiedliche Entwicklung der einzelnen EU-Länder zeige jedoch, dass der Job der EZB im Jahresverlauf komplizierter werde. Indem die EZB den Leitzins seit Ausbruch der Finanzkrise im August bei vier Prozent konstant hielt, habe sie eine Geldpolitik für Deutschland gemacht. „Für die meisten anderen Länder wären einfachere Kredite eine Erleichterung, aber das ist unmöglich in einer Währungsunion.“ Anders als Deutschland habe das Wachstum in Spanien und Irland seit Jahresbeginn beinahe stagniert, während Italien in eine Rezession steuere.
Für die » Financial Times Deutschland sind die jüngsten Daten ein erfreuliches Zeichen – „Bis dato hat die deutsche Wirtschaft allen Turbulenzen widerstanden.“ Sie seien aber keine Gewähr dafür, dass höhere Preise und Wechselkurse nicht im weiteren Verlauf des Jahres den befürchteten Konjunkturrückschlag auslösten. Beim Export in die USA, nach Japan oder China spürten deutsche Unternehmen bereits, wie sehr sich ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die enorme Euro-Aufwertung verschlechtert habe – und wie stark die Nachfrage nach Made in Germany nachlasse. „Dazu kommen Milliarden zusätzliche Kosten durch gestiegene Ölpreise. Und ein mächtiger Kaufkraftverlust für die Verbraucher“.
Deutschland sei bereits die stärkste Wirtschaft in Europa – und habe gestern den Auftritt eines „Superhelden“ genossen, schreibt » Forbes. Zum Feiern sei es jedoch zu früh. Nach Einschätzung des Commerzbank-Ökonomen Matthias Rubisch gehe es der deutschen Wirtschaft zwar so gut, dass die Firmen lieber in Maschinen investierten, statt die Kosten zu senken. Dennoch sei mit niedrigeren Wachstumsraten wegen eines bevorstehenden Abschwungs auf dem Arbeitsmarkt zu rechnen.
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René Obermann zu langsam
Die » Süddeutsche Zeitung zweifelt am Erfolg von Telekom-Chef René Obermann, der sowohl von der Beteiligungsgesellschaft Blackstone, als auch von Vertretern der Bundesregierung sowie gestern von Kleinanlegern auf dem Aktionärstreffen öffentlich gelobt wurde. Obermann habe nichts falsch gemacht, müsse seine Pläne aber schneller durchziehen, wolle er den Aktienkurs steigern. „Mit den Zukäufen im Ausland liegt Obermann deutlich hinter Konkurrenten wie der britischen Telefongesellschaft Vodafone oder der spanischen Telefónica. Beide haben sich schon länger die besten Firmen in wachsenden Märkten außerhalb ihrer Heimat gesichert.“ Die Telekom sei zu lange mit sich beschäftigt gewesen, jetzt fehlten attraktive Ziele. „Der Einstieg bei OTE und Gerüchte um eine Beteiligung an Sprint Nextel haben zu Kursabschlägen geführt. In Wachstumsfeldern wie Internetwerbung mangelt es an Schlagkraft. Obermann darf keinesfalls langsamer werden.“
Obama geniale Geldmaschine
» The Atlantic führt den bisherigen Erfolg von Barack Obama auf dessen „Geldmaschine“ zurück. „Obama wäre nicht dort, wo er heute steht, besäße er nicht eine außergewöhnliche Fähigkeit, große Summen hervorzulocken“, schreibt das Magazin – bislang habe Obama eine viertel Milliarde Dollar an Wahlkampfspenden eingeworben und so die „mächtigste demokratische Familie dieser Generation“, die Clintons, in den Schatten gestellt. Der Präsidentschaftskandidat habe eine „Spendensammel-Maschine“ in Gang gesetzt, die sich von seinen Vorgängern unterscheide: Sie ziehe kleinere und größere Spender an, solche, die Geld ausgeben und jene, die Spenden einwerben möchten, Veteranen-Aktivisten und erstmalige Beiträger sowie Unterstützer, die ausgezeichnet vernetzt seien per Computer, Telefon und PDAs. Obama agiere äußerst effektiv: Im Februar seien 55 Millionen Dollar auf sein Wahlkampfkonto geflossen, davon 45 Millionen Euro über das Internet – ohne dass Obama auch nur eine an einer Spenden-Sammelaktion teilgenommen habe. Dies habe Obama in erster Linie der Unterstützung durch Silicon Valley-Unternehmer und Geldgeber zu verdanken, die ihre eigenen Technologie- und Geschäftspraktiken in die Politik transferiert hätten. Dreh- und Angelpunkt sei die Webseite My.BarackObama.com, die technologisch weit vor den Seiten der Wettbewerber liege und vom Trend der Sozialen Netzwerke profitiere.
Blonde Geheimwaffe von John McCain
» Newsweek stellt die Geheimwaffe von US-Präsidentschaftskandidat John McCain vor: Carly Fiorina, Ex-Chefin von Hewlett-Packard, die seit März als wirtschaftspolitische Beraterin von McCain arbeite. Anfangs habe die blonde Fiorina scheinbar eine ähnliche Rolle wie der damalige Goldman Sachs-Vizechef Robert Rubin an der Seite von Bill Clinton im Wahlkampf 1992 gespielt – Demokraten schmückten sich oft mit Wirtschaftsvertretern, reichen, erfolgreichen Leuten, die versicherten, dass der Kandidat ihre Bedürfnisse verstehe und ihnen nicht gefährlich werde. Republikaner hätten diese Dienste meist nicht nötig gehabt, wohl aber McCain: Wegen der Fiskalpolitik unter Bush seien viele CEOs zu den Demokraten übergelaufen; auf Republikaner reagiere man an der Wall Street inzwischen skeptisch; hinzu komme, dass McCain eingeräumt habe, dass Wirtschaftspolitik nicht seine Stärke sei. Fiorina passe vor diesem Hintergrund ideal zu McCain. Ihre Memoiren hießen „Harte Entscheidungen“ – ein Thema, über das McCain besonders gerne rede; sie sei eine moderate, der Globalisierung aufgeschlossene, in Kalifornien ansässige Frau, die vernünftig über Technologie nachdenke. Außerdem eigne sie sich als politischer Kampagnero, da sie eine „eloquente Verkäuferin“ sei.
Billigauto beflügelt indische Wirtschaft
Nachdem Bajaj Auto, Nissan und Renault ein Joint-Venture zur Produktion eines 2500-Dollar-Autos und Tata Nano-Rivalen bekannt gegeben haben, jubelt die indische » Economic Times. Dies sei einmal mehr ein Beleg für die zunehmende Kompetenz der Herstellung in Indien. Die Entwicklung eines ultrabilligen Autos in Indien werde dazu beitragen, dass der bislang geringe Anteil des produzierenden Gewerbes am Bruttosozialprodukt (17 Prozent) steigen und für mehr Beschäftigung sorgen werde. Hinzu komme, dass gerade die Herstellung solcher Billigautos zu effizienteren Herstellungsprozessen und Innovationen führen werde, von denen die gesamte heimische Autoindustrie letztlich profitiere.
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Angst vor Stagflation in China
» China Daily beschreibt die schwierige Situation der chinesischen Wirtschaft, die gleichzeitig von einer Überhitzung und einem Abschwung in bestimmten Sektoren bedroht werde. Das „worst scenario“ sei eine Stagflation, die Kombination von Inflation und Stagnation – bislang gebe es in den ökonomischen Textbüchern kaum ein Medikament gegen diesen „Krebs der Wirtschaft“. Vor die Wahl gestellt, entweder das Wirtschaftswachstum zu stimulieren oder den Preisanstieg einzudämmen, sollten die Politiker für die erste Maßnahme votieren, rät das Blatt – dieses Ziel sei einfacher zu erreichen, als die Inflation herunterzuschrauben. Da die Preise für landwirtschaftliche Produkte auf absehbare Zeit weltweit ansteigen könnten – vielleicht sogar, ohne dass ein Ende in Sicht sei –, bleibe das Wirtschaftswachstum die einzige Wahl, da ein Eindämmen der Inflation eine „mission impossible“ sei.
Ende der Agrar-Subventionen
Nach der Sturmkatastrophe in Myanmar untersucht die » Japan Times die Nahrungsmittelversorgung in Asien, die „besorgniserregend, aber nicht zum Verzweifeln“ sei . Durch bessere landwirtschaftliche Produktionsformen sowie verbesserte Bewässerung könne die Getreideproduktion erhöht werden; der Widerstand in einigen Ländern gegen Gen-Saat werde zudem vermutlich schwinden und ermögliche neue Perspektiven. Wichtig sei in dieser Situation, sich den sowohl in Entwicklungs- als auch entwickelten Ländern erhobenen Forderungen, die eigene Landwirtschaft gegenüber dem Ausland stärker abzuschotten, zu widersetzen. „Das führt nur zu höheren Verbraucherpreisen und Handelskriegen; die weltweite Lebensmittel-Produktion wird dadurch nicht erhöht.“ Stattdessen müssten die Handelsbarrieren und die Agrar-Subventionen beseitigt werden. Außerdem spricht sich das Blatt dafür aus, die Doha-Runde wiederzubeleben und über die Liberalisierung des Agrarhandels zu diskutieren.
Fundstück: Die Maschine von La Mancha
» Le Monde blickt erstaunt nach Detroit, wo am Dienstag erstmals ein Roboter ein Orchester dirigiert habe. Asimo („Advanced Step in Innovative Mobility“), geboren in den Hi-Tech-Werkstätten von Honda, habe mit seiner Interpretation von „Der Mann von La Mancha“ für Euphorie im Publikum gesorgt, trotz einiger Probleme, die der erste Posaunist ausposaunt habe: Die Musiker hätten auf Asimo reagiert, der jedoch nicht auf die Musiker. Um tatsächlich die „Seele eines Chefdirigenten“ unter Beweis zu stellen, müssten die Maschinen noch fünf bis zehn Jahre weiterentwickelt werden. Bis dahin werde es auch automatisierte Musiker und ein Roboter-Publikum geben.
Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

